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Nirgendwo in Afrika

Nirgendwo in Afrika

Teaser:
Ist "Nirgendwo in Afrika" der bemitleidenswerte Versuch, das Kitschepos "Jenseits von Afrika" zu kopieren? Sicher nicht, die Oscar-Nominierung gibt es - so darf man hoffen - aus ganz anderen Gründen...

Veröffentlicht:
05.03.2003
 
Wir sehen graue Bilder, Bilder aus dem winterlichen Deutschland zu Anfang des Jahres 1938. Eine junge Frau und ihre kleine Tochter spielen im Schnee, der Himmel ist bedeckt und trostlos. Caroline Link, die Regisseurin von "Nirgendwo in Afrika", bestand nicht umsonst darauf, dass für diese Einstiegsszene Mistwetter herrschen sollte. Das eigentliche Unwetter kommt in Gestalt eines Jungen: Die Frau rutscht aus, der Bub bietet ihr Hilfe an, sein ausgestreckter Arm offenbart die Binde mit dem Hakenkreuz. Sie ist Jüdin.

Das graue "Panorama" wird immer wieder von Einblendungen eines Rad fahrenden Afrikaners unterbrochen. Geflasht würde man neudeutsch vielleicht sagen. Die Farben sind nicht grau, sondern warm, ja heiß. Interessant und gleichzeitig sehr fremd. Die Stimmung des gesamten Dramas wird gleich in den ersten Bildern eingefangen.

Jettel (Juliane Köhler), so der Name der jungen Jüdin, folgt ihrem Mann Walter (Merab Ninidze) nach Kenia, um dem Nazi-Terror zu entkommen. Eher widerwillig allerdings, denn außer Tochter Regina (Lea Kurka/Karoline Eckertz) kommt niemand aus der Familie mit. Jettels Unmut verstärkt sich in Kenia - die Tochter aus gutbürgerlichem Hause kann sich mit der neuen Situation, der Einöde auf der Farm, nicht anfreunden. Das Leben und ihre Ehe funktionieren nicht mehr so, wie es in den sorglosen Jahren der Fall war.

Lediglich Regina findet sofort ihren "Platz in Afrika". Der geduldige, kluge Koch Owuor (Sidede Onyulo) wird schnell ihr bester Freund. "Du sprichst schon wie ein Neger", sagt Süßkind, ebenfalls ein Flüchtling, gleich am Anfang zu ihr. Dieser für heutige Begriffe politisch völlig unkorrekte Satz darf in diesem Fall als uneingeschränktes Lob verstanden werden.

"Nirgendwo in Afrika" ist ein bewegendes Drama, bei dem der Nazi-Terror nur den Rahmen für mehrere persönliche Entwicklungsgeschichten liefert. Regina, die Tochter, überragend gespielt von den beiden Nachwuchshoffnungen Lea Kurka (beim Dreh neun Jahre alt) und Karoline Eckertz (beim Dreh zwölf), wächst in Kenia auf. Sie kann sich mit dem Kontinent als unvoreingenommenes Kind anfreunden, lernt blitzschnell Kisuaheli, weiß aber wenig von den schlimmen Ereignissen in der Heimat.

Jettel, die verwöhnte Tochter aus gutem Hause, weigert sich anfangs, die Sprache der Einheimischen zu sprechen: "Wenn du mit mir reden willst, musst du schon Deutsch lernen!" Ihr Mann Walter erkennt die Gefahr in Deutschland frühzeitig, doch seine Frau und sogar sich selbst begreift er nicht.

Caroline Link ("Jenseits der Stille", 1996) adaptierte den autobiografischen Roman von Stefanie Zweig und schuf einen beeindruckenden Film. Die Special Edition als Doppel-DVD versorgt den Zuschauer mit Unmengen an Bonus-Material. Wer beide Silberlinge gründlich abgrasen will, sollte auf jeden Fall einen kompletten Samstagabend einplanen. Lediglich der Beitrag "Magical Kenya" wirkt ordentlich deplatziert, weil er nichts anderes als eine Reise-Werbebroschüre in bewegten Bildern ist. Das passt so gar nicht zum Niveau der anderen 99,9 % DVD-Ereignis.

"Nirgendwo in Afrika" ist erschienen bei mcone
 
 

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