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Interview mit Heinrich Breloer

Interview mit Heinrich Breloer

"Buddenbrooks" (Arte, 23.12., 20.15 Uhr und ARD, 27./28.12., 20.15 Uhr)
Veröffentlicht:
14.12.2010
 
Herr Breloer, jetzt gibt es eine längere Fassung der "Buddenbrooks", die im Fernsehen gezeigt wird: Liegt Ihnen eine Fassung mehr am Herzen?

Die Kinofassung meines "Buddenbrooks"-Films habe ich – vom Schneideraum bis zu den vielen Vorführungen während der Produktion – sicher an die hundert Mal gesehen. Die Fernsehversion dagegen, vor dem Kinofilm fertiggestellt, war schon etwas in meinem Gedächtnis abgesunken, als ich sie mir jetzt, nach über einem Jahr, wieder im Zusammenhang vorgespielt habe. Ein ruhigerer Einstieg in die Geschichte, eine gründlichere Vorstellung der Personen. Der Zuschauer kann sich leichter über die jeweilige Rolle der verschiedenen Familienmitglieder orientieren. Die Fassungen unterscheiden sich in einer Reihe kleiner und großer Veränderungen.

Wie viele Ihrer Filme entstand auch "Buddenbrooks" in Zusammenarbeit mit Horst Königstein.

Mein Freund und Koautor Horst Königstein hat sich in seinem kleinen Hauskino die beiden Teile dieser Fassung vorgespielt, auch er nach langer Pause. Ich frage ihn nach seinem Eindruck: "Mehr Details. Mehr Gelassenheit!" Und dann ein schönes Kompliment: "Eine größere Zärtlichkeit im Umgang mit den zentralen Charakteren." Da hat er wohl Recht. Sie haben auf der langen Strecke ausführlicherer Erzählung im Fernsehen mehr Raum zum Leben.

Dann kann sich das Fernsehen eine besondere Großzügigkeit in der Erzählfreude leisten?

Im dunklen Raum des Kinos sind wir im Drama mit den Personen gefangen. Das Fernsehen kann sich dagegen deutlicher epische Elemente erlauben. Fernsehen und Kino sind eben unterschiedliche Medien, die jeweils ganz besondere Möglichkeiten für eine Erzählung anbieten. Man muss da ganz nüchtern eine Bilanz mit Vorteil- und Nachteilsrechnung aufmachen. Die Magie des dunklen Kinosaals und der beleuchtete soziale Raum des Fernsehens. Allerdings: Die Räume und das Erleben rücken mit der Entwicklung der großen Fernseher schon zusammen. Der Zauber wirkt auch im abgedunkelten Wohnzimmer. Hier können die Zuschauer 40 Minuten länger und intensiver mit den Buddenbrooks verbringen.

Könnte es sein, dass die Fernsehfassung auch "musikalischer" ist?

Es scheint, als ob sich sogar die komplexen musikalischen Motive, die Hans Peter Ströer in seinem Soundtrack entwickelt hat, in der Langversion besser heraushören lassen. Die Wiederholung der Leitmotive und ihre Variation bis hin zum Moll der Todesbilder sind deutlicher zu verfolgen. Es ist ja Thomas Manns Technik der leitmotivischen Charakterisierung seiner Figuren, die unsere Musik nachspielen soll.

Historische Mehrteiler gehörten früher zu den schönsten Fernseherlebnissen. Wollen Sie eine Tradition wiederbeleben?

Warum nicht? Die Weihnachtszeit – das sind besondere Tage im Jahr, die die Menschen sich mit etwas mehr Ruhe und Distanz zum Alltag gestalten. Sie suchen in diesen Tagen auch nach Filmen, die sie in eine andere Zeit führen. Wenn dabei ihre Probleme zur Sprache kommen, die ursprünglichen Fragen nach Glanz und Untergang, nach der Kraft, die Menschen erfolgreich macht, danach, woran wir sterben – verpasstes Lebensglück, Betrug, die Sehnsucht, sich aufzugeben – all das sie unmittelbar angehend, aber in der Distanz einer anderen Zeit: Ich glaube, es gibt die Bereitschaft, sich von besonderen Filmen dieser Art für ein paar Stunden verzaubern zu lassen. Vielleicht gelingt uns das mit unserem Zweiteiler.
 
 

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