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Hugh Jackman: Echter Kerl mit Herz
© Dreamworks

Hugh Jackman: Echter Kerl mit Herz

tele traf Hugh Jackman zum Interview. Der Filmstar sprach offen über seine Ehe, seine Kinder und – eh klar – über das Boxen …
Veröffentlicht:
03.11.2011
 

Wenn ein schrottreifer Box-Roboter Vater und Sohn einander näherbringt, sind wir mitten im US-Actionkino der großen Gefühle: "Real Steel" mit Hugh Jackman.

tele: Wieso wurde dieser Film eigentlich nicht in 3D gedreht?
Hugh Jackman: Steven Spielberg, der Produzent von „Real Steel“, hat gesagt: Sobald wir „Real Steel“ als 3D-Film ankündigen, wird er nur mehr als Action-Spektakel wahrgenommen. Und das hat nichts damit zu tun, was der Film wirklich ist. Wir brauchten 3D nicht, um unsere Geschichte zu erzählen.

Ein Roboter-Film, der auch Platz für Gefühle lässt, ist ungewöhnlich.
Ich dachte auch nicht, dass ich zum Weinen anfangen würde. Der Film hat einfach ein großes Herz, das war auch unser Ziel. Regisseur Shawn Levy [„Nachts im Museum“, „Date Night – Gangster für eine Nacht“, „Der rosarote Panther“, Anm. der Redaktion] ist ein Humanist. Ein Mann der Gefühle. Sein Ziel war einfach ein Roboterfilm mit Herz. Man sorgt sich um den Vater und den Sohn, und irgendwann sogar um den Roboter. Sie sind drei ausrangierte Figuren, in der Geschichte geht es schlussendlich um Erlösung. Sogar ich habe mich emotional berührt gefühlt, als ich den Film sah. Und das, obwohl ich mitspiele.

Haben nicht alle großen Filme über das Boxen mit Erlösung zu tun?
Vermutlich. Ich liebe „Rocky“ oder „The Fighter“ mit Mark Wahlberg. Einer meiner Lieblingsfilme aller Zeiten ist die Doku „When We Were Kings – Einst waren wir Könige“ über Muhammad Ali, George Foreman und Don King. Der Boxring ist einfach der perfekte Schauplatz für Drama. Die Hintergrundgeschichten, der Höhepunkt, der Champion, das Konzept des Stärksten: Boxen gab es in der einen oder anderen Form seit es Menschen gibt. Dann auch noch der begrenzte Raum, es gibt einen Gewinner und einen Verlierer, der gedemütigt am Boden liegt.

Dann gibt es da auch noch die Vater-Sohn-Beziehung ...
Die spielt in Shawns Filmen immer eine große Rolle, sogar in „Nachts im Museum“. Auch Steven Spielberg verwendet das oft, der Produzent des Films.

Wie war das Boxtraining mit Box-Legende Sugar Ray Leonard?
Fantastisch. Erstens sieht er unglaublich gut aus – man würde nie glauben, dass er je ins Gesicht geschlagen wurde! Er hat ein sehr hübsches Gesicht und sehr haarige Hände und er schaut viel jünger aus, als er ist. Er ist sehr präsent, sehr smart und sehr enthusiastisch. Er hat viel mit mir geredet, viel mehr, als er gemusst hätte. Er hat mir nicht nur das Boxen beigebracht, sondern auch viel über die Beziehung zum Coach erzählt, es war sehr aufregend.  Er hat viel über zweite Chancen gesprochen, er selbst hat wieder geheiratet, ist Vater geworden, hat mehr Zeit jetzt. Er ist sehr dankbar, dass er diese zweite Chance bekommen hat. Das Leben eines Boxers ist sehr einsam, auch als Champion. Und viele Leute hängen von einem ab.

