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Fr, 15.10.2021 | 11:05-11:25 | Ö1

Radiogeschichten Spezial

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Die 1931 in Wien geborene Ruth Klüger, die als Kind die NS-Konzentrationslager überlebt hat und 1947 in die USA emigrierte, war eine der bedeutendsten Germanistinnen ihrer Generation. Von 1966 bis 1992 unterrichtete sie als Professorin an mehreren Universitäten, zuletzt an der University of California in Irvine. Dort, in Irvine, starb sie 2020. Ruth Klügers umfangreiches wissenschaftliches Werk umspannt die deutschsprachige Literatur von Mittelalter und Renaissance bis zur Gegenwart, mit Ausblicken auf amerikanische, englische und französische Traditionen. In den 1970er-Jahren gab sie in der amerikanischen Germanistik entscheidende Anstöße zur Entwicklung der feministischen Literaturwissenschaft und zur Erforschung der Darstellung von Juden in der deutschen Literatur. Viele ihrer Aufsätze stehen im Zeichen dieser Doppelperspektive. Die Subtilität ihrer Deutungen kanonischer Texte (von Wolfram von Eschenbach über Lessing, Stifter, Heine, Schnitzler bis hin zu Ingeborg Bachmann) hat nichts von ihrer Anregungskraft eingebüßt. Ohne die Differenz zwischen fiktionalen und faktualen Texten zu verwischen, liest sie Literatur doch stets im Hinblick auf das soziale Verhalten von Menschen, auf Macht und ethische Normen. Der soeben erschienene Band "Wer rechnet schon mit Lesern?" versammelt bislang unpublizierte oder nur entlegen veröffentlichte Aufsätze. Die englischen Beiträge wurden bewusst in der Originalsprache belassen, um die Zweisprachigkeit ihres Werks zu dokumentieren.

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