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Detailbild Zucker – Die süße Droge
Mi, 12.05.2021 | 20:15-21:05 | 3sat

Zucker – Die süße Droge

Dokureihe, CH 2020

Vier von zehn Schweizern sind übergewichtig. Daran ist auch der hohe Zuckerkonsum schuld. In fast allen Lebensmitteln ist Zucker – selbst in denen, in denen man es nicht vermutet. "Zucker macht süchtig, denn Zucker aktiviert im Hirn die gleichen Rezeptoren wie andere Drogen", sagt die Basler Ärztin Bettina Wölnerhanssen. Darum sei es auch so schwierig, den eigenen Zuckerkonsum zu reduzieren. Eine Familie aus dem Aargau hat es versucht. Die Rechsteiners aus Döttingen sind der süßen Verführung nicht abgeneigt. Nun wollen die Eltern und ihre drei Kinder im Teenageralter herausfinden, was der Zuckerkonsum bei ihnen bewirkt: Alle fünf Familienmitglieder wollen einen ganzen Monat lang auf Lebensmittel mit zugefügtem Zucker verzichten. Das ist einfacher gesagt als getan. Denn in vier von fünf Lebensmitteln versteckt sich zugefügter Zucker. Selbst in solchen, die gar nicht besonders süß schmecken. In der Schweiz ist jedes sechste Kind zu dick. Eine halbe Million Schweizerinnen und Schweizer leiden an Diabetes. Vielen Menschen ist zu wenig bewusst, dass sie Zucker aus gesundheitlichen Überlegungen meiden oder nur in geringen Mengen konsumieren sollten. Eine staatlich verordnete Zuckerreduktion stößt auf wenig Akzeptanz: 2019 wurde die Einführung einer Zuckersteuer von den eidgenössischen Räten abgelehnt. In England hingegen hat man das Problem erkannt und reagiert. Mit der Einführung einer happigen Zuckersteuer konnte dort der Zuckergehalt in Süßgetränken massiv gesenkt werden. Heute enthält beispielsweise eine Orangenlimonade in London nur noch halb so viel Zucker wie eine Limonade derselben Marke in Zürich oder Genf. Erwachsenen Menschen empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO nicht mehr als 50 Gramm Zucker pro Tag. Für Kinder die Hälfte. Die Schweiz ist mit der doppelten Zuckermenge alarmierend weit von den WHO-Richtwerten entfernt. Die Politik macht wenig Druck auf die Nahrungsmittelproduzenten. Sie setzt auf die Eigenverantwortung der Konsumentinnen und Konsumenten. Wie schwierig das ist, musste auch Familie Rechsteiner feststellen.

Originaltitel:
DOK
10.61.5.115