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Fr, 15.10.2021 | 11:30-11:57 | Ö1

Des Cis

Radio

Joseph Haydn gilt als Vater des klassischen Streichquartetts. Über 60 Werke hat er für dieses Genre bereits geschrieben als er 1799 mit einem Zyklus von sechs Quartetten für Fürst Lobkowitz beginnt. Die "Schöpfung" und andere Aufgaben verhindern die Fertigstellung, nur 2,5 der Streichquartette werden vollendet (Op. 77 op. 103). Kühn und voller Esprit bilden sie ein Abschiedsgeschenk des Komponisten an die Welt und einen Höhepunkt der Wiener Klassik. Generell ist die aktuelle CD als bittersüßer Schwanengesang zu lesen, denn Anfang des Jahres eröffnete das Pra?ák Quartett seine (angeblich) letzte Spielzeit. Begonnen hat die geschichtsträchtige Karriere in den 1970er Jahren am Prager Konservatorium, als letztes verbleibendes Gründungsmitglied ist nur noch der Bratschist Josef Kluson mit dabei. Für die Musik von Haydn erhebt sich das Pra?ák Quartett aber noch einmal zu voller Größe: virtuos und vielseitig, enorm diszipliniert und technisch perfekt nähern sich die Musiker/innen den letzten Werken des Klassikers. Lebendig, farbenfroh und ausdrucksstark beweisen sie eine perfekt dosierte Klangmischung, balancieren geschickt zwischen Understatement und Überschwang. Und wer weiß: vielleicht dauert der Abschied doch länger?! Die Daumen sind jedenfalls gedrückt ...

10.61.5.114