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Mi, 21.04.2021 | 18:00-18:45 | ZDF infokanal

Royale Rebellen

Harry, Meghan und die Monarchie

Die Aussteiger Harry und Meghan bestimmen noch immer die Schlagzeilen bei den Windsors. Ihre Zukunft scheint ungewiss. Das neue Leben der Sussex' wird auch die Monarchie verändern. Ob Scheidung, Ehebruch oder pflichtvergessene Familienmitglieder: Die Queen hat bereits einige solcher Krisen überstanden. Meist steckt der Konflikt "Tradition gegen Moderne" dahinter. Wie viel frischen Wind verträgt die Krone? Wann geht es an die Substanz? Seit er mit seiner Frau Meghan in Kalifornien wohnt, scheint Prinz Harry bewusst mit königlichen Regeln zu brechen. Gerade erst hat er die Amerikaner in einem Video dazu aufgefordert, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen – ein Privileg, das ihm als britischer Royal nie zustand. Viel Kritik muss er dafür einstecken. "Ich hoffe, Harry hört endlich auf, als Sprachrohr für seine Frau aufzutreten", meint der Historiker Hugo Vickers. Meghan hat keinen Hehl daraus gemacht, dass sie Donald Trump verabscheut. Sich in politische Fragen einzumischen, ist für die Royal Family aber seit Jahrhunderten tabu. Deshalb wird Harrys Verhalten in Großbritannien mit Kopfschütteln quittiert. Die politische Korrespondentin des "Daily Telegraph", Camilla Tominey, urteilt: "Harry wirkt wie ein Fisch auf dem Trockenen in Amerika. Man kann verstehen, dass er seine Frau und seinen Sohn vor den Medien schützen will, aber jetzt wirkt es, als kämpften die beiden gegen den Rest der Welt." Für die Queen scheinen sich die Krisen der Vergangenheit zu wiederholen, die die Monarchie mehrmals während ihrer Amtszeit ins Wanken brachten. Oft ist es ein Duell zwischen Tradition und Moderne, zwischen den Werten einer jahrtausendealten Dynastie und den glamourösen Hollywood-Attitüden, die nicht erst mit der Ankunft des Fernsehstars Meghan in die königliche Familie Einzug gehalten haben. Ähnliche Kulturkämpfe gab es auch in früheren Beziehungen royaler Prinzen mit unkonventionellen Ehefrauen. Der Buckingham-Palast hat einige von ihnen kommen und gehen sehen. Und immer wieder stellt sich dieselbe Frage: Wie viel Modernität braucht der Palast, und wie viel Erneuerung hält die Krone aus? Beispiele aus 200 Jahren Historie belegen, dass die größte Stärke des Hauses Windsor gleichzeitig auch die Achillesferse ist: die enge Verknüpfung von Familie und Monarchie. Auch jetzt steht viel auf dem Spiel: Während die Queen sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurückzieht, nimmt ihr Sohn Prinz Charles vermehrt das Heft in die Hand. Dabei hatte er auf die Unterstützung seiner beiden Söhne William und Harry und deren bürgerlich geborenen Ehefrauen Kate und Meghan gesetzt. Doch ein Zwist zwischen den beiden Brüdern endete mit dem Rückzug von Prinzessin Dianas jüngstem Sohn und seiner Familie nach Kalifornien. Viele fühlen sich an die Katastrophen der 90er-Jahre erinnert, deren royale Skandale um Diana und Fergie der Krone beinahe den Todesstoß versetzten. Damals wie heute gelang es den Windsors nicht, die Fliehkräfte einer entfesselten öffentlichen Seelenschau zu zügeln. Doch seit sie 1953 zur Königin gekrönt wurde, hat Elizabeth II. es immer wieder geschafft, die Kontrolle zurückzugewinnen, nicht zuletzt durch die Unterstützung ihres Prinzgemahls Philip. Wie groß ist das Machtvakuum im Königshaus heute, nach dem Rückzug Philips? Die Queen befindet sich in einem selbst geschaffenen Dilemma. Nach der Abdankung ihres Onkels Edward, der den Thron eintauschte gegen die Ehe mit einer amerikanischen Society-Lady, schwor sie dem britischen Volk, zu dienen, so lange sie lebe. Eine frühzeitige Übergabe an ihren Sohn Charles scheint nicht möglich – es würde ihr möglicherweise als Wortbruch ausgelegt. Wie werden die Windsors die Standfestigkeit zurückgewinnen, die die Nation in den unsicheren Brexit-Zeiten von ihnen erwartet?

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