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Sa, 02.10.2021 | 11:45-12:15 | MDR

Echt

Der Coup von Gotha
Reportagereihe, D 2020

Es ist die Sensation des Jahres: Die Bilder aus dem größten Kunstraub der DDR sind wieder aufgetaucht. Nach Monaten intensiver Geheimverhandlungen steht Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch vor fünf alten Gemälden und kann sein Glück kaum fassen: "Das hat ja niemand mehr erwartet, Generationen sind darüber gestorben, die das nicht mehr erleben konnten. Da werden einem die Knie weich, da flennst du eigentlich." Der Coup von Gotha – wie konnte er gelingen? Wie ist es möglich, dass die fünf Alten Meister bald wieder auf Schloss Friedenstein in Gotha zu bestaunen sind? "Echt" schaut hinter die Kulissen des spektakulären Falls und rekonstruiert die Geheimverhandlungen. Die Geschichte beginnt am 14. Dezember 1979. In der Nacht ist alles perfekt für die Diebe. Sie kommen über das Abflussrohr und klettern senkrecht nach oben. Offenbar wissen die Täter: Die Alarmanlage ist nicht scharf gestellt. Sie entwenden fünf Gemälde, die später auf 50 Millionen Mark taxiert werden. Dem größten Kunstraub der DDR folgt eine beispiellose Ermittlung von Polizei und Stasi – Ein Trauma für die Thüringische Kleinstadt, bis heute. Fast 1.000 Menschen werden befragt. Sechs Jahre nach dem Kunstraub schließen sich in Gotha auch die Stasi-Akten. Der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt. Doch dann: im Juni 2018 klingelt im Rathaus von Gotha das Telefon. Ein Gespräch für den Oberbürgermeister. Ein dubioser Anwalt meldet sich. Seine Mandanten wären im Besitz der Bilder. Für 5,25 Millionen Euro kann sie die Stadt und die Stiftung Friedenstein zurückhaben. Knut Kreuch ist sofort klar: "Wir haben dazu kein Geld. Deswegen habe ich gesagt, ich brauche die Ernst-von-Siemens Kunststiftung, – die hat uns schon oft geholfen." Und tatsächlich: Dr. Martin Hoernes, Generaldirektor der Stiftung steigt mit ein in die Geheimverhandlungen: "Es ging nicht nur um viel Geld, es ging auch darum, Diskretion zu halten, mit verschiedenen Partnern zu jonglieren." Am 20. September 2019 kommt es zur Übergabe der Bilder im ältesten Forschungslabor für Kunstgegenstände – dem Rathgen Labor in Berlin. "Echt" hat rekonstruiert, was dann geschehen ist. Mit am Tisch: Oberbürgermeister Knut Kreuch, Dr. Martin Hoernes sowie der Rechtsanwalt und Einlieferer der Erbengemeinschaft – außerdem: ein verdeckter Ermittler des Landeskriminalamtes. "Wir wussten nicht mit wem wir es zu tun haben, ob hier gewiefte Berufsverbrecher auf uns zukommen, Bandenkriminalität oder normale Leute", so Dr.Hoernes. Auch Knut Kreuch kann sich noch an jede Sekunde der Bildübergabe erinnern: "Kommen die bewaffnet dahin und ich werde dann als Geisel genommen? Mir war klar: Hier ist ein großes Ding am Laufen." "Echt" zeigt, wie es dem Berliner Rathgen Labor in einem detektivischen Puzzle gelingt, die Echtheit der fünf Gemälde von Gotha nachzuweisen. Noch sind viele Fragen offen: Wer steckt hinter dem Diebstahl von 1979? War es ein Auftragsdiebstahl aus dem Westen? Steckt etwa Alexander Schalck-Golodkowskis "KoKo" hinter dem Raub oder war die Stasi selbst in den Kunstdiebstahl verwickelt und die Ermittlungen nach dem Raubzug nur ein einziges Schauspiel? Ein Spiel im Spiel? "Echt" hat die neusten Erkenntnisse zum Fall recherchiert. Eins steht fest: Der Coup von Gotha wurde nur möglich durch die Diplomatie und das Verhandlungsgeschick von Oberbürgermeister Knut Kreuch.

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