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Detailbild Für immer jung
Sa, 02.10.2021 | 08:00-08:45 | SWR

Für immer jung

Machen Forscher einen Menschheitstraum wahr?

"Der Tod ist mein Feind", sagt Steve Horvath. Er weiß, wovon er spricht. Denn der Wissenschaftler hat eine bahnbrechende Entdeckung gemacht: Die sogenannte 'Horvathsche Lebensuhr', die in jeder Körperzelle tickt. Ein Algorithmus, der das biologische Alter mit atemberaubender Genauigkeit anzeigt. Und nicht nur das: Läuft die Uhr langsamer, leben wir länger, hat Horvath herausgefunden. Können wir diese Uhr verstellen? "Ja, ganz klar! Die Hoffnung ist, dass wir bald Medikamente haben, die das Alter zurückschrauben können", sagt er. Wie nahe der deutsche Epigenetiker, der seit 30 Jahren in Kalifornien forscht, dem Menschheitstraum von der ewigen Jugend bereits gekommen ist, zeigt ein Experiment in der Nähe von Los Angeles: Der Proband Paul Hynek spritzte sich über mehrere Monate einen Wirkstoffcocktail, der sein Immunsystem regenerieren sollte. Horvath hat nachgemessen und konnte es selbst kaum glauben: "Er ist zwei Jahre jünger geworden, nur in ein paar Monaten!". Die erste Verjüngung eines Menschen – eine wissenschaftliche Sensation. NDR-Autorin Tina Soliman begleitete Horvath zwei Jahre lang mit der Kamera. Dabei traf sie in Kalifornien Forscher*innen wie Shelley Buffenstein. Sie arbeitet für den Internet-Giganten Google, der Milliarden Dollar investiert, um das Altern zu stoppen. Oder Tony Whyss-Corey, der alters-schwache Mäuse erfolgreich verjüngt hat. Sein Ziel: Alzheimer zu heilen. Doch die Doku geht nicht nur der Frage nach, ob Menschen künftig 150 oder sogar 500 Jahre alt werden können. Gefragt wird auch, ob das überhaupt erstrebenswert ist. Deutsche Altersforscher*innen befürchten nicht nur gefährliche Nebenwirkungen bei den kalifornischen Verjüngungsexperimenten. Sie halten es für ethisch bedenklich, das Alter als Krankheit zu definieren und damit Gesunde zu Patientinnen und Patienten – und letztlich auch zu Kundinnen und Kunden – zu erklären. Außerdem müsse man sich die ewige Jugend leisten können. Persönlich und gesellschaftlich, angesichts begrenzter Ressourcen auf der Erde. "Ein Mensch sollte frei sein, so lange zu leben, wie er möchte", findet dagegen Steve Horvath. Damit stößt er sogar in seiner eigenen Familie auf Widerspruch: "Die Menschen werden wertvoller mit dem Alter. Aber Steve hat eine andere Perspektive: Er will in erster Linie immer den Körper erhalten", sagt sein Zwillingsbruder. Am Schluss der Doku verkündet Steve Horvath auf einer Strand-Party am Pazifik die Antwort auf eine persönliche Frage: Wie alt sind er und sein eineiiger Zwillingsbruder Markus wirklich?

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