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Interview mit "Tatort Kärnten"-Darsteller Juergen Maurer
© tele/Franz Jellen

Interview mit "Tatort Kärnten"-Darsteller Juergen Maurer

Juergen Maurer verkörpert in „Tatort - Grenzland“ den Gegenspieler von Harald Krassnitzer. Im tele-Exklusivinterview erzählt er, was für ihn das Besondere am ersten Kärntner Tatort ist.
Veröffentlicht:
25.10.2012
 

Juergen Maurer („FC Rückpass“, „Das Glück dieser Erde“) verkörpert in „Tatort  - Grenzland“ den Gegenspieler von Harald Krassnitzer. Der gebürtige Kärntner,  seit 1997 Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters (spielte zuletzt in „Das Trojanische Pferd“), ist immer häufiger in TV-Rollen zu sehen, unter der Regie von . Im tele-Exklusivinterview erzählt er, warum das so ist und was für ihn das Besondere am ersten Kärntner Tatort ist.


tele: Vor kurzem sahen wir sie in „Das Wunder von Kärnten“,  jetzt drehen Sie den ersten Kärnten-Tatort. Schön langsam werden Sie zum Kärnten-Spezialisten …

Juergen Maurer: Ich bin ja in Klagenfurt geboren und aufgewachsen, hab’ dort auch die Matura gemacht. Meine Eltern leben in Klagenfurt, auch meine Schwester mit ihrer Familie. Ich kenne mich hier aus und komme immer wieder gern hierher zurück.

tele: Sind Sie noch fest in Kärnten verwurzelt?

Juergen Maurer: Richtige Wurzeln für mich persönlich habe ich hier keine mehr. Meine Familie lebt in Kärnten, diese Verbindung bleibt natürlich bestehen. Aber wenn sie mich fragen, ob ich „im Herzen ein Kärntner“ geblieben bin, dann kann ich das guten Gewissens verneinen.

tele: Sie spielen in diesem „Tatort“ den Ortskaiser von Bad Eisenkappel. In „FC Rückpass“ sieht man Sie in einer ähnlichen Rolle. Gibt’s da die Gefahr, dass man schön langsam auf diesen Typ festgelegt wird?

Juergen Maurer: Möglicherweise gibt’s da eine Typisierung, die von außen nach innen verläuft. Dass man sagt, das sind so Hochstatus-Charaktere, so Mannsbilder, die halt üblicherweise mit dem Kopf durch die Wand müssen. Das wird einem dann halt zugeordnet. Aber es gibt ja für mich durchaus auch andere Aufgaben - also festgelegt bin ich darauf hoffentlich nicht. 

tele: Ist der Ortskaiser für Sie eine typische Kärnter Erscheinung?

Juergen Maurer: Nein, den Ortskaiser gibt’s überall. In Kärnten ist er halt noch mit einer ordentlichen Prise sturschädeliger Engstirnigkeit gewürzt. Und - gerade in Bezug auf das Thema, das wir in diesem „Tatort“ bearbeiten - mit einer extremen politischen Vergangenheitsverdrängung, mit einer permanenten Verweigerung, sich der Vergangenheit zu stellen oder sie zu bewältigen. Das gibt der Figur schon noch einmal eine besondere Würze. Ich bin froh und dankbar, dass der Klaus Graf das produziert, damit die Thematik „Verdrängung, Nazi-Gräuel, Peršmanhof-Massaker“ einem breiten Publkum zugeführt wird. Es ist ja nicht üblich, dass in so einer Krimi-Geschichte zeithistorische Dinge aufgearbeitet werden.

tele: Wie stehen Sie generell zu „politischen Rollen“ und Filmen, die eine gewisse politische Brisanz in sich tragen?

Juergen Maurer: Das kommt immer darauf an: Ich würde kein Buch drehen, das tendenziell politisch ist, in einer Richtung, die mir nicht zusagt. Die kritische Distanz zu diesen Sachen ist natürlich wichtig, ist aber in diesem Fall durchaus gegeben.

tele: Sind Sie froh, dass es speziell beim „Österreich-Tatort“ immer wieder diese politische Komponente gibt?

Juergen Maurer: Ich finde das großartig. Es ist sehr verdienstvoll vom Klaus Graf und auch vom Sascha Bigler, dass sie diese Geschichte in einen Tatort- Fall integriert haben, der ja dadurch und durch andere Eigenheiten des Buches – Moritz Eisner mit Kopfschuss und Amnesie – schon ein bisschen in eine andere Richtung geht. Es ist also nicht so eine geradeaus erzählte Kriminalgeschichte im Sinne von „Wer war’s – und zum Schluss war’s der Gärtner“.  Da ist schon was Besonderes dran, und das finde ich sehr toll.

tele: Ist „Grenzland“ Ihr erster Austro-Tatort?

Juergen Maurer: Nein, der zweite. Ich hab‘ mit Nikolaus Leytner schon „Operation Hiob“ gedreht.
 
tele: Das war ein „Wiener Tatort“. Der Dreh im Kärntner Grenzland dürfte sich davon doch stark unterscheiden?

Juergen Maurer: Die Jahreszeit ist ähnlich. Beim „Hiob“ haben wir auch gefroren, nur war das damals in Stadlau. Jetzt frieren wir halt in Eisenkappel. Aber hier gibt’s eine nette Sauna am Klopeiner See, also ist es doch nicht so kalt …(lacht) …nein, es ist super schön hier.

tele: Wie ist die Stimmung am Set?

Juergen Maurer:  Die Stimmung ist hervorragend. Wir haben einen Mordspaß, sind aber sehr konzentriert bei der Arbeit. Der Sascha Bigler ist ein sehr profunder und zielgerichteter Regisseur. Und die Adele und der Harald sind sowieso alte Zirkuspferde, richtige Vollprofis.

tele: Mit wem haben Sie die meisten Szenen?

Juergen Maurer: Mit Harald. Es gibt da diese Kernkonfrontation von Kommissar Eisner mit dem Steinbruchbesitzer Wiegele, dessen Sohn er verdächtigt, auch aufgrund dieses Massakers aus den letzten Kriegstagen. Da gibt’s einen konkreten Verdacht – und deshalb geht zwischen den beiden ziemlich die Post ab.

tele: Die Kollegen Neuhauser und Krassnitzer drehen nach diesem „Tatort“ fast nahtlos den nächsten. Welche Projekte haben Sie in nächster Zeit?

Juergen Maurer: Ich hab’ gerade in Frankfurt unter der Regie von Thomas Roth einen Taunus-Krimi von Nele Neuhaus (Anm.: „Eine unbeliebte Frau“) abgedreht. Es gibt natürlich nach dem „Tatort“ einige Projekte, die in der Röhre liegen, aber über die kann ich noch nichts sagen. Das sind noch ungelegte Eier.

tele: Wie verbinden Sie ihre Arbeit fürs Fernsehen mit der Theaterarbeit? Stehen sich die zwei Standbeine nicht im Wege?

Juergen Maurer: Ich habe am Burgtheater einen sehr konzilianten Chef. Der Matthias Hartmann fördert seine Schauspieler, wenn sie sich auswärts betätigen wollen. Das ist ein Novum am Burgtheater. Das war zwar in der Direktion vorher auch möglich, es wurde geduldet, aber jetzt wird’s richtig gefördert und gern gesehen. Natürlich muss man das irgendwie ausbalancieren mit den TV-Rollen, aber das geht schon.

tele: Danke für das Gespräch!

 
 

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