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Detailbild Borromini, Genie des römischen Barock
Mi, 05.05.2021 | 21:45-22:40 | ARTE

Borromini, Genie des römischen Barock

Porträt, I 2019

Rom ist die Wiege des Barock und Francesco Borromini einer der herausragensten Wegbereiter dieser Kunstform der Gegenreformation, die in ihrer prachtvollen Üppigkeit von Italien ganz Europa beeinflusste. Borrominis meisterhafte Kirchen und Paläste prägen bis heute die Silhouette der Ewigen Stadt: die Kirchen Sant'Ivo alla Sapienza, San Carlo alle Quattro Fontane, Sant'Agnese in Agone an der Piazza Navona, San Giovanni in Laterano – eine der fünf Papstbasiliken Roms -, der Palazzo Barberini, der Palazzo Spada, um nur die wichtigsten zu nennen. Entlang dieser architektonischen Meisterwerke, mit denen Borromini das Stadtbild Roms im 17. Jahrhundert revolutionierte, veranschaulicht die Dokumentation nicht nur die architektonischen Neuerungen und Wagnisse dieser Baukunst, sondern erzählt auch von der alles determinierenden künstlerischen Rivalität zwischen Borromini und seinem ebenfalls genialen Widersacher Gian Lorenzo Bernini. Beide arbeiteten zunächst in der Dombauhütte des Petersdoms, wo sie gemeinsam den 29 Meter hohen Baldachin aus Bronze über dem Petrusgrab errichteten. Später wurden sie im Kampf um Bauaufträge zu erbitterten Konkurrenten bis hin zu nächtlichen Sabotageakten an der gegnerischen Bausstelle und rufschädigenden Gerüchten. Denn beide Ausnahmekünstler waren bei aller Genialität abhängig von der Gunst des jeweiligen Papstes. Hier hatte der quasi in das beziehungsreiche Künstlerdasein Roms hineingeborene Bernini einen klaren Vorteil gegenüber dem Lombarden Borromini, doch durch seinen ungewöhnlichen Stil und seine "bewegte Architektur" erlangte er bald einige prestigeträchtige Aufträge, vor allem unter dem Pontifikat von Papst Innozenz X. zwischen 1644 und 1655. Welcher der beiden ungleichen Stars des römischen Barock aus architektonischer Sicht schließlich den Wettkampf für sich entscheiden konnte sei dahin gestellt. Doch einen Gewinner gibt es: Das Stadtbild Roms profitiert bis heute enorm von dem Ehrgeiz der beiden Künstler, den jeweils anderen zu übertreffen.

Regie:
Mario Paloschi, Marco Pisoni
10.61.5.115