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Do, 14.10.2021 | 11:30-11:57 | Ö1

Des Cis

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"Musicalische Academie 1855" – der Titel der CD macht neugierig. Alle Kompositionen hätten 1855 in einem Konzert des 1818 gegründeten Innsbrucker Musikvereins gespielt werden können. Die Abfolge der Werke ist typischen Konzertabenden der Zeit nachempfunden. Wir begegnen Komponisten, die einst über die Grenzen bekannt waren, heute aber, vielleicht mit Ausnahme von Johann Rufinatscha, wenigen bekannt sein werden. Gemeinsam ist ihnen ihr Bezug zu Tirol. Nur zwei, Josef Netzer und Rufinatscha, waren gebürtige Tiroler, und nur eines der vertretenen Werke wurde tatsächlich 1855 in einem Musikvereinskonzert aufgeführt. Die Südtiroler Sopranistin Stefanie Steger weiß mit fast aberwitzig virtuosen Konzertarien zu verblüffen. Wie auf den fast 40 Vorgänger-CDs überzeugen die Mitglieder des Orchesters der Akademie St. Blasius unter Karlheinz Siessl solistisch wie im Ensemble mit diesen reizvollen Raritäten. Die CD vermittelt zudem eine Konzerterfahrung, wie sie im heutigen Musikbetrieb eher unüblich geworden ist. Franz Gratl, dem Kustos der Musiksammlung im Landesmuseum Ferdinandeum, ist nicht nur die Hebung dieser Erstaufnahmen zu danken, sondern auch das mustergültig gestaltete CD-Beiheft. Es informiert über das Umfeld der Komponisten und der Werke, ohne den Eindruck aufkommen zu lassen, alle Kompositionen seien schnöde vernachlässigte Meisterwerke. Ein Sonderkompliment gilt Peter Golser. Als für Tontechnik und Aufnahmeleitung Verantwortlicher bringt er die Weite des Raumklangs der Stiftsbasilika Stams in unsere Wohnzimmer (oder Kopfhörer).

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