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Di, 23.11.2021 | 17:55-18:00 | Ö1

Betrifft: Geschichte

Radio

Frauen haben "früher" keine nennenswerte Erwerbsarbeit geleistet – dies ist eine verbreitete Sichtweise, die von der historischen Ausnahmesituation der Wirtschaftswunderjahre der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgeht. Doch entsprach es in den vergangenen Jahrhunderten keineswegs der Norm, dass die Frau "nur" Zuhause tätig war und allein der Mann erwerbstätig. Beide Geschlechter verrichteten ihre Arbeit in einer Vielfalt von Bereichen: in Fabriken, in Betrieben, die mit dem eigenen Haushalt verbunden waren, in fremden Haushalten, aber auch in Ämtern und Büros. Doch wurden und werden Arbeiten und Verantwortlichkeiten damals wie auch heute noch nach sozialer Schicht und Geschlecht zugewiesen. "Die Geschlechtsspezifik der Teilungen von Arbeiten, Zuständigkeiten und Ver- antwortlichkeiten ist bis heute ein grundlegendes, zur Struktur verfestigtes Element des Ordnens gesellschaftlicher Verhältnisse." (Karin Hausen) Im 19. Jahrhundert kam es zu einer Einengung des Arbeitsbegriffs auf marktorientierte Erwerbsarbeit, von der wiederum die Ansprüche auf sozialrechtliche Leistungen abhängig gemacht wurden. Die Grenzziehung zwischen unbezahlter Familien- und Hausarbeit und bezahlter, "richtiger" Arbeit verstärkte die systematische Abwertung der Arbeit der Frauen. Die Sendung vermittelt Einblicke in die historische Entwicklung von Geschlechterordnungen und Arbeitsteilung mit Schwerpunkten auf der Frauenerbstätigkeit in der frühen Neuzeit, der Aufteilung der sozialen Sphäre in Privat und Öffentlich in bürgerlichen Schichten im 19. Jahrhunderts, Arbeit und Geschlecht im Nationalsozialismus, das männlich geprägte "Normalarbeitsverhältnis" der 1960-1970er Jahre bis zu den aktuellen Debatten über den Gender-Pay-Gap.

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10.61.5.114