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Carolin Kebekus: Die Alphapussy

Carolin Kebekus: Die Alphapussy
© Hoanzl
Veröffentlicht:
16.10.2017
„Ich glaub, ich bin auch lustiger als viele Männer“: Julia Pühringer hat den Superstar der deutschen Comedy-Szene interviewt und wir verlosen Tickets für die Tour!

Ihr „PussyTerror TV“ ist laut, lustig und unfassbar komisch. Genauso geht es bei den Live-Auftritten von Carolin Kebekus zu, die übrigens auch recht sangesfreudig ist. Mit tele hat sie über die erste Kassette, böse Briefe und mehr als 20 Minuten lustig sein gesprochen

tele: Die Autorin Margaret Atwood meinte einmal: „Männer haben Angst, dass Frauen sie auslachen, Frauen haben Angst, dass Männer sie umbringen“: Ist auslachen eine Waffe?
Carolin Kebekus: Ich glaube, das kann man nicht pauschalisieren. Aber es ist schon so, dass sich Männer von meinem Humor oft ein bisschen bloßgestellt fühlen. Aber wenn man in der Männerrunde Witze über Frauen macht, da hat man sich ja als Mädel einfach nicht so anzustellen. Wenn man dann zurückschießt, ist ganz schnell Schluss mit lustig.

Sie haben sich vor langer, langer Zeit mal mit Tokio-Hotel-Fans angelegt. Können Sie böse Briefe noch erschüttern?
Das waren Drohbriefe von Minderjährigen. Die haben sich dann im selben Satz dafür entschuldigt, dass sie mich umbringen wollen. Das war schon eher lustig.

Ihre Band heißt „De Imis“, ist das kölsch?
Das kommt von imitieren. Man nennt die zugezogenen Kölner „Imis“. Ich bin ja gar keine Zugereiste, aber der Rest der Truppe. Ich habe noch eine andere Band – die „Beer Bitches“. Wir sind drei Mädels und covern querbeet einfach alles, von Miley Cyrus bis Tina Turner und Guns'n'Roses.

Was war Ihre erste CD?
Das war eine Kassette: „Lean into it“ von Mr. Big.

Wäre Rockstar eine alternative Berufswahl gewesen?
Ja. Doch. Schon als Kind wollte ich „performen“. Aber jetzt bin ich auch froh, dass ich einfach so Musik machen kann. Ich muss mich nicht messen in diesem Haifischbecken, habe keine Plattenfirma, die Druck macht.

Gibt's Dinge, die Sie auslassen würden, Witz-mäßig? Jemals?
Nee. Es gibt kein Thema, wo ich von vorneherein sagen würde, da kann man nicht drüber reden. Wenn ich auf der Bühne über etwas rede, hat das ja einen Grund. Dann berührt mich das auf irgendeine Art und Weise, dann hab ich auch was dazu zu sagen und das kann jedes Thema sein.

Wie testen Sie Witze?
Bevor ich ‘ne neue Show mache, spiele ich in Mixed Shows. Wir haben viele Open-Mic-Bühnen, da kann man einfach mal zehn, fünfzehn Minuten ausprobieren. Und ich spiele Vorpremieren vor ganz kleinem Publikum, 150, 200 Leute. Das sind teilweise ganz schön harte Abende. Da ist ja noch nichts fertig, vielleicht 20 Minuten, der Rest ist Ausprobieren und Improvisation, aber gerade das bringt total viel. „AlphaPussy“ ist erst auf der Bühne entstanden. Das merkt man auch. Da ist nichts gescriptet.

Gibt es in den kleinen Clubs inzwischen mehr Frauen als früher? Die gab's ja früher nur vereinzelt quasi eine einzelne Schlumpfine unter den Schlümpfen …
Ja, genau. Die war ich! Auf jeden Fall. Ich war jetzt öfter in kleinen Clubs und hab gekuckt und da ist in fast jeder Show eine Frau. Da gibt's total viele, die ich gut finde. Es gibt eine amerikanische Kollegin, die schon lange in Deutschland lebt, die heißt Tamika Campbell, die macht auch viel auf Deutsch, die ist ganz super. Alicja Heldt ist aus Hamburg, die ist unheimlich lustig und hat auch so „funny bones“. Inzwischen sehen viele Mädels, ja das geht, da werden viele nachkommen.

