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Immer wieder sonntags …: Tatort

Immer wieder sonntags …: Tatort
© Das Erste
Veröffentlicht:
10.11.2016
Dauerbrenner, Kultmarke, Zuschauermagnet: Mit dem 1000. Film der Reihe schreibt der „Tatort“ erneut Fernsehgeschichte. Ein Phänomen im Schnelldurchlauf

Viele Fixsterne gibt es im schnel­lebigen TV-Geschäft nicht. Über die Jahrzehnte betrachtet kann man vielleicht Nachrichtensendungen wie die „Zeit im Bild“ in Österreich oder die „Tagesschau“ in Deutschland dazu zählen. Und dann wäre da noch eine Krimi-Reihe, die seit 1970 alles überdauert hat, was im Fernsehen schon als gut und wichtig gepriesen wurde.

Langlebig und kultig
Der „Tatort“ ist für viele Fans unverzichtbar, für viele Darsteller, Autoren und Regisseure der Ritterschlag im Krimi-Genre und alles in allem ein TV-Phänomen. Ein extrem langlebiges Format, das die ARD in der Presseaussendung zum 1000. Film der Reihe ein „mediales Lagerfeuer“ nennt, weil Jahr für Jahr knapp 50 Millionen Deutsche mindestens einen „Tatort“ sehen. Das Erfolgsrezept des Evergreens: Die Regionalität (es produzieren die deutschen dritten Programme bzw. der ORF und die SRG), vielschichtige Storys, die Mischung aus Krimispannung, sozialen Elementen, gesellschaftspolitischem Background und Humor.

Echte Typen
Und dann wären da natürlich noch die Kultfiguren, die der „Tatort“ hervorgebracht hat, allen voran Horst Schimanski mit seiner grünen Feldjacke, die man zeitweilig nur als als „Schimanski-Parka“ kannte. Durch Typen wie Schimanski, Stoever, Borowski oder zuletzt Jan Josef Liefers als Rechts­mediziner Boerne wurde der „Tatort“ zur Institution.

1000 Filme, 89 Kommissare
Bemerkenswert auch das Polizeiaufgebot, das über die Jahre im Einsatz war: Insgesamt 89 Ermittler (bzw. Ermittlerteams) wirkten bisher im „Tatort“ mit, wobei die Münchner Hauptkommissare Batic und Leitmayr (Miro Nemec und Udo Wachtveitl) mit 72 Einsätzen am häufigsten auf Verbrecherjagd gingen.

Ungebrochene Popularität
„Tatorte“ erreichen im ORF nach wie vor Top-Quoten, rund eine Mio. Zuschauer fiebern jeden Sonntag vor dem TV-Schirm mit. Der meistgesehene „Tatort“ ist hierzulande immer noch „Eine mörderische Rolle“ aus dem Jahr 1995 (1,21 Mio., 45 Prozent Marktanteil), eine Produktion des Hessischen Rundfunks. Bemerkenswert aber, dass der „Austro-Tatort“ der Gegenwart da gut mithalten kann. Die Episoden „Sternschnuppe“ (Februar 2016, 1,16 Mio.), „Paradies“ (August 2014, 1,08 Mio.) und „Grenzfall“ (März 2015, 1,03 Mio.) schafften es in die Top 10 der ORF-Charts. Wobei das Erfolgsduo Eisner und Fellner auch in Deutschland immer beliebter wird: „Grenzfall“ ist bei den Nachbarn mit 9,59 Mio. Sehern der bisherige Rekord-„Tatort“ aus Österreich.

Tatort: Österreich

Seit 17 Jahren ist Harald Krassnitzer in der Rolle des Moritz Eisner der „Mister Austro-Tatort“. Im April 2016 stand der Salzburger Publikumsliebling bereits für seinen 40. Fall („Wehrlos“) vor der Kamera. Mit Bibi Fellner (Adele Neuhauser) hat Eisner seit 2010 auch eine kongeniale Kollegin an seiner Seite, Neuhauser brachte es inzwischen bereits auf 13 „Tatort“-Einsätze.

