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Interview mit Matthias Habich

Interview mit Matthias Habich

"Bloch: Der Heiland" (19.1., 20.15 Uhr, ARD)
Veröffentlicht:
11.01.2011
 
In "Der Heiland" spielen Sie einen religiösen Eiferer. Was haben Sie gedacht, als Ihnen Martin im Drehbuch zum ersten Mal begegnete?

Vor allem habe ich es vermieden, ihm das Etikett eines "Eiferers" oder "Wahnsinnigen" zu verpassen. Wenn man ihn sofort als solchen ausmachen könnte, würde man sich nicht weiter für ihn interessieren. Auch hätte er vor dem Dom keine Zuhörer gefunden.

Und dann haben Sie sich auf ihn eingelassen?

Martin hat den emotional-geistigen Raum, in dem sich so genannte "normale" Menschen aufhalten, verlassen, da es ihm darin zu schmerzhaft wurde. Er hat sich in einen imaginären Schutzraum zurückgezogen. Dort lebt er seine für ihn völlig normale Realität. Ich musste also keinen "Verrückten" spielen. Immer wenn seine Tochter oder Bloch versuchen, die Mauern dieses Schutzraumes einzureißen, gerät Martin in gefährliche seelische Turbulenzen.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Ich habe die Rolle von hinten gelesen. Die letzte Szene des Martin hat mich so gereizt, dass ich ihn unbedingt spielen wollte. Mein erster Arbeitsschritt war, den Turm des Kölner Doms zu besteigen. Dort oben habe ich etwas von Martin begriffen.

Martin findet erst Jünger, nachdem er vor ihren Augen ein vermeintliches Wunder vollbracht hat. Wie konkret darf ein Glaube sein?

Wenn Gott sich beweisen ließe, bräuchte es keinen Glauben.

In Ihrer Rolle sind Sie davon überzeugt, der neue Heiland zu sein. Warum brauchen Menschen einen Erlöser?

Vielen Menschen wird es schwindlig bei der Vorstellung, alles im Universum und im Leben sei materieller Natur. Sie brauchen Halt und Trost und sehnen sich nach Transzendenz.

Martin plagen Schuldgefühle. Er glaubt, zum Tod seiner Frau beigetragen zu haben. Wie ist sein Umgang mit dieser persönlichen Verantwortung?

Ich denke, der ganze Film gibt darauf Antwort.

Wie schwer fiel es Ihnen, Martin zu spielen?

Ich hatte großen Respekt vor dieser Aufgabe. Mit Franziska Meletzky habe ich eine Regisseurin gehabt, die mit mir am gleichen Ende des Stranges zog und mir Vertrauen gab, mich auf die Rolle zu konzentrieren. Sehr oft hat sie mich auf eine für mich überraschende Fährte gebracht, auf die ich mich dann mit voller Überzeugung einließ.
 
 

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