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Do, 27.01.2022 | 10:05-11:00 | Ö1

Ausgewählt

Radio, Ö 2022

Mit Franz Schubert, dem Wanderer, durchs Salzkammergut und über Weinberge, aber auch durch Metternichs Polizeistaat, für den der Winter eine treffende Metapher ist. Das Lebensgefühl dieser postnapoleonischen Zeit in der neuen europäischen Ordnung nach dem Wiener Kongress muss ein äußerst beklemmendes gewesen sein. Es herrschten Repression, Kontrolle und Zensur bis in die privatesten Nischen des Lebens, erst recht in Kunst und Kultur, eine Atmosphäre permanenter Spannung und Misstrauens, sowie konstanter unterschwelliger, diffuser Bedrohung. Wie kein anderer Komponist reflektiert Schubert diesen politisch-gesellschaftlichen Winter in seinen Werken und findet bleibende Bilder dafür wie den Wanderer, der die Illusion des Biedermeiers vollends zerstört, denn: "Dort, wo du nicht bist, ist das Glück". Der Text seines Lieds "Der Wanderer" stammt vom königlichen Justizrat, Bankdirektor, Arzt und Lyriker Schmidt von Lübeck, der sein Gedicht "Des Fremdlings Abendlied" genannt hatte. Als Schubert es vertonte betitelte er es zunächst so, wie wir es auch heute kennen "Der Wanderer". Die Original-Handschrift von 1816 schenkte Schubert dem Grafen Esterházy, offenbar auch als Botschaft, denn er änderte den Titel: "Der Wanderer oder: Der Fremdling oder: Der Unglückliche".

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10.61.5.115