Wann haben Sie zu Boxen begonnen?
Erst als ich anfing, Actionfilme zu drehen. Ich boxe, um fit zu blieben, ich besuche auch Tanzkurse. Boxen ist dem Tanzen gar nicht so unähnlich: Es geht um die Füße, den Kopf und das Herz. Es ist eine großartige Art, um fit zu bleiben. Man muss wach sein, es geht um Zeit, Flexibilität, Stärke und Fitness. Es ist zweifellos die beste Art, zu trainieren. Nur rudern ist genauso gut. Da braucht man auch jeden Muskel im Körper. Es ist ein echt brutaler Sport. Boxen ist auch ein körperlicher und geistiger Test. Ich liebe Sport. Ich kann im Prinzip in jede Sportart reinkippen. Im Sommer waren wir in Frankreich, da haben wir Boule gespielt wie die Weltmeister.

Im Film lernt Charlie viel von seinem Sohn. Was haben Sie von Ihren Kindern gelernt?
Sie lehren mich jeden Tag. Geduld, zum Beispiel (lacht). Mein Sohn, er ist elf Jahre alt, genauso alt wie mein Sohn im Film, ist jemand, der sich nicht geschickt anstellt, wenn man ihn hetzt. Und ich hab oft viel zu tun. Ich muss dann einfach langsamer werden, um zu ihm durchzudringen.  Wie allen Kindern fallen ihm Dinge auf, die ich nie bemerkt hätte. Er interessiert sich sehr für die Natur, er kennt die Namen aller Bäume, er gartelt gern, er ist eine total kontemplative, künstlerische Seele. Er kennt sich gut mit Kunstgeschichte aus, weiß vieles, mit dem ich mich vorher nie beschäftigt habe. Oft geht es einem als Elternteil ja auch um die Regeln, aber bei ihm lerne ich, langsamer zu werden, stehenzubleiben, präsent zu sein.

Was hält ihr Sohn, der Naturliebhaber, von „Real Steel“?
Das lässt mich jetzt sicher als schlechten Vater dastehen, aber es war tatsächlich so: Ich musste das Drehbuch endlich lesen, ich hatte es schon seit vier Tagen herumliegen und ich dachte, ich hätte noch mehr Zeit. Dann rief mich mein Agent an und sagte, der Regisseur wird morgen in der Stadt sein. Als ich meinem Sohn abends was vorlesen musste, schlug ich vor, dass ich ihm ein paar Seiten aus dem Skript vorlese statt Tin Tin. Ich hatte das schon mal probiert, und er hat es gehasst. Aber als ich nach zehn Seiten zu ihm rübersah – er zeichnet immer, wenn ich ihm vorlese – hat er gesagt, ich soll endlich weiterlesen. Ich hab ihm das Drehbuch tatsächlich im Lauf der nächsten zehn Abende vorgelesen. Er hat den fertigen Film schon gesehen und er hat total mitgefiebert, obwohl der die ganze Geschichte schon kannte.

Sind Sie ein strenger Vater?
Ja. Aber nur im Gegensatz zu meiner Frau. Da bin ich definitiv der böse Cop. Aber im Vergleich zu meinem eigenen Vater bin ich überhaupt nicht streng.

Spielen Sie noch Theater?
Ich hab vor zwei Jahren mit Daniel Craig am Broadway gespielt und ich werde jetzt wieder eine Show spielen, meine eigene One-Man-Show, ich hab das auch schon in San Francisco und Toronto gemacht – singen, tanzen, Entertainment eben.

Was können Sie uns schon über ihr nächstes Filmprojekt erzählen, „Les Misérables“ mit Russell Crowe?
Das ist ein Traumjob für mich. Ein Film-Musical! Noch dazu dieses Musical, das ich wirklich liebe! Russell ist ein Freund von mir, er ist perfekt für diese Rolle. Er wird formidabel sein, da bin ich mir jetzt schon sicher.

Ist es realistisch, dass es mal Box-Roboter geben wird?
Boxen ist sicher nicht mehr so populär wie vor fünf, zehn Jahren. Mixed Martial Arts werden immer bedeutender. Wie Sugar Ray erzählt hat, Boxen braucht Stars. Derzeit gibt's zwei, und die weigern sich, miteinander zu kämpfen: Pacquiao und Mayweather. Das ist ein Problem. Es gibt sonst keine Schwergewichtstars in den USA. Und das sind die Geschichten, die jeder Sport braucht. Immerhin gibt es schon Olympische Spiele für Roboter. Aber wer weiß schon, was kommen wird. Ich glaube jedenfalls nicht, dass es in acht Jahren schon boxende Roboter geben wird.

