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Traumhaft böse Königin
© Universal Pictures

Traumhaft böse Königin

Schöne Kleider, ein Nierenschaden und Jack Nicholson als Vorbild: Charlize Theron im tele-Interview über ihre Rolle in der actionreichen Märchenadaption „Snowwhite and the Huntsman“.
Veröffentlicht:
04.06.2012
 

Soviel Action gab’s in „Schneewittchen“ noch nie: Während sich Twilight-Star Kristen Stewart in voller Rüstung an die Rettung ihres Königreichs macht – immerhin mit Unterstützung von „Thor“-Darsteller Chris Hemsworth als tapferem Jäger – steht ihr Charlize Theron in den Kostümen der achtfachen Oscar-Preisträgerin Colleen Atwood als böse Gegenspielerin Ravenna gegenüber.

 

tele: Bekamen Sie im Hochzeitskleid im Film überhaupt Luft?

Charlize Theron: Dieses Kleid hat meinen Nieren sicher mehr geschadet als eine Woche ohne Wasser in der Wüste. Es war mit Sicherheit das unbequemste Kleidungsstück, das ich in meinem ganzen Leben getragen habe. Da sieht man wieder einmal, wie eitel wird sind: Ich war völlig hingerissen davon, es anzuziehen, weil es so hübsch war, aber es war wirklich ein Mörderkleid. Am schlimmsten war as Gewicht: Es war fast unmöglich, sich zu bewegen, sobald die Schleppe dran war. Wir witzelten am Anfang bei den ersten Takes immer herum: Wenn es „Action!“ hieß, sah man, wie ich meinen ganzen Körper in Zeitlupe nach vorne lehnte, bevor ich das Kleid überhaupt einen Schritt weit bewegen konnte, so schwer war es. Ein echtes Museumsstück. Colleen Atwood ist einfach ein Genie.

 

Sie müssen auch ein Bad in einer dicken, weißen Flüssigkeit nehmen, woraus bestand die?

Aus einem Verdickungsmittel für Kosmetika. Und aus Milchshakes. Angeblich.

 

Auch in Hollywood muss man ewig jung und schön sein, können Sie mit der bösen Königin mitfühlen?

Ich bin mir nicht so sicher, ob das nur etwas mit Hollywood zu tun hat, ich denke eher mit der Gesellschaft an sich. Frauen haben es in unserer Gesellschaft mit dem Altern einfach viel schwerer als Männer. Das ist nicht nur in meinem Business so. Das hat auch nicht nur mit Eitelkeit zu tun, es repräsentiert die Werte unserer Gesellschaft – genauso wie auch im Film – das ist für uns Frauen eine harte Erkenntnis. Natürlich betrifft uns das Altern alle, Männer wie Frauen, man muss sich da mit der eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen. Es ist ja nicht nur das Gesicht, das sich verabschiedet, der Körper stellt seinen Betrieb ein, damit will sich keiner beschäftigen. Das sind harte Tatsachen, denen man sich stellen muss. Ich schätze mich glücklich, dass ich ganz im Gegensatz zu Ravenna von Eltern großgezogen wurde, die eher so wie die Mutter von Schneewittchen waren. Sie haben mir schon sehr früh beigebracht, dass es wichtigere Dinge im Leben gibt als Äußerlichkeiten.

 

Schönheit ist die Quelle von Ravennas Stärke, aber auch der Tribut, den sie zollen muss. Sehen Sie das auch so?

Wenn man durchs Leben geht und seinen Wert im Äußeren sieht, dann ist das ein sehr einsames und leeres Leben. Die Gesellschaft macht das nicht leichter. Die Story ist da durchaus ein warnendes Beispiel.

 

Hatten Sie je das Gefühl, Sie müssten sich beweisen, weil sie schöner als andere sind?

Wir alle müssen uns irgendwann beweisen, das ist einfach ein Teil des Lebens. Niemand bekommt alles geschenkt. Es gehört dazu, dass einem jemand sagt: „Du kannst das nicht“. Dann will man das Gegenteil beweisen, diese Erfahrung haben wir doch alle gemacht.

 

Stimmt es, dass Jack Nicholson in „The Shining“ das Vorbild für Ihre Rolle war?

Ja: Regisseur Rupert Sanders und ich wollten die Figur mit soviel Wahrheitsgehalt wie möglich erden. Ich wüsste auch gar nicht, wie ich etwas spielen sollte, das nicht in irgendeiner Form real ist. Also gaben wir uns wirklich Mühe, ihre Umstände zu verstehen, zu verstehen, warum sie so böse ist, quasi ihren Irrsinn aufzudröseln. Ich konnte einmal nachts nicht schlafen und drehte den Fernseher auf und da war die Szene mit Jack in diesem riesigen Raum im Hotel, wo er den Tennisball gegen die Wand wirft, dann langsam die Treppen hinaufgeht, seine Frau bedrängt und langsam völlig wahnsinnig wird. Bei Kubrik sieht dieses Hotel so riesig aus und ich dachte sofort an das Schloss und die Isolation, in der Ravenna lebt. Das Schlimmste, was man jemandem antun kann, der so ein Control-Freak ist, ist ihn in eine Situation zu bringen, die er nicht in der Hand hat, wo er sich auf andere Leute verlassen muss, die ihm helfen. Das ist für solche Leute, wie wenn man ihnen die Hände abhacken würde. Das macht Ravenna wirklich wahnsinnig. Wie sagte Orson Welles so schön: „Ich stehle nur von den Besten“. Niemand ist besser unheimlich als Jack. Ich würde natürlich nie behaupte, ich wäre auch nur annähernd so gut wie er. Aber er hat mich definitiv inspiriert.

 

Haben Sie früher viele Märchen gelesen?

Bei uns war das eher afrikanische Folklore, da hat mir meine Mutter viele Bücher gekauft. Als junge Erwachsene las ich viel davon. Ich habe die Gebrüder Grimm immer als sehr düster empfunden, aber ich mochte das als Teenager.

 

Macht es Spaß, die böse Königin zu spielen?

Ich war noch nie bei einer Produktion, wo das Szenenbild so beeindruckend und riesig war. Wir Schauspieler befinden uns ja in einer glücklichen Position: Wir sind wie Kinder, die nie erwachsen werden müssen. Wir spielen immer noch im Sandkasten. Aber das war wirklich ein Puppenhaus in zehntausendfacher Vergrößerung!

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Snowwhite and the Huntsman läuft ab 1.6. im Kino. Hier sind übrigens auch die Zwerge echte Stars: Nick Frost, Bob Hoskins und Ian McShane.

Das Interview führte Julia Pühringer

 
 

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