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Mi, 12.05.2021 | 19:30-21:00 | Ö1

Alte Musik – neu interpretiert

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Vor genau dreihundert Jahren ist von Pietro Locatelli (1695-1764) das Opus 1 mit zwölf Concerti grossi in Amsterdam im Druck erschienen. In den folgenden Jahren bereiste er Italien und Deutschland – wir wissen von Stationen in Mantua, Venedig, München, Dresden, Berlin, Frankfurt am Main und Kassel. 1725 nannte ihn Landgraf Philipp von Hessen-Darmstadt, der Regent von Mantua "nostro virtuoso"; in München wird er als "der fremde Virtuos Locatelli" beschrieben. Auf sein 1721 erschienenes Opus 1 folgen weitere Veröffentlichungen. Besonders Locatellis Opus 3, das den Titel "L'arte del violino"/"Die Kunst der Violine" trägt, weist ihn als Pionier der Geigentechnik seiner Zeit aus. Die Sammlung mit 12 Violinkonzerten und 24 Capricii vergrößerte Locatellis Ruhm als maßstabsetzender Virtuose. Ebenfalls 1721 ist das Opus 1 von Francesco Maria Veracini (1690-1768) erschienen – zwölf Sonaten für Violine und Generalbass. Schon als junger Mann machte der in Florenz geborene Veracini in Venedig Karriere; 1711 war er Solist bei Weihnachtsmessen im Markusdom, 1712 spielte er ein selbstkomponiertes Violinkonzert im Rahmen der Krönungsfeierlichkeiten zu Ehren des neugekrönten Kaisers Karl VI. Seine Karriere setzte er später in Deutschland und England fort: er zählte zu den Bekannten Georg Friedrich Händels. Laut Legende hörte der Dritte im Bunde unserer Geigenmeister den jungen Veracini in Venedig spielen – die Rede ist von Giuseppe Tartini (1782-1840), dem wahrscheinlich bekanntesten der drei Virtuosen. Unter dem Eindruck von Veracinis Können – und geplagt mit Unzufriedenheit über seine eigenen Fähigkeiten – soll sich Tartini in die Stadt Ancona in Klausur begeben haben, um fern der Verpflichtungen in Venedig seine Bogentechnik zu perfektionieren. Unsere Sendung präsentiert Werke dieser drei Berühmtheiten der Violine für unterschiedliche Besetzungen. Auch wird es einen Ausflug ins 19. Jahrhundert geben: Wieviel hat Niccolò Paganini (1782-1840), der meistgefeierte Violinvirtuose seiner Epoche, von seinen Vorgängern im 18. Jahrhundert eigentlich abgeschaut?

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