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"Es ist eine Herzensangelegenheit geworden"

"Es ist eine Herzensangelegenheit geworden"
© ORF
Veröffentlicht:
06.03.2017
"Spuren des Bösen": Brock-Darsteller Heino Ferch über die neuen Filme der Reihe, künstlerische Freiheiten, die Wandlungen der Hauptfigur und seine nächste große Rolle im TV.

Spuren des Bösen“ gilt spätestens seit „Zauberberg“ als Edel-Filmreihe. Mit „Begierde“ legen Andreas Prochaska (Regie) und Marin Ambrosch (Drehbuch) nun einen sechsten Teil vor, der wieder völlig neue Facetten – auch im Charakter der Hauptfigur – ins Spiel bringt. Im ZDF ist der neue Fall am Montag um 20.15 Uhr zu sehen. Auch Teil 7 („Wut“) ist bereits abgedreht. tele sprach mit Brock-Darsteller Heino Ferch über die neuen "Spuren des Bösen"-Filme, künstlerische Freiheiten, die Wandlungen der Hauptfigur und seine nächste große TV-Rolle: Der Dandy-Ermittler Johann Friedrich von Allmen in der ARD-Krimireihe "Allmen".

tele: Der sechste Film der Reihe wirkt mehr wie ein psychologisches Kammerspiel als ein Krimi. Sehen Sie das auch so?

Heino Ferch: Da gebe ich Ihnen Recht. Sagen wir es so: Es ist ein bürgerliches Drama. ORF und ZDF lassen uns ja Gott sei Dank die Freiheit, dass wir Sachen weiterentwickeln und neue oder andere Wege beschreiten können. Es ist schön, wenn man dieses Vertrauen genießt und in verschiedene Genres abdriften kann.

tele: Brock schaltet  in „Begierde“ nicht die Polizei ein, tötet aus Notwehr einen Menschen und landet hinter Gittern? Ist das typisch Brock, wie er sich in diesem Fall verhält?

Heino Ferch: Es ist überhaupt nicht typisch Brock, es ist eine neue Seite an ihm, finde ich. Er ist zwar nicht kooperativ, aber das muss er eigentlich auch nicht sein. Seit dem dritten Film – „Zauberberg“ –, der ein Highlight der ersten Filme war, versuchen wir daran zu arbeiten, dass wir mehr an die Person Brock rangehen. In „Begierde“ wird er viel stärker in die Enge getrieben. Er versucht eine junge Frau zu retten und tötet einen Mann. Es ist keine Absicht, es passiert aus der Situation heraus. Aber er gerät dadurch in Bedrängnis und ins Abseits, was auch nicht seins ist, weil er sonst zwar stur ist, aber immer legal handelt.

tele: Als Sie das Drehbuch gelesen haben: Hat es sie da gefreut, dass sich die Figur Brock so entwickelt?

Heino Ferch: Es wird ja vorher schon darüber gesprochen: Was passiert als nächstes? Wer soll als Gast dazukommen?  Was würde uns interessieren? Da gibt’s immer Überlegungen: Was soll die Figur noch machen? Was wollen wir forcieren? Und wenn wir diesen Schlenker weg vom Kriminalfall hin zu einem anderen Genre machen und eine Hauptfigur haben, die uns dahin führt, ist es einfach zwangsläufig so, dass man große Lust hat an dieser Figur und dieser Reihe weiterzuarbeiten.

tele: Am Ende des neuen Films schließt Brocks Stammcafé, das „Café Urania“, das auch im realen Leben zugesperrt hat. Wie geht es mit dem Kaffeehausbesucher Brock weiter?

Heino Ferch: Wir mussten schon für den sechsten Teil die „Urania“-Szenen ganz am Anfang drehen, weil das Haus, in dem sich das „Urania“ befand, verkauft wurde. Das „Café Urania“ gibt es nicht mehr. Martin Ambrosch und Andreas Prochaska (Anm.: Autor und Regisseur von „Spuren des Bösen) haben drauf reagiert und das in die Geschichte eingebaut. In „Wut“, dem siebten Film, den wir vor Weihnachten fertig gedreht haben, hat Brock noch nichts Neues gefunden. Er frühstückt bei Gerhard Liebmann, der den Kellner Klaus Tauber spielt, und seiner Mutti daheim.

tele: Gerhard Liebmann bleibt uns in „Spuren des Bösen“ also erhalten?

Heino Ferch: Ja klar, das ganze Personal bleibt. Das sind ja auch die philosophischen Highlights, die Gespräche mit dem Kellner. Auch Gerda, die Haushälterin, gibt’s nach wie vor, und natürlich auch die Tochter.

tele: Was dürfen wir von „Wut“ erwarten?

Heino Ferch: Das ist wieder eine ganz andere Kiste als „Begierde“, es geht richtig zur Sache.  Tobias Moretti ist der Hauptgast in „Wut“ – und Sie dürfen gespannt sein: Es wird beeindruckend, der siebte Teil ist völlig anders …

tele: Ist Brock die Rolle Ihres Lebens?

Heino Ferch: Ja, das kann man schon sagen, dass das die Rolle meines Lebens ist. Aber die Rolle des Lebens JETZT – und die Rolle der letzten Jahre. Das Format wurde ja auch mit Preisen überhäuft, ich selbst war für den Emmy nominiert. Dadurch, dass sich das von einem einzelnen Fernsehfilm vor fünf, sechs Jahren zu einem Jour Fixe in Wien entwickelt hat, ist es umso mehr eine Herzensangelegenheit geworden. Das ist schon sehr viel Beschäftigung mit Brock. Wenn der Mantel kommt und der Schal dazu, dann bin ich nach 130 Drehtagen, die ich jetzt mit Andreas Prochaska mit dieser Figur verbracht habe, nach wie vor gespannt, was sich die Jungs für den achten Teil ausdenken.

tele: Für die ARD haben Sie zuletzt die ersten Teile einer neuen Krimireihe nach Romanvorlagen von Martin Suter gedreht: „Allmen“. Wie ist denn der Ermittler Johann Friedrich von Allmen gestrickt?

Heino Ferch: Das ist ein völlig anderer Charakter, auch vom Look her ein Gegenpol zu Brock, der auch ganz anders agiert. Es gibt ja von Suter vier „Allmen“-Bücher, Teil 1 und 2 haben wir letzten Winter gedreht. Allmen ist quasi ein Dandy-Detective, ein verarmter Lebemann, der mit seinem südamerikanischen Butler durchs Leben geht. Es ist wirklich spannend geworden und hat großen Spaß gemacht. Brock und Allmen, das sind schon zwei Rollen, die großartig sind und in denen ich mich richtig zu Hause fühle, in ganz verschiedenen Spielarten. Und es ist ein großes Glück, dass das parallel passiert.

 

Spuren des Bösen – Begierde

TV-Thrillerdrama, Ö/D 2016

 

Als der Industrielle Johannes Rink (Benjamin Sadler) von schlimmen schizophrenen Schüben geplagt wird, kontaktiert dessen Frau (Julia Koschitz) Brock, der schon Rinks Vater behandelt hat. Der Mann ist gefährlich, bedroht ein Luxus-Callgirl (Mavie Hörbiger). Brock will das Schlimmste verhindern, gerät dabei aber selbst in die Bredouille und landet sogar im Gefängnis. Letztlich wird ihm klar, dass hinter dem aggressiven Verhalten des Mannes ein perfider Plan steckt. In Nebenrollen sind u.a. Harald Schrott und Sabrina Reiter zu sehen.

 

 

Interviews

"Es ist eine Herzensangelegenheit geworden"
Interviews, 06. März 2017
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