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Achtung, 40: Paul Rudd im Interview

Achtung, 40: Paul Rudd im Interview
© Universal
Veröffentlicht:
22.03.2013
Judd Apatow drehte mit Paul Rudd „Immer Ärger mit 40“ – im Kino zu sehen ab 15.3. Wir plauderten mit dem freundlichen Star von nebenan über das Leben nach 40 und andere existenzielle Ängste.

Paul Rudd ist jemand, den Männer gern als Nachbar hätten. Und Frauen auch. In „Immer Ärger mit 40“ treffen wir ihn Jahre nach „Beim ersten Mal“ mitten in der Midlife-Crisis. Ein Vergnügen.

Sie sind jetzt selbst 43 – wie fühlt sich das an? Haben Sie‘s sich so vorgestellt?

Ich bin nicht rasend überrascht, sagen wir so. Ich habe mir schon mit zwanzig nicht erwartet, dass ich mit vierzig überall durchblicke. Ich habe das Gefühl, ich werde nie alles durchschauen. Und wenn, dann erst mit über sechzig (grinst).

Gab es im Drehbuch Momente, die Sie an Ihr eigenes Leben mit 40 erinnerten?

Ja, durchaus. Es war allerdings nicht so, dass ich ein Drehbuch bekommen habe und mich dann mit der Figur identifiziert habe. Judd Apatow und ich haben lange darüber gesprochen, wie schon bei „Beim ersten Mal". Wir haben gemeinsam am Drehbuch gearbeitet, auch Dinge aus dem eigenen Leben eingebracht, er hat sich dann hingesetzt und das Drehbuch geschrieben. In „Beim ersten Mal“ waren tatsächlich konkrete Dinge, die ich erlebt habe. Diesmal waren es eher bestimmte Dynamiken, die ich kenne.

Hat die stimmige Chemie zwischen den Figuren damit zu tun, dass Sie mit Judd Apatows Frau und Kindern drehen?

Seine Töchter, die im Film meine Töchter spielen, kenne ich, seitdem sie Babys waren. Ich habe sie aufwachsen gesehen, habe jahrelang Zeit mit der Familie verbracht. Das schafft natürlich am Set Vertrauen und Vertrautheit. Ich wurde schon gefragt, ob es unangenehm war, mit Leslie Mann eine Szene nackt in der Dusche zu drehen, während ihr Mann uns ein paar Schritte weiter Anweisungen gibt. Das ist mir fast peinlich, aber es war überhaupt nicht unangenehm. Wir sind einfach so aneinander gewöhnt. Jetzt, wo der Film fertig ist, wirkt das fast surrealer als beim Dreh.

Macht es einen Unterschied, wenn man eine Rolle über so lange Zeit – also seit „Beim Ersten Mal“ – entwickeln kann?

Es machte natürlich Spaß, die Rolle ein wenig mehr zu erforschen. Ich mochte meine Rolle in „Beim Ersten Mal“ schon recht gern. Eines der Elemente, das mir liegt ist: Er hat dieses kleine Plattenlabel. Ich bin selbst ein echter Musik-Fanatiker. Ich stehe total auf unbekannte Bands. Ich bilde mir immer ein, dass die Musik, die ich höre, total anders ist (lacht).

Was wäre auf Ihrem Mix-Tape?

Quer durch’s Gemüsebeet. Vermutlich wäre da alte Country-Musik drauf, ein bisschen Bluegrass, Alternative Rock, klassischer Rock. Aber das Label von dem Typen läuft ja nicht besonders und einer der running Gags ist, dass er Arcade Fire nicht unter Vertrag genommen hat. Der Typ wusste immer, warum eine Band gut war, da wusste er, wo er stand. Und er hat einen Punkt in seinem Leben erreicht, an dem er nicht mehr länger weiß, was gut ist. Dadurch hat er ein bisschen den Sinn dafür verloren, wer er ist, ist in einer Art Mitlife-Crisis. Das kann ich gut nachvollziehen.

Können Sie in echt besser tanzen als im Film?

Ich hoffe schon! Wir haben allerdings bei der Szene keine Musik gespielt, ich habe verschiedene Versionen getanzt: Einmal zu Alice in Chains, einmal zu Pearl Jam, einmal zu den Pixies. Deshalb stimmt der Rythmus überhaupt nicht.

Sie haben mit TV-Serien, im Kino und am Theater Erfolg. Wie lässt sich das vereinbaren?

