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Das österreichische Fernsehmagazin

Wir sind die Nacht

Wir sind die Nacht
© Constantin
Starttermin:
28.10.2010
Veröffentlicht:
29.10.2010
Vampirinnen machen die Berliner Club-Szene unsicher. Und stellen damit sämtliche fluffig-glänzenden Teenie-Vampirchen in den Schatten.

Ein Privatjet kurz vorm Absturz: Alle Fluggäste hängen blutend und leblos in ihren Sitzen, der Pilot ist tot. Drei Frauen bewegen sich ungerührt dazwischen – sie packen im trudelnden Jet ihre Sachen, drehen der letzten lebenden Flugbegleiterin den Hals um und springen aus dem Notausgang im freien Fall auf Berlin.

Cut: Lena (Karoline Herfurth) ist 20 Jahre alt. Sie lebt von Trickdiebstahl und treibt sich ziellos auf den nächtlichen Straßen Berlins herum. Bei einem Bankomat-Klau bestiehlt sie unabsichtlich einen Schwerverbrecher und behindert damit einen Polizeieinsatz: Kommissar Tom Serner (Max Riemelt) verfolgt die hübsche Diebin, auf einer Brücke kommt es zu einem fast romantischen Wortgefecht. Doch kurz später hat Lena völlig andere Sorgen. In einem Untergrund-Club lernt sie Club-Chefin Louise (Nina Hoss) kennen. Die ältere Lebefrau steht auf sie, hat viel Geld, aber kein Spiegelbild. Und sie verspricht Lena ein Leben voller Abenteuer – an der Seite eines alterslosen Trios. Zu Louise gehören Charlotte (Jennifer Ulrich), in den 20ern als Stummfilmschauspielerin gescheitert und von Louise zu ewigem Leben gebissen, und Nora (Anna Fischer), durchgeknalltes Party-Girl und Djane auf einer ewigen Love-Parade. Wenn nur die Menschen, denen sie begegnen, nicht gar so schnell kaputtgehen würden. Das ewige Leben auf der Überholspur hat keine Schattenseiten: Drogen töten nicht, Sex macht nicht schwanger und Blut gibt’s immer im Kühlschrank der Hotel-Suite des Grand Hotels. Die Mädels feiern orgiastische Partys, cruisen mit ihren teuren Schlitten durch die Nacht und die edlen Outfits besorgen sie sich nachts im Kaufhaus.

Louise ist immer noch auf der Suche nach der ewigen Liebe, die letzte hat sich vor 100 Jahren am Strand von Nizza in Asche aufgelöst. Charlotte ist unglücklich, darüber kann auch die ewige Party nicht hinwegtäuschen. Ihre eigene Tochter muss sie im Altersheim besuchen. Und Lena muss erleben, dass auch der Lifestyle als aufgetusste Vampirin seine Schattenseiten hat, vor allem, wenn man sich in einen Polizisten verguckt hat und von einer eifersüchtigen, machtbesessenen Vampirin wie Eigentum bewacht wird.

Regisseur Dennis Gansel („Die Welle“) musste ewig auf die Finanzierung für sein Vampir-Filmprojekt warten – niemand wollte dran glauben, dass so was Leute ins Kino bringt. Nun waren es ausgerechnet die blutleeren Vampire aus der Twilight-Saga, die die Finanzierung seines rasanten Nachtflugs ermöglichten. Nina Hoss brilliert als ewiges Weib, die Sets sind beeindruckend – die Clubszenen im Schwimmbad, der Showdown am ehemaligen Spionage-Zentrum von Berlin – und die Story nach dem Roman von Wolfgang Hohlbein hat alles was es braucht: Sex, Gewalt, Angst, schicke Highheels und große Gefühle.

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