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Keine Ferienstimmung

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© ORF
Veröffentlicht:
18.07.2016
Sommergespräche 2016: tele-Interview mit ORF-Moderatorin Susanne Schnabl

Polit-Talk in turbulenten Zeiten: „Report“-Moderatorin Susanne Schnabl führt heuer erstmals die „Sommergespräche“ im ORF. Die gebürtige Kärntnerin führte zuletzt das ORF-Politmagazin „Report“ zu neuen Top-Quoten. Im tele-Interview verrät die 36-jährige Moderatorin, was sie an dieser Aufgabe reizt und wie sie die Gespräche mit den heimischen Spitzenpolitikern anlegen wird.

 

tele: Frau Schnabl, wie haben Sie auf die Entscheidung reagiert, dass Sie heuer die „Sommergespräche“ führen?

Susanne Schnabl: Wir haben natürlich zuhause den Familienrat einberufen, weil wir zwei kleine Kinder haben. Schlussendlich war die Entscheidung die, dass wir gesagt haben: Ja, heuer würde es passen! Wir haben 2016 ja auch politisch einen Sommer, der anders ist als frühere Sommer – auch das hat für mich den Ausschlag gegeben.

tele: Was heißt das konkret?

Schnabl: Wir haben so eine hohe Schlagzeilendichte, es gibt so viele Dinge, die gerade jetzt passieren. 2015 haben wir noch nicht gewusst, dass wir 2016 einen neuen Bundeskanzler haben, dass zum ersten Mal eine Bundespräsidentenwahl wiederholt werden muss, dass sich zum ersten Mal ein Mitglied aus der EU verabschiedet. Ich habe selten so spannende politische Zeiten erlebt wie diese, und das ändert auch die ganze Konzeption, die Herangehensweise an die „Sommergespräche“. Wir werden uns hinsetzten und über die großen Themen reden.

tele: Wie werden sie die Interviews führen: Eher offensiv oder zurückhaltend, werden Sie auch provozieren oder sich selbst eher zurücknehmen?

Schnabl: Es geht nicht darum, ob ich provokant auftrete oder nicht. Im Vordergrund stehen der Inhalt und die großen Fragen, und die liegen ja alle auf dem Tisch. Sei es, was die EU angeht, die Herausforderungen im Land, die Koalition, die Asylkrise, die Positionen zur EU. Es gibt fast jede Woche eine Wahnsinns-Schlagzeile, und aus dieser Dichte heraus schauen wir einmal, was hinter den Schlagzeilen steckt. Und wir wollen nicht nur wissen: Ist der Gesprächspartner dafür oder dagegen? Wir wollen wissen: Was steht dahinter, gibt’s da wirklich ein Konzept? Gibt’s da etwas Taugliches, das man sich in der Praxis vorstellen kann? Und dann geht es natürlich um das Weltbild, das daraus entspringt. Das ist ja von Partei zu Partei unterschiedlich. Der Rest ergibt sich aus dem Gespräch. Das kann man vorher nicht sagen, und das hängt auch von den Gesprächspartnern ab.

tele: Wie lenkt man die Gespräche so, dass sie nicht ausufern? Wie schränken Sie die Themenvielfalt ein?

Schnabl: Indem man sich auf die großen, wichtigen Fragen beschränkt. Was es diesmal leichter, andererseits aber auch schwerer macht. Natürlich geht es auch um die persönliche Note, die Gespräche werden sich auch um Fragen wie politische Verantwortung drehen. Es werden bestimmt keine „Sommergespräche““ mit Sommerloch-Charakter, „Orchideenthemen“ werden wir heuer sicher nicht diskutieren.

tele: Bereiten Sie sich auf die „Sommergespräche“ speziell vor?

Schnabl: Ich finde, man muss sich auf jedes Interview gut vorbereiten, egal, ob es 5 oder 50 Minuten dauert. Das ist einfach der Professionalität in diesem Job geschuldet. Aber natürlich sind die Herausforderungen bei diesem Format noch ganz andere. Das Positive ist: Ich bin nicht dem Zeitdruck unterworfen, in sechs bis acht Minuten ein Interview zu machen. Da kann man auch einmal einen Gedanken zu Ende denken – und einen zweiten, dritten anhängen. Das ist ganz wichtig, um in die Tiefe zu gehen, es handelt sich ja um komplexe Themen. Auf der anderen Seite geht’s natürlich auch darum, dass es 50 Minuten lang spannend bleibt. Und die Sommergespräche bieten auch die Möglichkeit, noch andere Dinge anzusprechen. Da geht’s ja nicht nur um Sachfragen, sondern um das große Ganze, wie Politik funktioniert, welche Person dahintersteckt und was die will.

 

Schabl Sommergespraeche 02tele: Die „Sommergespräche 2016“ werden live gesendet. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Schnabl: Eben weil es so spannende, turbulente Zeiten sind! Ein Live-Gespräch ist einfach anders. Aufgrund der Themenlage und der aktuellen Herausforderungen werden diese Gespräche auch im Studio stattfinden. Wir werden also nicht an einem See sitzen und über die großen Problemfelder sprechen, sondern wir werden das im Studio tun. Und zwar ganz reduziert, fokussiert auf das Gespräch.

tele: Kommt Ihnen bei diesen Gesprächen die Erfahrung aus der „Pressestunde“ zugute?