Im Film fällt es Charlie schwer, sich zur Liebe zu bekennen. Wieso fällt das Leuten heutzutage immer schwerer?
Ich glaube, das letzte Wort in Sachen Liebe ist noch nicht gesprochen. Wir wissen gar nicht, was erfolgreicher ist. Früher waren Ehen immer arrangiert, was ich mir schlimm vorstelle. Aber ich frage mich, ob sie statistisch erfolgreicher waren als jetzt, wo man sich als junger Mensch einen Partner aussucht. Es hängt vermutlich viel davon ab, wen man sich aussucht und was man will. Derzeit dreht sich alles eher darum, was gut für einen selber ist, was man für einen Partner will. Das wissen die meisten schon ganz genau, ich will jemanden der Humor hat, groß ist, etc., etc. Mir kommt vor, dass das dem Sinn einer Ehe entgegenarbeitet. In der Ehe geht es darum, wie man mit den unangenehmen, frustrierenden Zeiten umgeht, mit den Konflikten. Wenn man die Beziehung mit dem Anspruch begonnen hat, dass es für einen perfekt sein soll, ist es auch viel leichter, wegzugehen, wenn es nicht mehr perfekt ist. Ich glaube, es ist da besser, Pessimist zu sein. Also nicht von einer Beziehung zu fordern, dass es die Eine ist, sondern drauf zu warten, dass es passiert. Als ich meine Frau kennengelernt habe, war ich gerade Single nach einer längeren Beziehung, hatte meinen ersten Job, ich war begeisterter Single. Aber als ich sie getroffen habe, war das einfach hundertmal besser als das Single-Leben. Das war wie Haferbrei oder Schoko-Mousse. Die Entscheidung war klar. Ich denke, das hilft. Es wurde besser und besser. Natürlich gibt's Schwierigkeiten in jeder Ehe, aber es ist es einfach mehr und mehr wert, die durchzustehen.

Haben die Kinder die Beziehung geändert?
Ja klar. Sie ändern alles. Als ich sah, wie meine Frau zur Mutter wurde, hab ich mich ein zweites Mal in sie verliebt. In einer ganz anderen Art. Ich habe letztens die französische Komödie „Potiche - Das Schmuckstück“ mit Catherine Deneuve und Gérard Depardieu gesehen. Die haben da eine ganz fürchterliche Ehe. Irgendwann sagt ihre Tochter: „Wie kannst du bei ihm bleiben, ich verstehe das nicht!“. Und sie antwortet: „Es gibt unsichtbare Verbindungen zwischen Menschen, die verstehst du erst, wenn Du in einer langjährigen Beziehung warst“. Und so ist es, sie hat das schön gesagt, auch wenn ihr Mann ein totales Arschloch war.

Sehen Sie sich oft europäische Arthouse-Filme an?
Meine Frau und ich mögen sie sehr. Aber ich muss in der richtigen Stimmung sein. Man muss munter sein, es ist nichts, was man nebenbei anschauen kann. „Der Name der Leute“ ist auch so ein Film, den ich sehr mag. Es ist eine andere Empfindsamkeit als im amerikanischen Film, die mir sehr gut gefällt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Julia Pühringer

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Zur Person: Hugh Jackman
Der attraktive Action-Darsteller sang einst in Musicals und fand privates Glück in einer TV-Serie. 

  • geboren am 12. 10. 1968 in Sydney als jünstes von fünf Geschwistern.
  • Heiratete 1996 Deborra-Lee Furness, seine Kollegin in der TV-Serie „Correlli“. Das Paar hat zwei Adoptivkinder: Ava & Oscar.
  • Moderierte 2009 die Oscar-Verleihung, lehnte 2011 ab.
  • Nächster Film: „Les Misérables“ mit Russell Crowe, voraussichtlich im Dezember 2012 im Kino.

 


 
 

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