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Detailbild Pläne, Träume, Pandemie
Do, 11.03.2021 | 01:40-02:10 | MDR

Pläne, Träume, Pandemie

Wie Corona eine Generation verändert

Ein Corona bremst eine ganze Generation aus: junge Menschen zwischen 16 und 29. Eigentlich würden sie jetzt mit der Ausbildung beginnen, ein Studium aufnehmen oder den ersten Job suchen. Man nennt sie auch Generation Corona. "Exakt – Die Story" hat einige von ihnen fast ein Jahr begleitet. Was wird aus ihren Träumen und Plänen? Die 18-jährige Josephine aus Leipzig machte im Frühjahr 2020 ihr Corona-Abitur. Statt Abiball gibt es einen Sektempfang. Statt einem Sommer voller Freiheit, gibt es einen Sommer voller Einschränkungen. Es folgt ein Herbst, der der aufregendste ihres bisherigen Lebens sein sollte: der Uni-Start. Doch dann kommt der zweite Lockdown. Statt in Hörsälen und Studentenkneipen findet ihr Studium online statt. Spaß sieht anders aus. "Keine Ahnung, ob ich das durchhalte." Ihre Unsicherheit steigt. Yazan aus Magdeburg ist 21 Jahre alt und wollte im August seine Ausbildung beginnen. Ausgerechnet als Veranstaltungskaufmann. 40 Bewerbungen hat er geschrieben – fast 40 Absagen erhalten. "Ich habe mir das anders vorgestellt." Wie er trotz zweier Lockdowns an seinem Traum festhält, erzählt er in dieser Reportage. Die 26-jährige Leonie war gerade zum Auslandsstudium in Kanada, als das Land im März 2020 alles dicht machte. "Über ein Jahr hatte ich mich darauf vorbereitet, Geld angespart, meine Masterarbeit darauf ausgelegt und dann musste ich plötzlich ausreisen." Hier in Leipzig hatte sie weder Nebenjob noch Wohnung. Die deutschen und kanadischen Festivals, die sie für ihr Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften untersucht, fanden nur noch in kleinem Rahmen statt. Wie soll sie damit ihre Masterarbeit gut abschließen? Und findet sie danach einen Job? Der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Walwei vom Institut für Arbeits- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg spricht von einer langanhaltenden Krisenzeit für junge Erwachsene. Bereits 2020 fiel die Anzahl an offenen Stellen auf dem deutschen Arbeitsmarkt um ein Drittel. Laut Walwei werden manche Arbeitsplätze für immer wegfallen. Er fordert: "Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, so dass alle jungen Erwachsenen gleichmäßig an der Arbeitswelt teilhaben können." Die Soziologin Dr. Severine Thomas von der Uni Hildesheim stimmt dem zu. Sie hat an einer bundesweit einmaligen Studie mitgewirkt, die über 6.000 Menschen zwischen 15 und 30 Jahren zu deren Auswirkungen befragte. Ihr Fazit: "Die junge Generation wurde in der wichtigsten Selbstfindungsphase ihres Lebens ausgebremst." Dem widerspricht der Kinder- und Jugendforscher Prof. Dr. Klaus Hurrelmann von der Hertie School of Governance. Denn er hält die gut gebildete junge Generation für fähig, mit der Krise umzugehen. Er warnt aber: "Große Probleme werden die weniger gut ausgebildeten, vor allem männlichen Jugendlichen haben, wie bereits in der Wirtschaftskrise 2009/2010." Was wird aus Plänen und Träumen – trotz Pandemie? "Exakt – Die Story" fragt nach: Wird die Corona-Krise die soziale Kluft weiter verschärfen? Und wie kommen die angehenden Azubis, Studenten und Berufsanfänger durch diese besonderen Zeiten?

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