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Raus aus Åmål

Raus aus Åmål
Teaser:
Åmål ist ein Nest in Schweden, und wer schon einmal in Skandinavien war, der weiß, dass es Jugendliche auf Grund der oftmals großen Entfernungen zwischen den Städten noch viel schwerer haben, dem vermeintlichen Alltagstrott zu entkommen als z.B. deutsche Altersgenossen.
Veröffentlicht:
14.08.2001
Fucking Åmål
Die 14-jährige, äußerst frühreife Erin ist von der idyllischen Langeweile am meisten genervt, sie will unbedingt "Raus aus Åmål". In der Zwischenzeit gibt sie sich - nicht ganz unberechtigt - ganz als Schuldiva, "Männer" mordende Zicke und zukünftiger Filmstar.
Die stille Agnes hat ganz andere Probleme: Sie ist mit ihrer Familie vor knapp zwei Jahren in das Kaff gezogen und die krasse Außenseiterin der Schule. Niemand kann sie leiden, sodass ihre Geburtstagsparty (sie wird 16) in einer Katastrophe endet: Niemand kommt!
Okay, nicht ganz niemand: Zu später Stunde taucht Erin mit ihrer größeren Schwester auf - allerdings nur, um den Alkoholvorrat der Familie zu dezimieren. Doch Erin ist anders, sie hat ein Gewissen. Und nicht nur das...

"Raus aus Åmål", der kleine Film aus Schweden, ist ein ganz großer. Die Geschichte der beiden Mädchen Erin und Agnes, die auch schon vor ihrer Liebe zueinander nicht zu den Normalos passten, ist absolut liebenswert, boshaft, keck und traurig zugleich.
Während in "American Beauty" die Gesellschaftskritik durch das Aufbegehren des durchgeknallten Lester Burnham vollzogen wird, schaffen es hier zwei Teenies, dargestellt von Alexandra Dahlström und Rebecca Liljeberg, mit ihrer Flucht nach vorne, die Engstirnigkeit und Oberflächlichkeit ihrer Umgebung bloßzustellen. Åmål ist näher als man glaubt, und die stichelnden Schulkameraden stecken oft genug in uns selbst. Die Bezeichnung Komödie lasse ich nur deshalb durchgehen, weil vor allem Erin oft ihr Umfeld mit Verbalattacken, die den Zuschauer von der Couch hauen, straft. Und natürlich weil der Schluss so schön ist. Ein prima Regiedebüt von Lukas Moodysson!

Die Bonus-Features der DVD sind dagegen etwas mager ausgefallen: Es sind lediglich die Kurzbiografien der beiden Hauptdarstellerinnen und die des Regisseurs berücksichtigt, man bekommt keine audio-visuellen Eindrücke der Dreharbeiten oder Statements der Beteiligten. Selbst das Interview mit Lukas Moodysson ist nur als Text vorhanden. Wer möchte schon ein eBook, wenn er an die Bonus-Features einer DVD denkt? Deshalb, aber nur deshalb, gibt es nicht ganz die Höchstwertung.

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