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Kettenreaktion

Kettenreaktion
© ORF
Veröffentlicht:
26.09.2016
"Pregau"-Hauptdarsteller Maximilian Brückner im Interview

Willkommen in Pregau! In die fiktive steirische Provinzstadt hat es den Polizisten Hannes Bucher (Maximilian Brückner) verschlagen. Um Buchers Ehe steht es schlecht, im latent kriminellen Familienklan (u. a. Wolfgang Böck) seiner Frau Maria (Ursula Strauss) hat er nichts zu melden und die gemeinsame Tochter (Antonia Jung) leidet an einer psychischen Erkrankung. Bei einer nächtlichen Fahrzeugkontrolle lässt sich Bucher von seiner Nichte (Zoë Straub) verführen und gerät in eine existenzbedrohende Spirale aus Nötigung, Erpressung und Mord.
Der neue ORF/ARD-Vierteiler überzeugt mit einer spannenden Story, abgründigem Humor und einem hochkarätigen Ensemble. In weiteren Rollen sind u.a. Patricia Aulitzky, Robert Palfrader, Thomas Stipsits, Armin Rohde, Karl Fischer, Thomas Schubert und Wolfram Berger zu sehen.

tele sprach mit Hauptdarsteller Maximilian Brückner (37). Der frühere „Tatort"-Darsteller (2006 – 2012) aus Bayern dreht derzeit gerade für den Bayerischen Rundfunk die Serie „Willkommen in Hindafing" und steht demnächst auch für drei weitere Teile des Nachkriegsdramas „Tannbach" vor der Kamera.

tele: Regisseur Nils Willbrandt, ein Norddeutscher, hat auch das Drehbuch zu „Pregau" geschrieben. Gedreht wurde mit einem großteils österreichischen Cast. Das scheint gut funktioniert zu haben?

Maximilian Brückner: Das Lustige war ja: Ich hab dieses Buch gelesen und dachte: Oh Gott, jetzt muss ich vier Teile lesen! Aber ich konnte es dann nicht mehr weglegen, hab's regelrecht verschlungen. Und ich war überzeugt: Das kann nur ein Österreicher geschrieben haben. Da ich ja aus Bayern komme und relativ nah an der Grenze wohne, hab ich auch eine sehr starke Affinität zu Österreich und zum österreichischen Humor. Ich drehe auch gern in Österreich und mag den österreichischen Film. Dann liest man diese Abgründigkeit in vier Teilen. Also ich war wirklich überrascht, dass das ein Norddeutscher geschrieben hat!

tele: Die Abgründe in „Pregau" werden vier Mal 90 Minuten lang ausgebreitet. Hat sich das ausgezahlt?

Brückner: Auf alle Fälle. Das Gute ist ja, dass die Figuren nicht so stereotypisiert wirken. Es tut der ganzen Geschichte extrem gut, dass kleinere Rollen auch ihre eigene Geschichte haben, dadurch lässt sich dieser Kosmos vor dem Zuschauer viel besser ausbreiten.

tele: Wenn man es als großes Bild betrachtet – worum geht es in „Pregau"?

Brückner: Ich denke, das ist ein sehr starker Liebesfilm, denn der Hannes Bucher macht ja alles aus Liebe. Dann ist „Pregau" natürlich auch ein Thriller. Und irgendwo ist es auch eine Satire – das gibt diesen vier Teilen eine ganz eigene Kraft.

tele: Wobei die Satire nie vordergründig wirkt ...

Brückner: Genau. Das ist ja auch das Schöne, dass da nicht so ein Schild dran hängt: „Wir machen jetzt Satire!". Es passiert einfach, und es ist dann alles auch irgendwo glaubwürdig, auf die eine oder andere Art. Der erste Teil ist ja noch eher harmlos, da werden die Figuren vorgestellt und was sie miteinander verbindet. Doch dann gibt der Film dermaßen Gas, dass man richtig reingezogen wird in diesen Strudel.

tele: Das Inzestthema ist in „Pregau" ebenfalls allgegenwärtig. Ist Inzest in der Gesellschaft weiter verbreitet, als man annehmen würde?

