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Hugo Portisch

Hugo Portisch

Über das Buch „Die Olive & wir“
Veröffentlicht:
13.03.2009
 

Ein Buch über einen „überstürzten“ Hauskauf und die Folgen, über Nachbarn und Renovierungsarbeiten, über seltsame Begegnungen und vergnügliche Erlebnisse in der zweiten Heimat. „Einen kurzen, aber sehr persönlichen Blick über den Gartenzaun ihres Lebens“, genauer gesagt: über jenen des südländischen Lebens der Portischs, verspricht der Klappentext. Alle Geschichten und Reflexionen in dem Buch ranken sich um das Haus und die Nachbarschaft. Seltsame Erlebnisse und skurille Begebenheiten, mit Menschen wie mit Tieren, die wohltuend unprätentiös und augenzwinkernd serviert werden. Köstliche Begegnungen mit diversen Carabinieri, Fleischermeister Bocetti, Hauskater Pusso, einem geheimnisvollen Professore und Pordina, der Nachbarin. Das Haus habe sie gefunden, nicht sie das Haus, schreibt das Autorenduo. Und der Leser darf staunen und schmunzeln, welche Auswirkungen eine Verkettung von Zufällen auf einer italienischen Reise doch haben kann…

Für tele signierte der Starautor u.a. jene Ausgaben von „Die Olive & wir“, die beim Gewinnspiel zum 20-jährigen tele-Jubiläum verlost wurden.



Anschließend baten wir den Erfolgsautor zum Interview:


tele: Herr Dr. Portisch, „Die Olive & wir“, der Titel ihres neuen Buches ist auch der Titel eines Filmes, den Sie vor Jahren für die benachbarten Bauern in der Toskana drehten. Wie kam es dazu?


Hugo Portisch: Eines Tages kamen die Bauern zu uns und sagten, im Nachbarort werde es eine Olivenausstellung geben. Eine „Sagra“, eine Art von Messe. Da kommen die Bauern und bieten ihre Olivenöle an, und was sie sonst so erzeugen: Käse, Wein, Würste. Das ist immer ein großes Fest, so ähnlich wie bei uns ein Kirtag. Und da hat der Bürgermeister gemeint, jeder muss noch etwas zur Unterhaltung und zum leiblichen Wohl der vielen Gäste, die da kommen, beitragen. Sie wussten, dass ich beim Fernsehen arbeite – und wollten einen Film von mir. Ich sagte: Was für einen Film soll ich machen? Sie sagten: Über uns. Über unser Leben und unsere Arbeit. Ich sagte ihnen, dass sei nicht einfach. Ich sagte, ich bin ja kein Kameramann, aber sie ließen nicht locker. Also fragte ich sie, was in dem Film vorkommen sollte. Na, unsere Arbeit, die wir hier machen, die Olivenernte, meinten sie. Das sind ja viele Arbeitsgänge, die sich über ein Jahr erstrecken, sagte ich. Jetzt haben wir Juli, das geht ja gar nicht, wie sollen wir Arbeiten, die im Dezember oder Jänner gemacht werden, im Sommer filmen. Doch sie sagten: Nein, nein, lassen Sie das nur unsere Sorge sein. Und tatsächlich: Am nächsten Tag kamen Sie, winterlich angezogen für die Olivenernte im Dezember, bei 30 Grad Hitze im Schatten, und wir haben mit dem Film begonnen. Alle haben Netze mitgebracht, Leitern und Stöcke, sind auf die Bäume gestiegen, haben angefangen auf die Bäume einzuschlagen. Sie haben sogar ein paar richtige Oliven aus den Einsiedegläsern genommen, die haben sie von den Bäumen fallen lassen. Die Frauen haben darunter die Netze gespannt und alles zusammengeklaubt. Das Großartige und Verwunderliche war, dass sie nicht die geringste Scheu vor der Kamera hatten. Das war für sie so selbstverständlich, als hätten sie eine langjährige Hollywood-Erfahrung. Das können die Italiener einfach. Das ist diese diese typische italienische Opernmentalität: jeder kann schauspielen… (lacht)


tele: Haben Sie über die Jahre durch das Haus in der Toskana viel von der italienischen Lebensart in sich aufgesogen?