Als ich aus der Schauspielschule kam, wollte ich in Filmen spielen, nicht in einer TV-Serie. Wenn man damals in einer Fernsehserie anfing, war es viel schwieriger, im Film Fuß zu fassen. Ich landete dann mit „Clueless“ einen Glückstreffer. Dann bekam ich ein Angebot für „Friends“, ursprünglich nur für ein oder zwei Folgen, ich hatte keinen Vertrag für eine wiederkehrende Rolle. Das machte Spaß. Und dann boten sie mir an, die Woche drauf nochmal mitzuspielen. Ich machte mir um dieses Stigma keine so großen Sorgen. Hätte man mir aber einen Vertrag für ein paar Jahre angeboten, wäre ich wohl ängstlicher gewesen. Aber die Zeiten haben sich geändert, und ich auch. Ich habe mich da nicht mehr so. Wenn etwas gut ist, ist es gut. Es muss eine Art künstlerische Integrität für mich gewahrt bleiben, ob das Projekt dann letztlich gut oder schlecht wird – manchmal geht das eben so aus, manchmal so. Vor 18 Jahren bin ich von Kalifornien nach New York gezogen, weil ich Theater spielen wollte. Nicht nur mag ich New York einfach lieber, Theater ist hier eine lebendige, rentable, legitime Sache. In Los Angeles nicht. Jetzt habe ich gerade sechs Monate in einem Theaterstück gespielt, dann in ein paar Episoden von „Parks and Recreation“: Ich habe einfach das Glück, mit guten Leuten an Projekten zu arbeiten, die ich mag.

Ihre Figur muss sich ein paar sehr existenziellen Ängsten stellen. Haben Sie so etwas noch?

Sicher, mich halten dieselben Sorgen wach wie alle anderen Menschen auch. Das ist auch Thema des Films: Habe ich die richtigen Entscheidungen getroffen? Bin ich so glücklich, wie ich sein möchte? Was kann ich im Leben besser mache? All die großen Fragen, eben.

Haben Sie davor Angst, wenn Ihre Kids Teenager werden?

Das wird sicher tough. Jetzt wollen sie noch Zeit mit mir verbringen, finden Mama und Papa cool. Das wird sich sicher ändern. Das macht mir schon Angst.

Zur Not können Sie ihnen dann immer noch INXS vorspielen ...

Das habe ich schon!

Und, hat es ihnen gefallen?

Mein Sohn stand immer schon auf Musik. Als er zwei, drei Jahre alt war, war er völlig besessen von „Live Aid“, aber dem Original aus den 80ern. Er sah kein Kinder-Fernsehen, sondern DVDs. Er hatte ein unglaubliches musikalisches Wissen, aber es waren halt lauter Bands aus den Achtzigerjahren. Und er hatte nicht die geringste Ahnung, dass Spandau Ballet gar keine angesagte Band war, oder die Boomtown Rats. Es macht schon Spaß, einem Dreijährigen dabei zuzusehen, wie er „I Don't Like Mondays“ singt.

Wie fühlt es sich eigentlich an, Mitglied des legendären „Frat packs“ zu sein?

Ich bin Fan von vielen Leuten, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Aber es ist nicht so, als ob das eine Studentenverbindung wäre. Wir haben das auch nie so genannt – auch wenn ich das schon so gedruckt gesehen habe. Seth Rogan und Jonah Hill: Wir haben gemeinsam Filme gemacht es passierten bei uns im Leben ähnliche Dinge zur selben Zeit. Das ist fein. Ich dachte immer, es muss lässig sein, in einer Band zu spielen, wenn man berühmt wird. Man macht lebensverändernde Erfahrungen gemeinsam mit anderen. Bei Schauspielern gibt's das nicht. Man macht Karriere, aber Erfolg kann eine einsame, isolierende, gewöhnungsbedürftige Erfahrung sein. Wenn man das mit einer Gruppe von Leute erlebt, erdet einen das. Das ist wie in einer Band sein.

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Komödien über Menschen über 40 sind selten.

Sie sind wohl nicht die begehrteste Altersgruppe bei Studios. Vierzigjährige gehen nicht mit derselben Häufigkeit ins Kino wie Zwanzigjährige. In den Staaten beschweren sich die Leute immer, wo die Filme für Erwachsene bleiben. Sie werden nicht finanziert, nicht bewilligt. Es gibt nur mehr Superhelden-Filme, Teenager-Filme und Franchise-Filme.. Alle heiligen Zeiten wird einer gedreht, und der kann dann noch so gut sein, wenn er nicht genug Geld macht, werden die Studios das nicht nochmal machen. Es geht schließlich nur um's Geld. Das wissen wir alle. Es ist frustrierend. Aber schauen wir mal, wie dieser Film läuft (lacht). Ich glaube schon, dass sich Leute in ihren Vierzigern im Kino repräsentiert sehen wollen.

Vielen Dank für das Gespräch!

http://www.immeraergermit40.at/immeraergermit40/

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Interviews, 22. März 2013
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