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Interview mit Klausjürgen Wussow

Interview mit Klausjürgen Wussow
Veröffentlicht:
04.02.2002
Arzt, Seelsorger, Clown
Herr Wussow, Sie haben über zwanzig Jahre lang am Wiener Burgtheater gespielt, sind Ensemble-Mitglied auf Lebenszeit, jetzt nur noch Fernsehserien für den Wahl-Österreicher?
Klausjürgen Wussow:
Nein, auf keinen Fall. Ich bin und bleibe aus vollem Herzen Burg- und Kammerschauspieler. Habe auch die große Ehre, hier Professor geworden zu sein. Ich werde auch in Zukunft auf der Bühne stehen, vielleicht auch Lesungen halten. Aber mein enger Freund Carl Spiehs fordert mich für "Klinik unter Palmen", weiterhin spiele ich bei Episoden von "Girlfriends" oder auch "Ein Fall für Zwei" mit. Mit 72 ist eben noch lange nicht Schluss.

Stichwort Theater: Sie sind seit über 50 Jahren dabei, haben 1947 Ihre erste Rolle an der Schweriner Volksbühne erhalten. Wie sehen Sie die augenblickliche Entwicklung?
K.W.:
Sicherlich verfüge ich über ausreichende Bühnenerfahrung. Über 160 verschiedene Rollen in Berlin, Frankfurt, Zürich oder natürlich auch Wien haben meinen Weg geprägt. Vielleicht blicke ich deshalb mit etwas Sorge auf die Vorgänge beim Theater. Denn mir fehlt das Erzählen von eigenen Geschichten. Wir lassen uns zusehr von Amerika beeinflussen. Kaufen dort zuviel ein. Dies gilt im übrigen auch für das Fernsehen, wo ich immer mehr Mord und Totschlag entdecke. Die Menschen wollen doch nachdenken, lachen oder weinen. Aber mit Geschichten aus unserem Alltag.

Geschichten aus dem Alltag - dafür stand vor allem die "Schwarzwaldklinik", mit der Sie untrennbar verbunden sind...
K.W.:
Ja, dabei war meine Situation gar nicht so rosig, damals. Zum Zeitpunkt des Angebots, den "Dr. Brinkmann" zu spielen, hatte ich sonst wenig Aufträge. Und keiner konnte ahnen, wie erfolgreich diese Serie werden würde. Zumal ich eher zweite Wahl für die Hauptrolle war, denn Armin Mueller-Stahl hatte das Angebot von Herbert Lichtenfeld abgelehnt. Das war mein Glück.

Ob im Schwarzwald oder unter Palmen, immer wieder haben Sie den Heilkundigen in Weiß gespielt. Angeblich bekommen Sie heute noch Briefe, in denen Sie um ärztlichen Rat gebeten werden.
K.W.:
Das ist nur teilweise richtig. Durch meine Ärzterollen, es waren immerhin 5 bis 6, haben mich die Menschen zwar manchmal mit dem Mediziner verwechselt. Aber das waren Ausnahmen. Vielmehr habe ich Post von "Kollegen" bekommen, von Schwestern und Pflegern, die sich für eine menschlichere Medizin ausgesprochen haben. Anscheinend stelle ich die Situation des Mediziners dorthin, wo sie eigentlich hingehört. Auf den Platz: Bester Freund des Patienten. Frei nach Paracelsus. Zudem sind wir Schauspieler eigentlich eine Dreieinigkeit: Arzt, Seelsorger und Clown... insofern passt dieser Beruf noch immer ganz gut zu mir.

Die Medizin lässt Sie auch bei Ihrem ehrenamtlichen Engagement nicht los.
K.W.:
Das ist richtig. Ich habe verschiedene Schirmherrschaften übernommen. Meist für Organisationen, die sich mit der Behandlung schwerer Krankheiten auseinandersetzen. Mir liegen gerade die Kinder besonders am Herzen. Deshalb unterstütze ich Projekte, die sich mit Krebs, Mukoviszidose oder auch Neurodermitis bei Heranwachsenden befassen. Unterstütze auch alternative und homöopathische Methoden. Ich möchte Kinder einfach glücklich sehen.

