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Interview mit "Kommissarin Lucas" Ulrike Kriener

Interview mit "Kommissarin Lucas" Ulrike Kriener

"Mit Mördern macht man keine Geschäfte"
Veröffentlicht:
30.05.2011
 
In ihrem 15. Fall steht Kommissarin Lucas vor einem großen, moralischen Konflikt im Zusammenhang mit Datenhehlerei und Steuerhinterziehung. Womit hadert sie genau?

Ellen Lucas geht es um die Frage, die gesellschaftlich diskutiert wurde, als der Bundesregierung vor einem Jahr eine CD mit Schweizer Bankdaten zum Kauf angeboten wurde: Darf man, um Steuerhinterzieher zu fassen, sich auf Geschäfte mit Betrügern einlassen? Dürfen rechtlich fragwürdige Methoden angewendet werden?

Ellen Lucas bezieht eindeutig Position?

Sie ist klar gegen den Deal, weil in diesem Fall eine Frau umgebracht wurde und die Behörden einen Kontrakt mit dem Mordverdächtigen eingehen. Aber mit Mördern macht man keine Geschäfte.

Wo stehen Sie persönlich bei diesem Konflikt?

Im Falle unseres Filmes ganz klar hinter Ellen Lucas' Position. Privat bin ich mir zwar des Konfliktes bewusst, der entsteht, wenn mit rechtlich fragwürdigen Methoden Steuerhinterzieher gestellt werden. Der wirtschaftliche Schaden, der der Gesellschaft durch Steuerhinterzieher zugefügt wird, ist aber so groß, dass ich für den Ankauf solcher Daten bin. Mir war bei unserem Film wichtig zu erkennen: Wir alle sind beim Thema Steuer korrumpierbar. Wie im Kleinen so im Großen. Das private Essen umfummeln zum Geschäftsessen, Zeitschriftenbeleg unter geschäftlichen Ausgaben abbuchen – bei beinahe jeder Privatausgabe wird doch geschaut, ob sie steuerlich absetzbar ist.

Nachdem Ellen Lucas in ihrem letzten Fall "Am Ende muss Glück sein" sehr empathisch und beinahe weich gezeigt wurde, erleben wir sie in "Gierig" wieder gewohnt ruppig bis zur Unhöflichkeit.

Die Lucas ist zurückgeführt worden auf das, was wir an ihr mochten: die Gereiztheit, die Bereitschaft zur moralischen Entrüstung und Aggression. Mir begegnen immer wieder Menschen, die mir sagen, sie mögen gerade die Wucht oder die Autorität dieser Figur, der man von vornherein zutraut, dass sie einen Laden führen kann, dass sie darum kompetent wirkt.

Reagieren Männer anders auf die Lucas als Frauen?

Frauen nehmen die Lucas so an, wie sie ist. Interessanterweise diskutieren nur Männer die Frage, ob sie zu hart ist. Die Lucas zeigt im Falle des Steuerfahnders ganz klar: "Wir arbeiten zwar an einem Fall, aber ich mag Dich nicht, und ich trau Dir nicht über den Weg. Du bist Steuerfahndung, ich bin Mordkommission, wir sind keine Kollegen."

War Herbert Knaup, der den Steuerfahnder spielt, ein guter Kollege?

Oh ja, das ging sehr gut. Ich würde gerne noch mal mit ihm spielen.

Ihr Zusammenspiel mit Anke Engelke hat immer einen ganz eigenen Ton. Woran liegt das?

Es besteht eine ureigene Verbindung zwischen Anke und mir, das zahnt immer ineinander, ohne große Absprache. Wir waren von An- fang an so etwas wie Schwestern im Geiste. Natürlich würde ich mir wünschen, dass sie noch viel öfter mitspielt, aber für alle an der Buchentwicklung Beteiligten ist es auch wichtig, das Mischungsverhältnis zwischen Krimi und privatem Umfeld stimmig auszuloten.

Gibt es nach mittlerweile 15 Folgen etwas, was Sie sich für Kommissarin Lucas wünschen? Einen Liebhaber vielleicht?

Vielleicht ist das genau das Potential von Ellen Lucas: ihre verdrängte Sexualität? Nein, im Ernst: Es gibt immer wieder Dinge, die ich mir wünschen würde. Natürlich fände ich es großartig, wenn sich Ellen Lucas verlieben würde. Aber dann bitte in einen verheirateten Mann: Das ist nicht nur spannender, sondern einfach auch eine realistische Ausgangsposition für Frauen meines Alters. Es laufen einfach nicht mehr viele attraktive Männer frei herum. Außerdem wäre meine arme Ellen dann wieder in einem ihrer großen moralischen Konflikte.

Aber Ellen Lucas wird sich weiter entwickeln?

Mit der gebotenen Vorsicht: Es ist nicht leicht, so eine Serie zu führen. Die Schwierigkeit besteht darin, Bewährtes zu bewahren und gleichzeitig immer offen zu sein für Neues. Das ist wie in einer Ehe. Man muss in Bewegung bleiben, man muss sich verändern und gleichzeitig immer wieder auch ein Bewusstsein haben für das, was das Besondere oder Spezifische dieser Beziehung ausmacht.
 
 

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