Marek war früh dabei
Krassnitzer trat 1998 („Nie wieder Oper“) in die Fußstapfen von Fritz Eckhart, Kurt Jaggberg, Michael Janisch und Co. Eckhart, als Oberinspektor Marek berühmt geworden, ist heute noch eine Krimi-Legende (1971–1987, 14 Fälle), arbeitete in seinem ersten „Tatort“ („Mordverdacht“) mit Walter Richter, dem Kommissar der ersten Stunde („Taxi nach Leipzig“), zusammen.

Wechselnde Besetzung
Die Nachfolge trat Kurt Jaggberg (zuvor als Bezirksinspektor Wirz Mareks Assistent) in der neuen Rolle des Oberinspektor Hirth an, in den 1990ern brachte es nur Michael Janisch als Chefinspektor Fichtl zu starker „Tatort“-Präsenz. Auch Christoph Waltz wirkte übrigens in einer Folge („Wunschlos tot“, 1987) als Revierinspektor in einem „Tatort“ mit. Wie auch Klaus Wildbolz (ein Fall) und Wolfgang Hübsch (zwei Fälle).

Der „Tatort“ in Zahlen und Fakten

Tatort“-Erfinder Gunther Witte wurde u. a. mit dem Adolf-Grimme-Preis (2001) und dem Bambi (Ehrenpreis der Jury, 2013) ausgezeichnet.


• Die Idee zur Krimireihe stammt von Gunther Witte (81), der 1969 im Auftrag des WDR eine zunächst nur für zwei Jahre geplante Nachfolgeserie zu den „Stahlnetz“-Krimis der ARD ent­wickelte.

• Die längst dienende „Tatort“-Kommissarin ist Ulrike Folkerts (64 Fälle), seit 1989 ermittelt sie als Lena Odenthal für den SWR in Ludwigshafen.

• ARD-Zählung und österreichische Sonderfälle. Von 1985 bis 1989 wurden 13 „Tatort“-Filme ausschließlich für den ORF produziert. Diese Filme sind in der ARD-Statistik nicht enthalten.
• Tatort Kino. Nach zwei „Schimanski“-Kinofilmen („Zahn um Zahn“, 1985, und „Zabou“, 1987) versuchte sich auch Til Schweiger („Tschiller: Off Duty“, Februar 2016) auf der Kinoleinwand – und floppte fürchterlich.

• Immer höhere „Tatort“-Dichte. 31 Jahre dauerte es, bis der 500. „Tatort“ gesendet wurde, nur 14 Jahre bis zum 1000. „Tatort“.

• Tatort Schweiz. Nach einer längeren Pause (2001–2010) ist das Schweizer Fernsehen seit 2011 mit dem Ermittler-Duo Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Elisa „Liz“ Ritschard (Delia Mayer) aus Luzern wieder mit zwei Folgen jährlich mit an Bord.

• Millionenpublikum. Ein erfolgreicher „Tatort“ erreicht heute in Deutschland über 10 Mio. Zuschauer. In den ersten 20 Jahren der Reihe waren bedingt durch weniger TV-Senderkonkurrenz auch Reichweiten bis zu 25 Mio. und Marktanteile von ca. 75 Prozent keine Seltenheit.
• 21 Teams und ein neues Revier. Derzeit ermitteln nach dem Aus für Eva Mattes und den „Tatort: Konstanz“ (Okt. 2016) 21 Teams für die Reihe. Ab 2017 sind es wieder 22: Im neuen „Tatort Schwarzwald“ (Bild u.) wird Entertainer Harald Schmidt einen Kriminaloberrat spielen.

• „Tatort“ im Web. Tatort-Seite der ARD mit allen Fällen, Kommissaren und Infos zum 1000. Tatort: www.tatort.de

• Kostenlose „Tatort“-App. Seit Mai 2016 ist die Krimi-Reihe auch auf dem Smartphone und Tablet abrufbar.

 

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