Schnabl: Im Report sind die Interviews fast ausschließlich live und dauern bis zu 8 Minuten. Aber es ist sicher eine andere Geschichte, wenn ich mit einem Gast 50 Minuten über die breiten Themenfelder reden kann. Da hilft natürlich die Erfahrung aus der „Pressestunde“. Außerdem ist es für jeden Interviewer ein Geschenk, keinem Zeitdruck unterworfen zu sein.

tele: Sie werden auch „schwierige“ Gesprächspartner wie Frank Stronach oder HC Strache zu Gast haben. Da sind ja auch schon Interviews aus dem Ruder gelaufen …

Schnabl: Wir haben beide schon im Studio gehabt, auch Frank Stronach schon zwei, drei Mal. Ich lasse mich da überraschen. Frank Stronach ist ja seit letztem Sommer, seit den „Sommergesprächen 2015“ nicht mehr in Österreich aufgetreten. Man ist aber auf solche Situationen vorbereitet, das macht es schon ein bisschen leichter. Wenn Kollegen solche Gäste zum ersten Mal im Studio haben, kann es schon passieren, dass man total baff ist.

tele: Fällt es Ihnen schwer in einem Interview objektiv und zurückhaltend zu bleiben, wenn das Gegenüber eine extreme Position vertritt?

Schnabl: Natürlich habe ich eine persönliche Meinung. Man kann auch nicht sagen, ich habe keine Meinung zu jemanden, das wäre ja gelogen. Aber das bin ich als Privatperson. Und es ist der Professionalität geschuldet, dass man das rausnimmt. Ich finde es auch nicht allzu schwer, das auszublenden. Das ist die Grundvoraussetzung diesen Beruf überhaupt auszuüben.

tele: Können Sie sich ihr Team für die „Sommergespräche“ selbst aussuchen?

Schnabl: Für mich als „Report“-Moderatorin ist es naheliegend, dass das „Report“-Team auch an den „Sommergesprächen“ mitarbeitet. Ich bin ja keine Ein-Frau-Show, die das im Alleingang macht.

tele: Der „Report“ hat sich ja zuletzt sehr gut entwickelt. Interessieren sich heute mehr Leute für politische Themen? Glauben Sie, dass es bei den Einschaltquoten noch Steigerungsmöglichkeiten gibt?

Schnabl: Das ist der berühmte Blick in die Glaskugel, und das halte ich für total unseriös. Ich kann mich erinnern, dass es noch vor drei, vier Jahren dieses Jammern über die Politikverdrossenheit der Menschen gegeben hat. Und dazu sage ich nur: Der „Report“ hat 2015 zwei Prozent Marktanteil dazugewonnen. Wir haben jetzt Zuschauerzahlen, die zeigen, dass da wirklich enormes Interesse vorhanden ist. Und das ist, glaube ich, der politischen Situation geschuldet. Magazine sind heute sehr erfolgreich, das gilt auch fürs „Weltjournal“ und ähnliche Sendungen. Und ich glaube nicht nur deshalb, weil den Leuten langweilig ist. Es gibt genug Konkurrenzprogramme um diese Uhrzeit, wir spielen ja im Hauptabend. Ich denke, dass die Leute einfach tiefergehende, einordnende Informationen wollen. Sie wollen mehr über Zusammenhänge wissen. Da gibt es ein Grundbedürfnis, nicht nur Schlagzeilen mitzubekommen –  die bekommt man ja ohnehin über Internet, Social Media, etc.

Infos:

Live-Talk mit Analyse in der „ZIB 2“

Live, im Studio und ohne Publikum führt Susanne Schnabl ab 25. 7.  die „Sommergespräche“. Den sommerlichen Polittalk gibt es – mit Unterbrechungen – seit 1981. Nach Peter Resetarits (2014) und Hans Bürger (2015) übernimmt nun „Report“-Moderatorin Susanne Schnabl die Gesprächsreihe mit den Vorsitzenden der sechs Parlamentsparteien. Anders als 2015 wird heuer wieder – ohne Publikum – live aus dem Studio gesendet. Die Analysen durch den Politologen Peter Filzmaier folgen in den anschließenden „ZIB 2“-Ausgaben.

Die Sendetermine in ORF 2 (jeweils 21.05 Uhr):

Mo., 25. Juli: Frank Stronach, Bundesparteiobmann Team Stronach

Mo., 1. August: Matthias Strolz, Vorsitzender NEOS – Das neue Österreich

Mo., 8. August: Eva Glawischnig, Bundessprecherin und Klubobfrau Die Grünen

Mo., 22. August: Heinz Christian Strache, Bundesparteiobmann und Klubobmann FPÖ

Mo., 29. August:  Reinhold Mitterlehner, Vizekanzler und Bundesparteiobmann ÖVP

Mo., 5. September: Christian Kern, Bundeskanzler und Parteivorsitzender SPÖ

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