Brückner: Ich denke, in „Pregau" ist es auch ein Mittel, um dieser maroden alten Familie, die denkt, es läuft immer nur nach ihren Regeln, in ihrer Abgründigkeit eine gewisse Tiefe zu geben. Um zu zeigen, wie diese Familie tickt, und dass sie ziemlich anachronistisch ist.

tele: Können Sie die Machtstrukturen in „Pregau" nachvollziehen? Und was da so alles unter der Decke schlummert?

Brückner: Na ja, ein Film ist ja immer eine Zuspitzung, eine Überhöhung. Das gibt's sicher auch im realen Leben, in Großstädten genauso wie in Dörfern. In dieser Dichte vielleicht nicht. Oder vielleicht doch? Wer weiß, oft ist ja die Wirklichkeit noch viel krasser, als man sich das ausmalt.

tele: Ihre Rolle, Hannes Bucher, ist eigentlich kein schlechter Mensch, trifft aber eine falsche Entscheidung, die zu einer fatalen Kettenreaktion führt. Ist Ihnen ähnliches privat auch schon passiert?

Brückner: Also in dieser Heftigkeit sicher nicht. Aber man kennt das ja: Wenn man als Kind bei der Mama gelogen und abgestritten hat, etwas getan zu haben, wurde das Problem auch viel größer, als hätte man gleich am Anfang alles gestanden. In „Pregau" wird das überspitzt dargestellt: Was könnte alles schief laufen, wenn man so einen Fehler macht?

tele: Wie waren die Dreharbeiten in der Steiermark? Sie haben ja in der Region Eisenerz gedreht.

Brückner: Es hat mit diesem Team richtig Spaß gemacht. Und ich mochte auch die Landschaft um Eisenerz, war da sehr viel in den Bergen unterwegs. Da gibt's Seen, da denkt man, man ist in Kanada. Wir haben ja lange Zeit an „Pregau" gedreht. Ich kann mich sonst relativ schnell wieder von einer Arbeit trennen und freu mich wieder auf zu Hause. Aber da hatte ich das erste Mal Probleme. Es war einfach schade, dass es vorbei war. Das hab ich so stark noch nie empfunden.

tele: Stimmt es, dass Nils Willbrandt extrem großen Wert darauf legt, dass die Dialoge exakt nach Drehbuch gesprochen werden?

Brückner: Ja, er hat's ja auch geschrieben. Da merkt er natürlich sofort, wenn etwas nicht stimmt. Aber ein paar Mal hab ich ihn reingelegt ... (lacht). Er wusste einfach alles über die Figuren, das ist der Vorteil, wenn man das Buch selbst schreibt. Und die Dialoge haben ja auch genau gepasst.

tele: Den österreichischen Schmäh müssten Sie ja schon gut kennen. Mit Robert Palfrader und Michael Ostrowski haben Sie zum Beispiel „Und Äktschn!" gedreht ...

Brückner: Es kommt ja nicht von irgendwoher, dass es die Österreicher fast jedes Jahr schaffen, eine Oscar-Nominierung zu bekommen. Weil sie auch viel böser mit sich selber umgehen als die Deutschen.

tele: Sie spielen Tuba und beherrschen den Schuhplattler? Sind Sie zu Hause in Oberbayern immer noch voll in das ländliche Leben eingebunden?

Brückner: Ja, wenn ich gerade da bin, versuche ich die Feste und kulturellen Anlässe so wie früher mitzufeiern. Das mach ich sehr gern. Ich hab's vorher getan, warum sollte ich damit aufhören, bloß weil ich Schauspieler bin?

tele: Und Sie leben auf einem Bauernhof ...

Brückner: Den Bauernhof hab ich zusammen mit meinem Bruder gekauft und vier Jahre lang hergerichtet. Wenn ich nach Hause komme, arbeite ich immer noch daran. Die großen Sachen sind alle fertig, aber es gibt immer was zu tun, mir wird jedenfalls nie langweilig. Aber das ist auch etwas, was mir Spaß macht.

tele: Danke für das Gespräch!

TV-Tipp:

Pregau – Kein Weg zurück (1/4)

Pregau - kein Weg zurück Mo, 26.9., 20.15 Uhr, ORFeins

Weitere Teile: Di., 27.9., Fr., 30.9. & Di., 4.10., jeweils 20.15, ORF eins

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Interviews, 26. September 2016
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