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Les Misérables: Singen nach Hugo
© Universal Film

Les Misérables: Singen nach Hugo

Wie wird man vor der Kamera wirklich hässlich? Hugh Jackman verrät sein „Les Misérables“-Oscar-Geheimnis. Und welche Musik seine kleine Tochter hört.
Veröffentlicht:
19.02.2013
 

Wir trafen den gut gelaunten Hugh Jackman im Dezember in London anlässlich des achtfach oscarnominierten Films "Les Misèrables". Nur über die Oscars wollte er nicht sprechen – nur so viel: „Es gibt Kollegen, die Preisverleihungen meiden und Preise nicht annehmen – so jemand bin ich sicher nicht.“ Er lacht.


Wie ist es Ihnen gelungen, im Film anfangs so schlecht auszusehen?

Tom [Hooper, der Regisseur, Anm. d. Red] bat mich, völlig unkenntlich zu sein. Erstens, um zu illustrieren, wie es im Straflager zugeht, zweitens ist es ein wichtiger Punkt in der Geschichte, dass ihn Inspektor Javert nicht erkennt. Das geht natürlich auf einer Bühne viel leichter, da braucht man nur eine andere Jacke und Perücke anziehen. Ich habe wirklich lang kein einziges Kohlenhydrat zu mir genommen und am Ende 36 Stunden vorm Dreh keine Flüssigkeit zu mir genommen. Bitte versuchen Sie das bloß nicht zuhause, man verliert 5 Kilo an Wassergewicht, bekommt eine unglaubliche Migräne, wird schwindlig und irrsinnig schlecht gelaunt. Und man sieht tatsächlich scheiße aus – das hat gut funktioniert.

War das ein echter Bart?

Die Hälfte war mein echter Bart, der Rest war Haarverlängerung.

War die Rolle eine emotionale Herausforderung?

Es war sehr strapaziös. Natürlich habe ich vorher auch schon ein paar emotionale Rollen gespielt – üblicherweise in Filmen, die in etwa elf Menschen gesehen haben, wie „The Fountain“ (Darren Aronofsky, 2006). In diesem Film musste man ja nicht nur in emotionale Tiefen hinabsteigen, sondern gleichzeitig Gesang und Schauspiel im selben Take perfekt hinkriegen. Wir haben nicht nachsynchronisiert.

Aber Ihre Stimme hat durchgehalten ...

Ich singe schon sehr lange. Aber ich habe vor einem Jahr eine One-Man-Broadway-Show gemacht – hauptsächlich, um mich stimmlich auf diesen Film vorzubereiten. Acht zweieinhalbstündige Shows pro Woche, das war ein guter Start. Aber 12 Stunden singen pro Tag ist dann doch wieder eine ganz andere Sache, zumal man sich auch zwischendurch nicht erholen konnte – da gab es keine lustigen Dinnerparty-Szenen oder lange Spaziergänge mit Gesprächen. Man musste jeden Tag voll da sein.

Ging es am Set trotzdem lustig zu?

Ja sicher, wir mussten ja irgendwie überleben. Wissen Sie, das geht schon, wenn man einen Film mit Sacha Baron Cohen und Helena Bonham Carter dreht – und lassen Sie mich Ihnen sagen, Amanda Seyfried hat einen abgefahrenen Sinn für Humor! In dieser Hinsicht war es jedenfalls lustig am Set. Wir brauchten das auch. Und Sacha Baron Cohen kam erst im letzten Monat dazu. Bei seinen Takes stand ich im Hintergrund und lachte mich kaputt, ich musste echt vom Set gehen. Der Mann macht nichts zweimal hintereinander gleich und jedes Mal ist es genauso lustig. Er und Helena sind großartig zusammen.

Ist man als Wolverine noch cool, wenn man ein Musical dreht?

Ich weiß, es gibt dieses dumme Vorurteil gegenüber Musicals. Aber es wird wohl niemand Jean Valjean vorwerfen, er sei nicht männlich genug. Er ist vermutlich einer der größten Heldenrollen, die jemals geschrieben wurden. Und die Freunde meines Sohns Oscar werden den Film vermutlich sowieso nicht sehen (lacht).

Werden Sie den Oscar gewinnen?

Sie wissen genau, dass Sie einen Schauspieler nie dazu bringen werden, dazu etwas zu sagen. Ich würde mich sehr für den Film freuen. So ein Projekt ist ein großes Risiko und die Leute, die die Schecks unterschrieben haben – und das bin definitiv nicht ich – mussten wieder und wieder überzeugt werden, dass das eine anerkannte Kunstform ist. Das wäre eine schöne Belohnung für das Team. Ich weiß es gibt Kollegen, die Preisverleihungen meiden und Preise nicht annehmen - so jemand bin ich sicher nicht (lacht).

Was ist das schönste Kompliment, das Sie je bekommen haben?

Letzten Endes ist es für mich wie vermutlich jeden anderen auch am wichtigsten, wie ich zu den Leuten bin, die mir nahestehen bin. Für mich würden also Komplimente darüber zählen, wie ich als Ehemann, Vater oder Freund bin.

Singt ihr Sohn?

Nein, meine Tochter. Sie ist ein echtes Heavy-Metal-Mädchen. Sie ist sieben, aber das war schon so, bevor sie überhaupt reden konnte. Wenn wir im Auto alle Sender durchliefen ließen, war sie nur glücklich, wenn Heavy Metal lief. Sie wippte mit und bekam diesen Blick. Sie mag es hardcore.

Sie hatten ja selbst eine Band ...

Ja, als Kind. Aber ich wurde rausgeschmissen. Ich spiele auch Klavier und ich habe gedroht, sie sollen es vergessen, wenn sie keinen Synthesizer kaufen – das war schließlich in den Achtzigerjahren. Am nächsten Tag war ich nicht mehr dabei.

Wie lief‘s am Set mit dem anderen großen australischen Star, Russell Crowe?

Er ist wirklich ein großartiger Freund, ein Mentor über die Jahre, in einer eher stillen Art, das ist Russells Stil. Es gibt viele Dinge, die er tut, über die die Leute nichts wissen. Es war sehr spannend – wir kennen uns ewig, haben aber noch nie miteinander gearbeitet.

Das Interview führte Julia Pühringer

Zur Person Hugh Jackman


Der attraktive Australier wurde als Wolverine berühmt. Er ist ein berufliches Multitalent.
• Geb. 1968 in Sydney
• Begann in einer TV-Serie, wo er seine zukünftige Frau Deborra-Lee Furness kennenlernte
• Das Paar hat zwei Adoptiv- Kinder, Oscar und Ava
• Dreht derzeit mit Jake Gyllenhaal den Film „Prisoners“

 
 

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