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Detailbild alpha-retro: Ein Kind aus Connemara (1964)
Fr, 12.03.2021 | 21:00-21:20 | ARD-alpha

alpha-retro: Ein Kind aus Connemara (1964)

Der Film beginnt bei unwirtlichem Wetter mit einer Prozession zum Grab eines irischen Heiligen. Draußen auf einer Insel. Die Fahrt dorthin im kleinen Fischerboot und die Fahrt zurück in den Heimathafen sind kein Vergnügen. Vor dem Haus des Fischers kommen dessen Kinder ins Spiel und deren einfaches aber wohl glückliches Leben. Ab hier atmet man als Zuschauer, als Zuschauerin auf, der Film wird ruhig, rührend gar und von sanfter Poesie umhüllt. Zwei Töchter bringen Torf zum Trocknen – in einer vom Bruder selbstgebauten Schubkarre, wie sie auch im Film von Walter Sedlmayr zu sehen war. Aber der Film von Margit Wagner schwelgt nicht nur in Poesie, sie spart das raue Leben der armen irischen Fischern zu Beginn der Sechzigerjahre nicht aus. Anstatt zur Schule zu gehen, muss der älteste Sohn des Fischers mit anpacken. Er macht es scheinbar gern, er fühlt sich gebraucht. Aber es keimt auch leise Hoffnung auf, denn mit staatlicher Unterstützung beim Kauf modernerer und größerer Boote sollen auch diese Fischer zum Bleiben motiviert werden: um die immer noch grassierende und das Land auszehrende Auswanderung zu stoppen. Am Ende knüpft sich der älteste Sohn des Protagonisten aus Binsen einen Helm: Mit dem Helm auf dem Kopf – oder ist es doch eine Krone? – wandert dieser Dreizehnjährige, der oft viel älter wirkt, dem Horizont entgegen. Wie wir heute wissen, hat sein "Reich" in den Jahrzehnten danach tatsächlich einen Großteil der Armut überwinden können. Dass Hans Lutz nicht nur in den Alpen sondern überhaupt ein großartiger Kameramann war, sieht man auch in diesem Film wieder.

Originaltitel:
Ein Kind aus Connemara

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10.61.5.114