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Do, 14.10.2021 | 16:05-16:40 | Ö1

Medizin und Gesundheit

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"Es ist ein echter Übergang – am Ende bin ich eine andere", sagt Harriet Vrana, Psychotherapeutin bei FEM. Sie spricht lieber von "Wechseljahren" als von "Menopause" und bezeichnet diese Zeit im Leben jeder Frau, also etwa der Hälfte der Weltbevölkerung, als ein viel zu wenig reflektiertes Phänomen. Denn etwa ab Mitte vierzig beginnt die Funktion der Eierstöcke nachzulassen, allmählich verändert sich das Zusammenspiel der Hormone. Der weibliche Körper produziert weniger Östrogene (vor allem Estradiol), Androgene (männliche Geschlechtshormone) und Gelbkörperhormone. Eine der Folgen ist, dass die monatlichen Blutungen unregelmäßig werden und schließlich ganz ausbleiben. Die letzte Regelblutung wird "Menopause" genannt. Das ist irreführend, denn von "Pause" ist keine Rede: es ist ein Schlusspunkt. Vorteile sind: Keine Gedanken mehr an Verhütung, keine Menstruationsbeschwerden mehr. Doch die hormonelle Umstellung kann Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Gelenksschmerzen, Trockenheit der Schleimhäute und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auslösen. Acht von zehn Frauen erleben in den Wechseljahren Beschwerden; etwa ein Drittel hat schwere Symptome, die die Lebensqualität und die Funktionsfähigkeit im Beruf und Alltag stark einschränken. Neben physischen kommt es aber auch zu psychischen Phänomenen mit erhöhter Stimmungslabilität und Reizbarkeit, Nervosität und depressiver Verstimmung. Auch schwere Depressionen und sogar Psychosen können in dieser Zeit vermehrt auftreten. "Es ist auch eine Leistung, diesen Übergang zu schaffen!", sagt die Vorständin der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe des Wilhelminenspitals in Wien, Barbara Maier. Viele der physischen Beschwerden seien behandelbar, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen essentiell und die psychische Grundeinstellung sei auch in diesem Lebensabschnitt besonders wichtig. "Jetzt haben wir ein paar Falten und keine Regel mehr – na und? Wir sind immer noch attraktiv", meint Maier und kämpft gegen das Vorurteil, "dass Frauen in der Postmenopause für nichts mehr zu gebrauchen seien". Lebensfreude und eine positive Lebensbilanz, aber auch die Selbstverständlichkeit, sich professionelle Hilfe bei physischen sowie psychischen Beschwerden zu holen – das sind neben den medizinischen Fakten jene Inhalte, die beiden Expertinnen den Hörer*innen vermitteln möchten. Moderation: Univ.-Prof.in Dr.in Karin Gutiérrez-Lobos Sendungsvorbereitung: Mag.a Dr.in Maria Harmer Redaktion: Dr. Christoph Leprich und Mag.a Nora Kirchschlager.

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