1990 haben Sie mit "Leidensgenossen" die Organisation "Fair Press" gegründet, die sich für einen besseren Umgang zwischen Presse und Prominenz einsetzt. Zurzeit stehen Sie im Mittelpunkt einer Scheidungsschlacht, die teilweise an Niedrig-Niveau nicht zu unterbieten ist. Wochenlang prägen Details aus Ihrem Privatleben die Boulevardblätter. Leert Ihre getrennt lebende Frau den Schmutzkübel intimer Erlebnisse aus. Wie gehen Sie damit um?
K.W.:
Mir tut das sehr weh. Ich hatte Jahre zuvor eine schwierige Auseinandersetzung mit meiner damaligen Frau Ida Krottendorf. Ich habe damals sicher auch Fehlergemacht, für die ich heute Abbitte leisten muss. Gottseidank habe ich wieder Kontakt zu meinen Kindern Bärbel und Sascha, die aus dieser Ehe kommen. Aber, das was jetzt passiert, macht mich traurig, verletzt und ist einfach furchtbar. Wobei ich weniger Angst vor der Zerstörung des Klausjürgen Wussow habe, mir geht es einzig und allein um mein Kind Benjamin. Der Junge hat mir die Weihnachtsgeschenke zurückgesandt, er will mich nicht mehr sehen. Ich bin überzeugt, dass seine Mutter ihn gegen mich aufhetzt. Mit dieser Kampagne zerstört sie sich aber selbst. Aber ich muss eben auch einige Dinge richtig stellen, was mir nicht immer leicht fällt.

Anscheinend spielt Geld auch eine entscheidende Rolle...
K.W.:
Natürlich. Mir wird vorgeworfen, ich zahle zu wenig, nichts, kümmere mich nicht. Das ist einfach falsch. Ich habe in den letzten 17 Jahren über 6 Millionen Euro verdient. Davon ist nichts mehr übrig. Und Sie können mir glauben, das schafft niemand alleine. Aber jetzt sind die Forderungen von meiner getrennt lebenden Frau (5500 Euro monatlich) eindeutig zu hoch. Ich bin meiner Freundin Sabine Scholz (Ex-Frau von Boxer Bubi Scholz) dankbar, dass ich mit ihr wohnen kann, sie mich während dieser bösartigen, verhassten Attacken unterstützt. Denn Hass, das ist das Schlimmste, was es auf der Welt geben kann. Zum Glück erlebe ich täglich, dass mich Menschen mögen, mich in dieser Zeit unterstützen.

Schlammschlacht in der Presse, anstrengende Dreharbeiten in südlichen Ländern, der Karibik - Herr Wussow, Sie sind über 70 Jahre alt. Wo findet Ausgleich statt?
K.W.:
Zunächst einmal versuche ich, den Schmutz einfach nicht zu lesen. Ansonsten findet Erholung natürlich innerhalb der Familie statt. Während langer Spaziergänge oder bei einem gemeinsamen Treffen unter Freunden. Nebenbei habe ich zwei Gedichtbände veröffentlicht und Ausstellungen meiner Bilder gemacht. Schreiben und Malen tut mir da unheimlich gut. Als Lesestoff nutze ich zur Zeit ein Buch über Nietzsche, der ja als einziger Philosoph sehr angefeindet wurde. Völlig zu Unrecht, wie ich meine.

Das Jahr 2002 ist noch relativ jung. Oft bestimmen Wünsche und Erwartungen den Beginn eines Jahres. Was haben Sie sich für die nächste Zeit vorgenommen?
K.W.:
Ich habe hauptsächlich einen großen Wunsch: Gesund zu bleiben. Ich möchte nicht schon 2004 von der Bühne des Lebens abtreten. Schließlich habe ich noch viel vor. Ob bei Bühne oder Fernsehen. Vielleicht gelingt mir auch eine gemeinsame Vorstellung mit Sascha. Den ich ja Gottseidank wieder habe. "Vor Sonnenuntergang", das wäre wieder eine Herausforderung vor Publikum.

(09.02.2002)

Interviews

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Interviews, 04. Februar 2002
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