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Wilde Maus: Josef Hader im Interview

Wilde Maus: Josef Hader im Interview
© Filmladen
 
Veröffentlicht:
13.02.2017
Mann dreht durch: Sachbeschädigungsterrorismus als Kampfmittel: Kabarettist und Schauspieler Josef Hader hat erstmals ein eigenes Drehbuch verfilmt. Der Film heißt „Wilde Maus“ und es geht um einen, der durchdreht. Ein Gespräch über Ängste, die Anstalt, betrunken Achterbahn fahren und schlechte Musik.

tele: Wie streng waren Sie als Filmemacher zu sich selbst als Schauspieler?

Josef Hader: Als Schauspieler beobachte ich mich ja nicht selbst am Monitor. Normalerweise lebt die Arbeit vom Vertrauensverhältnis zur Regisseurin oder Regisseur, man sagt, du wirst das schon wissen. Das heißt, da beurteile ich mich selber gar nicht. Der große Unterschied ist, dass man sich dann selber beurteilen muss.

Geht das?
Ja. Ich hab das vorher nicht gewusst. Aber beim Drehen schätzt man sowieso 50% der Dinge anders ein als beim Schnitt. Da sind es dann oft Takes, die einem nicht besonders gut vorgekommen sind, die plötzlich die guten sind. Durch die Schauspieler ist gottseidank noch was dazugekommen, was im Drehbuch gar nicht drinnen war. Wenn man etwas schreibt, hat man eine bestimmte Vorstellung und hofft natürlich, dass es dann so wird, wie man's sich vorstellt. Es ist bei vielen Szenen im Film passiert, dass ich das Gefühl hab, es ist anders geworden, aber lässiger, als ich es mir vorgestellt habe.

Wurde Ihnen schlecht in der Achterbahn?
Nein, mir wird ja eher bei ganz hohen Ringelspielen schlecht. Die Wilde Maus war unangenehm bis zu dem Moment, wo ich einen Betrunkenen gespielt hab und mir gedacht hab, jetzt geh ich einfach einmal mit dem Rhythmus der Achterbahn mit. Da war’s dann plötzlich gar nicht mehr so schlimm. Wahrscheinlich ist es einfacher, wenn man locker bleibt. Aber die wenigsten können's.

Was ist schlimmer, eine Sexszene, oder eine, bei der man nackt im Schnee sitzt?
Das kann man so nicht sagen – es sind verschiedene Herausforderungen. Die Schneeszene war ein tagelanger Dreh voller logistischer Herausforderungen. Wir mussten warten, bis es schön viel Schnee gab. Dann: Wie schafft man’s, den Schnee unberührt zu lassen und ich komm trotzdem möglichst schnell ins Warme? Ich bin dann in den eigenen Spuren zurückgegangen, damit man das wiederholen kann. Wenn trotzdem etwas passiert, macht man's digital weg. Aber man kann kein ganzes zertrampeltes Schneefeld digital wegmachen.

Hat da jemand mit einer Heizdecke am Rand auf Sie gewartet?
Nein, da stand ein Kleinbus mit einem Gasbrenner drin, die Fenster musste man offenlassen, ich wär sonst erstickt. Keine besonders luxuriöse Angelegenheit, diese Aufwärmstation.

Hader Puehringer Wilde Mäuse

Ihre erste Regiearbeit - was war leichter, als erwartet? Was schwieriger?
Leichter war das Regieführen und Schauspielen gleichzeitig. Da hab ich mir nach drei Tagen gedacht, ich schlafe eigentlich ruhiger, wenn ich selbst Regie führ (lacht). Grundsätzlich hab ich viel mehr Angst gehabt und es mir viel schwieriger vorgestellt, als es dann letztlich war, letztlich. Das ist bei mir immer so: Ich bin Zweckoptimist und denk mir, es wird ganz furchtbar, damit's dann nicht so schlimm wird.

Wie sind Sie auf diesen Typen gekommen?
Ich wollte ein bisschen etwas über Terrorismus machen, über Arbeitslosigkeit, aber nicht als Sozialdrama, sondern als Mittelstandsproblem.

Gehörert der Typ in eine Anstalt? Oder ins Gefängnis?
In eine Anstalt gehörerten viele von uns, er ist da einer der harmloseren Fälle. Aber es wäre kein befriedigendes Ende für den Film (grinst). Auf diese kleine, eigentlich lächerliche Form von Terror, diesen Sachbeschädigungsterrorismus, kommt man ja, weil man selber immer wieder einmal das Gefühl hat, so etwas tun zu wollen.

Geht es Ihnen oft so?
Meistens schimpf ich nur vor mich hin, und zwar dauernd, ohne, dass wer da ist. Weil ich das kann, ist es bei mir wahrscheinlich nie soweit gekommen. Ich grummle dann so lautlos vor mich hin und alle Menschen, die mich kennen, sagen, mit wem schimpfst jetzt wieder.

Kann man sich für das Wissen, dass die Zauberflöte ein Singspiel ist, heute noch etwas kaufen?
Nein. Das ist ja die Tragödie. Dass die Hauptfigur etwas kann, für das man sich nichts mehr kaufen kann.

Wieso spielt der Prater eine so große Rolle im Film?
Ich habe mir gedacht, was ist naheliegend für jemanden, der nichts zu tun hat, er geht wohin, wo's schön und grün ist. Und ich hab mir gedacht, wenn ich schon so einen Musikliebhaber hab, dann möcht ich den wohin stellen, wo ganz, ganz schlechte Musik gespielt wird.

„Wilde Maus“ ist ab 17.2. bei uns im Kino zu sehen.

http://wildemaus.derfilm.at/

Interview: Julia Pühringer

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Interviews, 13. Februar 2017
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