Was waren große Momente der Veränderung in Ihrer Karriere?
Als ich das erste Solo-Programm gemacht hab. Das hab ich lange umschifft, weil ich dachte, ich bin nur 20 Minuten lustig. Als ich das überwunden hab, war das schon ein großer Meilenstein für mich. Weil man ja oft denkt: Ich hab das ja nie gelernt, nie eine Schauspielschule besucht, habe mich gefragt, kann ich das überhaupt …Ein weiterer Moment war, als ich das erste Mal den Deutschen Comedypreis moderiert hab. Da habe ich nach der Anfrage erstmal total Schiss bekommen. Aber innerlich das Gefühl, ich würde das können. Es ist ja auch als Künstlerin manchmal ganz gut, aus der Komfortzone raus zu klettern. Und jetzt zweite Programm – wenn man ein Programm fertig gespielt hat, denkt man, ok, das war das Lustigste, das ich je gesagt habe, was soll ich denn jetzt noch erzählen?

Ist das wie das berühmte zweite Album?
Ja, furchtbar. Das war ganz schlimm. Dass das zweite Programm jetzt auch so erfolgreich ist gibt einem das Selbstbewusstsein und die Sicherheit, ja, da kommt schon noch genug, ich kann das.

Es kommt auch viel Neues aus den USA, gibt es da Leute, die Sie inspirieren?
Ich hab mir viel Louis C.K. angekuckt. In Amerika ist das eine eigene Kunstform, die ist ja bei uns noch gar nicht richtig so angekommen. Da gibt's ganz viele Stand-up-Clubs, die wirklich dafür gebaut sind. Da gibt's eine kleine runde Bühne mit kleinem Publikum. Und hier spielt man in Theatern, das ist etwas anderes. Auch die Stand-up-Kultur hier ist eine andere. Hier in Deutschland kommen wir eher mit einer ganzen Geschichte auf die Bühne. In Amerika ist es oft so, „hey, gestern bin ich mit der Bahn gefahren, und dann ist das passiert, dann hat meine Mutter angerufen …“

Gibt es österreichische Kabarettisten, die Ihnen gefallen?
Josef Hader natürlich. Logisch. Den habe ich auch schon dreimal in Deutschland auf der Bühne gesehen, das war jedes Mal eine Offenbarung. So ein großartiger Künstler. Das ist echt Wahnsinn. Stermann & Grissemann kucken wir in Deutschland natürlich auch. Uns fehlt ja in Deutschland gerade so eine Sendung. „Circus HalliGalli“ gibt's nicht mehr, Stefan Raab mit „TV total“ auch nicht, Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royale“ ist bei uns sehr populär, läuft aber auf einem Spartensender.. So eine wirklich große Sendung mit so einer Aufmerksamkeit fehlt uns total. Da sind wir ein bisschen neidisch ...
Carolin Kebekus bei "Willkommen Österreich" hier zum Nachschauen

Gibt's Dinge, die Sie ganz oben auf der Liste haben?
Ja, eine Late-Night-Show in Deutschland (lacht). Ich würd gerne auch einmal eine große Samstagabend-Show moderieren. Aber das ergibt sich ja. Vielleicht krieg ich mal ein Drehbuch für einen Film, der nicht lustig ist. Man kommt ja immer an irgendwelche Grenzen, wo man denkt, geil wär, da jetzt über den Zaun zu springen.

Müssen Sie oft als Frauen-Expertin herhalten?
Ja schon. Ich werde ganz oft gefragt, warum gibt's so wenige Frauen, wie ist das als Frau in der Comedy. Irgendwann denk ich, ich mach das doch schon echt lang, ich bin doch vielleicht einfach auch ein lustiger Mensch. Es ist schön, wenn Leute sagen, Mensch, Sie sind ja die lustigste Frau. Aber ganz ehrlich: Ich glaub, ich bin auch lustiger als viele Männer. Klar, spielt man auf der Bühne mit dem, was man hat und natürlich rede ich über Menstruation oder solche Themen, weil es mich halt betrifft. Wie strange das ist, in welcher Welt man so lebt als Frau. Das ist doch für alle Frauen eigenartig, was ist das für eine komische Geschichte. Aber es gibt ja Dinge, mit denen Männer und Frauen was anfangen können und ich denke, ich bin geschlechtsneutral lustig. Das ist in Interviews oft mühselig, die Fragen: Was ist der Unterschied, als Frau oder als Mann auf der Bühne zu stehen? Ich weiß es nicht, ich bin noch nie mit einem Penis auf die Bühne gegangen.

Interview: Julia Pühringer

AlphaPussy auf Tour: Die Österreich-Tourdaten

Graz, Stadthalle: 27. 10.
Salzburg, SalzburgArena: 28. 10.
Wien, Stadthalle F: 29. & 30. 10.
Linz, TipsArena: 14. 12.

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ZUM GEWINNSPIEL

TV-Tipps:

PussyTerror TV Die letzte Folge der Staffel. Do., 20.10. | 22.45 Uhr | ARD

Best of PussyTerror TV Am lustigsten. Do., 30.11. | 22.45 Uhr | ARD

http://carolinkebekus.de/

 

Interviews

Carolin Kebekus: Die Alphapussy
Interviews, 16. Oktober 2017
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