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Detailbild Muslimisch. Modern. – Frauen auf der Arabischen Halbinsel
Sa, 13.03.2021 | 19:20-20:00 | 3sat

Muslimisch. Modern. – Frauen auf der Arabischen Halbinsel

Wer in europäischen Breiten an muslimische Frauen denkt, hat meist die Unterdrückung der Frau im Kopf. Muslimisch und modern – geht das überhaupt zusammen, wenn es um Frauen geht? Ja! Jenseits des klischeehaften Bildes gibt es auch auf der Arabischen Halbinsel emanzipierte und aktive Künstlerinnen, Autorinnen und Bloggerinnen. Zum 100. Jubiläum des Internationalen Frauentags am 8. März 2021 rückt der Film Frauen aus der Golf-Region in den Fokus. Auch wenn viele Frauen im Nahen Osten noch weit entfernt von gesellschaftlicher und ökonomischer Gleichberechtigung leben, sind gerade sie dort oft die Aktivsten. In kleinen und großen Nischen bewegen sie sich, klären und mischen auf und revolutionieren aus dem Alltag heraus. In den Golfstaaten gibt es zwar keine klassische Frauenbewegung, doch findet man überall Frauen, die sich für die Emanzipation in den Bereichen Arbeit, Gesellschaft und Kultur stark machen, wenn auch nicht vergleichbar mit Nordafrika oder Europa, wo es durchaus muslimische Frauenbewegungen gibt. Besonders die sozialen Medien haben dazu beigetragen, dass Frauen, die in den Golfstaaten leben, sichtbar geworden sind: Nirgendwo sonst gibt es so viele Influencerinnen in den Bereichen Mode, Reisen und Kunst wie dort – sie verdienen damit Geld, haben Einfluss und können ihre Meinung verbreiten. Die Dokumentation stellt Autorinnen, Künstlerinnen und Influencerinnen vor, die auf der Arabischen Halbinsel die Gesellschaft um- und mitgestalten. Unter anderen Maitha Abdulla, die nach ihrem Sprachstudium in London ihre Liebe zur visuellen Kunst entdeckte. An der Hochschule für Kunst und Kreativität der Zayed University in Abu Dhabi machte sie mit Bildender Kunst, Schwerpunkt Malerei und Mischtechnik, weiter. Sie gehört zu den jungen arabischen Frauen, die reisen konnten und über ihren Tellerrand schauen durften. In anderen Ländern sammelte sie die Inspiration für ihre Kunst. Maitha Abdulla ist eine der Gründerinnen von "Bait 15", einer kürzlich eröffneten und von Künstlerinnen und Künstlern geführten Galerie und einem Studio in Abu Dhabi. Sie spielt eine aktive Rolle in der zeitgenössischen Kunstszene in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Zurzeit arbeitet sie an einer neuen Serie von Bildern und Mixed-Media-Arbeiten, die sich auf familiäre Beziehungen und die Idee der "Erzählhandlungen" konzentriert, ähnlich wie die eines Theaterstücks. Hamida Issa ist eine junge und erfolgreiche Filmemacherin in Katar. Dort haben Frauen tatsächlich die Chance, in dieser Branche Karriere zu machen – anders als in der westlichen Welt, wo immer noch häufiger Männer die Regie übernehmen. Das zeigt sich auch auf regionalen Filmfestivals: Derzeit stammen über die Hälfe der Filme von Frauen. Und viele thematisieren die weibliche Welt. Männer kommen oftmals nur am Rande vor. Hamida Issa widmet sich in ihrer Arbeit jedoch auch den großen Menschheitsthemen wie Umweltzerstörung, Spiritualität, dem Schutz und der Erhaltung unseres Planeten und der Corona-Pandemie. Ashley Al Busmait ist eine aufstrebende arabisch-mexikanische Modeexpertin von Modest-Fashion. Dass Muslime weltweit jährlich Milliarden für Kleidung und Accessoires ausgeben, wissen nur die Wenigsten. Der Mode-Markt, vor allem in den arabischen Ländern, explodiert geradezu. Al Busmaits Blog "Mirage d'Ash" ist ihr visuelles Tagebuch, in dem sie ihre Musen, ihren kulturellen Hintergrund und ihre Interpretation arabischer Mode in ihrer Wahlheimat Dubai vorstellt. In den Vereinigten Arabischen Emiraten ist sie mittlerweile eine gefeierte Influencerin und Modebloggerin. Vor etwa vier Jahren gründete sie eine Modeseite. Erst zögerte sie, denn: "Es galt damals als Tabu für eine Frau, öffentlich in sozialen Medien gesehen zu werden, und ich wollte negative Konsequenzen vermeiden", sagt sie. Sie traute sich trotzdem. Der Erfolg gibt ihr Recht. Redaktionshinweis: Mit der Dokumentation "Muslimisch. Modern." beendet 3sat sein Programm zum 100. Jahrestag des Internationalen Frauentags am 8. März.

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