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Alles streng nach Vorschrift!

Alles streng nach Vorschrift!
© Puls4
Veröffentlicht:
10.01.2017
Für ein Interview mit dem Komiker Christian Hölbling, Star der neuen Puls 4-Comedyshow „Vurschrift is Vurschrift“*, braucht es gute Nerven. Immer wieder mischt sich dessen Alter Ego Helfried in das Gespräch ein. Das liegt vermutlich daran, dass Amtsrat Helfried (Lebensmotto: „Bürokratie ist sexy!“) – Hölblings Kabarettfigur mit dem trockenen Tintenburg-Humor – als Moderator der neuen Puls 4-Show besonders viel Aufmerksamkeit einfordert.

tele: Herr Helfried, wie haben Ihnen denn die ersten Sendungen gefallen?

Helfried: Na ja, es braucht natürlich eine Weile, bis sich Leute aus der Kreativszene in die Gedankenwelt der Bürokratie einfinden. Aber je länger sie dort sitzen, umso mehr werden sie draufkommen, wie kreativ wir Beamte eigentlich sind, damit wir uns überhaupt solche Vorschriften ausdenken können.

tele: In der ersten Show geizten Silvia Schneider und Gastpraktikantin Elke Winkens nicht mit frivolen Anspielungen. Was empfindet man da als Beamter?

Helfried: Es war an der Grenze zur Vorschriftswidrigkeit, muss ich sagen. Ich habe kurz überlegt, die Sittenpolizei zu verständigen, mir ist aber die Durchwahl nicht eingefallen.

tele: Gibt es sowas wie den typischen Beamtenschmäh? Und falls ja, hat der eventuell eine sadistische Ader?

Helfried: Wir haben im Amt keine Zeit, um über solche Dinge nachzudenken. Entweder wird intensiv gearbeitet, oder man muss sich dazwischen von dieser anstrengenden Tätigkeit ausruhen. Da bleibt keine Zeit für Scherze!

tele: Und gibt es den Beamtenwitz – und sind sie diesem zugetan?

Helfried: Na ja, ich persönlich würde mich natürlich hüten, einen Beamtenwitz zu erzählen. Das entspricht auch nicht den Vorschriften! Doch wenn jemand einen erzählen möchte, wenn ihm das Erleichterung verschafft – meinentwegen …, so lange es nicht diskriminierend ist.

 
 


tele: Hand aufs Herz: Halten sie sich eigentlich selbst immer an die Vorschriften?

Helfried: Sagen wir einmal so: Jemand, der die Vorschriften gut kennt, der hat auch die Möglichkeit sie zu umgeh…

tele: Aha!

Helfried: … also, äh, ich meine … einzuhalten, wollte ich sagen.

tele: Herr Hölbling, Sie wollten Helfried eigentlich eine Auszeit gönnen. Jetzt ist er TV-Moderator. Wie kam es dazu?

Christian Hölbling: Ganz einfach: Ich wurde zum Casting eingeladen. Helfried gibt’s ja als Figur schon seit 15 Jahren. Ich habe in dieser Zeit vier Helfried-Programme gespielt, war aber damit zu zwei Dritteln im Ausland unterwegs. Auch im Fernsehen. In Österreich hat sich nicht viel getan. Aber es ist fast so, als hätte diese TV-Sendung auf den Helfried gewartet. Der passt natürlich dazu wie die Faust aufs Auge.

tele: Herr Helfried, wieso heißt denn Ihr kongenialer Partner in der Show eigentlich Tupfelreiter und nicht i-Tüpfelreiter?

Helfried: Das ist ein Deckname. Es ist ja auch eine Art verdeckte Ermittlung, die er durchführt. Das soll man nicht gleich auf den ersten Blick erkennen.

tele: Raffiniert! Und es gibt ja auch einen Schauspieler hinter der Figur Tupfelreiter, den Herrn Roubinek: Waren Sie von der Wandlungsfähigkeit des Herrn Roubinek angetan?

Helfried: Also, ich muss schon sagen, ich hab ihn teilweise gar nicht erkannt …

tele: Welche Rolle des Herrn Roubinek hat Ihnen denn am besten gefallen?