Portisch: Ja, natürlich. Die ganz große Sache ist ja nicht das Haus. Die ganz große Sache sind die Menschen, die dort um uns sind. Und die Lebensart: wie sie leben, wie sie miteinander umgehen. Immer mit größter Toleranz, sanft. Wir haben eigentlich nie Streit gehört, in den vielen Jahren. Und sie sind immer um die Gemeinschaft bekümmert. Jeder nimmt Anteil an dem, was in der anderen Familie geschieht. Jeder nimmt Anteil an dem, was im Dorf geschieht. Aber außerhalb des Dorfes ist es ihnen schon ziemlich wurscht. Weil sie sagen: außerhalb des Dorfes herrscht die Bürokratie, und die Bürokraten sind der Feind Nummer eins. Die machen Vorschriften und die wollen die Steuern haben, sind aber selbst fast nie erreichbar. In der Abneigung gegenüber der Bürokratie sind sie also vereint. Besser stellen sie sich mit dem Bürgermeister. Weil interessanterweise die Bürgermeister sehr tüchtig sind. Aus Ruinendörfern machen sie Musterdörfer. Aber Rom und Berlusconi und so weiter, das ist ja weit weit weg. Außerdem kann man von denen eh nix erwarten. Die in Rom, das sind ja Mediterrani, heißt das, irgendwo in Afrika sind die. Das sind nicht wir. Das ist also der Stolz der Toskaner, die eigentlich die Toskana ganz für sich beanspruchen. Für sie ist diese Region ein ganz besonderes Gebiet. Und das ist sie ja auch – sie unterscheidet sich doch wesentlich in vielem. Nicht zuletzt unterscheidet sie sich ja durch ihre unglaublichen Kunstdenkmäler. Das sind ja prachtvolle Städte. Florenz, Pisa, Siena. Das sind alles großartige Städte mit einer tausendjährigen Geschichte. Auch mit einer blutigen Geschichte. Dort ist ja früher jeder gegen jeden gewesen, und jeder Fürst gegen jeden Fürsten. Es gibt ja diese Sprichwörter: „Wenn Florenz weint, lacht Pisa“.


tele: Wieviel Zeit verbringen sie eigentlich in der Toskana?


Portisch: Na ja, jetzt ein bisschen mehr. Früher viel weniger, ich hab’ ja immer viel zu tun gehabt. Der Mittelpunkt meines Schaffens war immer Wien. Aber jetzt , wo ich es beruflich lockerer nehme – ich habe schon viel Arbeit, aber Arbeit , die nicht an Wien gebunden ist – bin ich öfter und länger unten.


tele: Sind es mehrere Monate oder Wochen im Jahr?



Portisch: Na ja, fast nie Monate. Mal vier Wochen, dann drei Wochen, das schon. Aber immer mit schönen Pausen woanders.


tele: Sie haben vor Jahren  das Schwammerl-Buch geschrieben, jetzt das Toskana-Buch. Das sind „unpolitische“ Bücher, die man von Ihnen nicht gewohnt ist. Was ist für sie der Antrieb, so ein Buch zu schreiben?


Portisch: Was ich immer falsch gefunden hab, überall, ist ja, dass Menschen in Kast’ln eingesperrt werden. Also der ist das und das, und der darf auch nichts anderes machen als das. Und wehe er macht was anderes. Ein ernster Schauspieler darf kein Komiker sein und ein ernster Schriftsteller darf nichts Komisches schreiben. Und ein Politiker muss immer Politiker sein – der darf nicht vielleicht auch einmal ein normaler Mensch sein… (lacht) Ich hab ja auch immer wieder was anderes gemacht in meinem Leben. Es schaut nur so aus, als hätte ich immer das gleiche gemacht, aber das stimmt nicht. Ich komme ja vom Print-Journalismus, hab’ beim Kurier als Chefredakteur gearbeitet, hab Bildbeilagen gemacht. Während dieser Zeit habe ich schon außenpolitische Kommentare im bayerischen Fernsehen gemacht. Also die Abwechslung brauch ich einfach. Ich hab’ immer gesagt: Niemals möchte etwas länger machen müssen als maximal vier Jahre.


tele: Sie sind ein begeisterter Pilzsammler und –experte. Wird es von Ihnen eventuell ein zweites Schwammerl-Buch geben?


Portisch: Das zweite Schwammerl-Buch ist durchaus möglich. Ich hab’ ja auch zusammen mit dem bekannten Dokumentaristen Kurt Mündl für die Universum-Reihe einen Schwammerl-Film gemacht: „Das geheimnisvolle Leben der Pilze“.


tele: Und das Buch über das Leben in der Toskana war ebenso eine Herzensangelegenheit?


Portisch: Diese Dinge, die in dem Buch vorkommen, sind uns ja echt passiert. Sie waren manchmal komisch oder zum Schmunzeln oder heiter. Manchmal sehr zum Nachdenken, manchmal wirklich erschütternd und mitreißend. Also verschiedenste Erfahrungen. Wir haben immer gesagt: Kinder, was uns da passiert, das muss man festhalten, sonst vergisst man wie lustig und wie komisch das war.


tele: Haben Sie einmal daran gedacht, das Ganze in Form einer Dokumentation festzuhalten – angefangen beim Umbau des Hauses…?