Helfried: Puh, da muss ich jetzt wieder als Hölbling nachdenken …

tele: Nur zu …

Christian Hölbling: Es sind so viele, in den ersten sechs Folgen spielt Rudi sicher in Summe ca. 30 Rollen. Diese Szene mit der Umfrage in der ersten Folge finde ich sehr gelungen. Dieses Tür-auf-Tür-zu, und immer ist er jemand anderer. Da kommt das mit den vielen Rollen am besten raus. Ich persönlich finde es ja schön, dass man jetzt auch die Wandlungsfähigkeit des Schauspielers Rudi Roubinek sieht. Das ist sicher ein Geschenk. Man kennt Rudi Roubinek ja in erster Linie von „Wir sind Kaiser“, in der Rolle des Seyffenstein.

tele: Werden wir Helfried auch auf der Bühne wieder einmal erleben?

Christian Hölbling: Da ist derzeit nichts geplant. Auf der Bühne gibt’s jetzt den Hölbling (Anm.: mit dem aktuellen Kabarettprogramm „Ich kann auch anderst!“) und im Fernsehen gibt‘s den Helfried. Wir machen also Arbeitsteilung, das ist vielleicht auch im Sinne des Gesamtprojekts. Und das Fernsehen ist ja auch eine eigene Disziplin. Das Switchen zwischen TV und Bühne funktioniert nicht immer so gut. Ich mag selbst auch nicht immer Kabarett 1:1 im Fernsehen sehen und umgekehrt. TV-Comedians 1:1 auf der Bühne muss ich auch nicht immer haben. Das sind zwei unterschiedliche Kunstformen, die unterschiedlichen Gesetzen unterliegen.

tele: Sie veranstalten ja auch ein Comedy-Festival, in ihrer Heimat, in Velden am Wörthersee …

Christian Hölbling: Ja, das „Humorfestival Velden“, das findet immer im Herbst statt. Das habe ich vor mittlerweile neun Jahren gegründet, da ist der Helfried auch Festivaldirektor. Das war so als Arbeitsmöglichkeit gedacht, für mich als Steirer, der in Kärnten lebt. Ich wollte das Know-how und die internationalen Kontakte, die ich habe, dorthin bringen. Und das hat sich in dieser Zeit gut etabliert. Es ist ein Treffpunkt für Humorkünstler aus Österreich und dem Ausland. Eine bunte Mischung aus Comedy, internationaler Clownerie, Kabarett, Musik.

tele: Ist der Wörthersee sowas wie Ihre Wunschheimat? Wollten sie sich da schon immer niederlassen?

Christian Hölbling: Nein, das hätte ich mir früher nie gedacht. Meine Frau ist Kärntnerin, und natürlich bin ich freiwillig hierher gezogen, es hat mich niemand gezwungen. Der Wörthersee hat eine hohe Lebensqualität und es gab auch in den letzten 15 Jahren immer wieder Stoff für Satire. Das ist jetzt leider weniger geworden. Oder Gott sei Dank …

* Amtsrat Helfried (Christian Hölbling) lädt auch diese Woche (Di., 20.15. Puls 4) wieder zu seiner wöchentlichen Sitzung. Das Thema: Österreichs Behördenfrotzeleien, unser Paragrafendschungel – und Vorschriften, die die Welt nicht braucht. Gemeinsam mit seinen Praktikanten – Star-Kabarettist Andreas Vitásek, Puls 4-Moderatorin Silvia Schneider und Comedian Ciro de Luca zerpflückt der Amtsrat in „Vurschrift is Vurschrift“ Behördenschikanen, das „Beamtendeutsch“ und die ganz normale Regulierungsflut. In Einspielfilmen ist Rudi Roubinek als Fachoberinspektor Tupfelreiter sowie in vielen weiteren Rollen zu sehen, der Comedian („Wir sind Kaiser“, „Bist du deppert“) bringt sein schauspielerisches Talent voll zur Entfaltung. Als Gaststar und Anlernkraft ist in der zweiten Ausgabe der neuen Puls 4-Satireshow Schauspielerin und Kabarettistin Angelika Niedetzky („Echt fett“, „Schlawiner“) zu sehen.

Das Interview führte Franz Jellen

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Alles streng nach Vorschrift!
Interviews, 10. Januar 2017
tele: Herr Helfried, wie haben Ihnen denn die ersten Sendungen gefallen? Helfried: Na ja, es braucht natürlich eine Weile, bis sich Leute aus der Kreativszene in die Gedankenwelt der Bürokratie einfinden. Aber je länger sie dort sitzen, umso mehr werden sie draufkommen, wie kreativ wir Beamte eigen… mehr >
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