Portisch: Nein, nein. Ach wo, das ist alles rein zufällig zustandegekommen. Tagebuchmäßig oder vorausplanend sind wir fast nie gewesen. Wir haben uns auch nie für so wichtig gehalten. Wenn mir Leute sagen: Wo sind eigentlich die Fotos, dann sag ich: Hat nie welche gegeben, hab’ nie welche gemacht, nie machen lassen.  Ich komm’ fast nirgendwo vor. Wir sind ja auch nicht eitle Leute. Daher war das gar nicht vorgeplant. Erst der Hannes Steiner, ein tüchtiger, moderner Verleger, hat uns dazu gebracht. Er hat uns bei einem Besuch gefragt: Habt ihr nicht irgendetwas liegen, woraus man ein Buch machen kann. Und ich hab’ zuerst gar nicht daran gedacht. Es war eine Sammlung von Erinnerungen, von Aufzeichnungen. Aber meine Frau hat gesagt: Ja ja, das hab’ ich. Sie kann ja mit dem Computer umgehen. Ich kann mit dem Computer nicht umgehen, ich hab’ immer eine Sekretärin gehabt. Aber meine Frau hat gesagt: Ja, ich hab’ die Dinge auf einer Disc gesammelt.. Der Steiner hat das mitgenommen und es hat ihm so gut gefallen, dass er unbedingt ein Buch daraus machen wollte. Na, das war natürlich dann eine nicht so leichte Nachricht, weil das Material war schon vorhanden, aber es musste natürlich zum großen Teil neu geschrieben werden und ein roter Faden rein gebracht werden. Kurz und gut: Die letzten Monate haben wir ganz schön dran gearbeitet.


tele:    Eine Chronologie sucht man in „Die Olive & wir“ vergeblich. Ist das so beabsichtigt?


Portisch: Also der Hauskauf hat ja schon vor rund 30 Jahren stattgefunden. Und eine Chronologie hätte wenig Sinn. Wir haben uns das schon überlegt, Jahreszahlen und alles. Aber wir haben uns gesagt: Was soll’s, das sind ja ewige Geschichten. Ob die jetzt vor vier Jahren oder zwei Jahren oder einem Jahr stattgefunden haben, ist doch eigentlich völlig egal.


tele: Ist das Leben in der Toskana für sie eigentlich eine Art „Dolce Vita“ – oder bedeutet es auch viel Arbeit?


Portisch: Es hängt ja an dem Haus auch eine Landwirtschaft. Und eine, die viel Arbeit erfordert. Es gibt auch einen Garten, den meine Frau sehr liebt und pflegt und der sehr schön ist. Meine Frau arbeitet sehr gern dort unten. Ich nicht. Mich lenkt eine schöne Umgebung ab. Ich liebe natürlich schöne Umgebungen, ich geh dort gern spazieren. Aber arbeiten tu ich lieber in einem relativ kargen Bürozimmer mit einer guten Sekretärin.


tele: Woran arbeiten sie momentan? Wird es von Ihnen auch wieder ein Buch zur Zeitgeschichte geben oder einen Universum-Film?


Portisch (schmunzelt): Es gibt ja das journalistische Grundprinzip: Über noch nicht gelegte Eier redet man nicht. Ich werde ganz bestimmt wieder was schreiben. Meine Frau schreibt unentwegt. Sie schreibt jetzt wieder Kinderbücher unter ihrem Mädchennamen Traudi Reich, und sie arbeitet meistens an drei Büchern gleichzeitiig (lacht). Aber ich mach eines nach dem anderen. Natürlich überleg ich mir einiges. Es wird sicher wieder mal was Politisches geben, und auch etwas Erlebtes.

(Das Interview mit Hugo Portisch führte Franz Jellen)


Porträt
Dr. Hugo Portisch

Dem österreichischen Fernsehpublikum ist Dr. Hugo Portisch als Inbegriff des politischen Kommentators und Chronisten bekannt. Als ein Mann, der seit über 60 Jahren erfolgreich als Journalist und Buchautor tätig ist. Schon in den 1960er Jahren erlangte die österreichische TV-Ikone mit seiner populären "So sah ich ..."-Buchserie über die Grenzen Österreichs hinaus Berühmtheit. "So sah ich China" und "So sah ich Sibirien" wurden in Deutschland, den USA, Großbritannien, Spanien, Indien und Japan zu Weltbestsellern. Viele Bucherfolge setzte Hugo Portisch gemeinsam mit Sepp Riff für das Fernsehen um. Das Duo gestaltete auch die großen historischen TV-Serien „Österreich I“ und „Österreich II“, die die jüngere Geschichte Österreichs aufarbeiten. Der letzte große TV-Erfolg Hugo Portischs stammt aus dem Staatsvertrags-Jubiläumsjahr 2005. Die vierteilige ORF-Dokureihe "Die Zweite Republik - Eine unglaubliche Geschichte" zeigt Dokumente, die bei Portischs vorherigen Dokumentationen noch unter Verschluss anderer Staaten waren. Zusammen mit seiner Gattin, die unter dem Namen Traudi Reich vor allem als Kinderbuchautorin (8 Kinderbücher) bekannt ist, veröffentlichte Hugo Portisch schon 1996 den Bestseller „Pilze suchen – ein Vergnügen. Die besten Speisepilze und ihre Doppelgänger“ (Kremayr & Scheriau). Im Mai feiert das Paar, das bei „Stöckl am Samstag“ seinen ersten gemeinsamen Fernsehauftritt hat, seinen 60. Hochzeitstag.

Die Olive & wir
Von Traudi und Hugo Portisch

ecowin Verlag
224 Seiten
Preis: € 19,95
Erhältlich ab: 14. März 2009

 
 

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