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Do, 11.03.2021 | 09:05-09:30 | Ö1

Radiokolleg

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Am 11. März 2020 erklärte die Weltgesundheitsorganisation WHO den Covid19 Ausbruch zur Pandemie. Ein Jahr später sind weltweit mehr als 2 Millionen Todesopfer zu beklagen. Neu auftretende Mutationen des Virus halten nach wie vor die Regierungen in Atem. Wie viele Restriktionen sind erträglich, welche Lockerungen möglich, um das Gesundheitssystem funktionsfähig zu halten? Die Pandemie stellt die Weltgemeinschaft vor eine noch nicht gekannte Herausforderung. "Die Corona Krise wirkt wie ein Vergrößerungsglas auf bestehende Probleme." So Georg Psota, Chefarzt der Psychosozialen Dienste in Wien: "Die soziale Ungleichheit wird stärker." Wer einen Bürojob hat, kann diesen im Homeoffice ausüben. Menschen in sogenannten systemerhaltenden Berufen sind in einem viel höheren Maß der Ansteckungsgefahr ausgesetzt. Menschen mit geringer Ausbildung sind besonders von Arbeitslosigkeit betroffen. Und auch zwischen den Generationen tut sich eine Kluft auf. Umfragen zeigen, dass besonders jüngere Menschen von Existenzängsten betroffen sind, während ältere auf erprobte Krisenbewältigungsstrategien zurückgreifen. Ähnliche Schlüsse zieht die Soziologin Barbara Rothmüller. Sie hat untersucht, wie sich die Paarbeziehungen im Lockdown verändert haben. Ihr Fazit: wer in einer stabilen partnerschaftlichen Beziehung lebt, steckt die Isolation im Privaten besser weg als ein Single. Statistisch gesehen festigten sich 9 von 10 Beziehungen während der Krise. Das Mehr an Zeit miteinander bewirkte auch ein intensiviertes Füreinander. Anders die Situation der rund 15% alleinlebenden Menschen in Österreich. Sie litten und leiden zunehmend unter der Isolation des Lockdowns. Überraschend auch hier der Altersunterschied. Ältere Bürgerinnen und Bürger sind meistens gut vernetzt und können auf tragfähige Freundschaften zurückgreifen, während Jugendliche und junge Erwachsene große Ängste haben, dass ihre Beziehungen auseinanderbrechen. Wie mit dem Ungewissen umgehen, das die Pandemie auslöst? "Anfangs habe ich in einem Alarmismus gelebt. Die Angst sich anzustecken war groß." Jetzt habe er die Erfahrung gemacht, dass er sich erfolgreich schützen kann, berichtet Michael Rosner. Der Internist und Psychotherapeut arbeitet an der Covid19 Station des Kaiser Franz Josef Spitals in Wien. Für ihn heißt das auch, Aufgaben zu übernehmen, die früher andere Berufsgruppen ausgeführt haben. Ärzte, die den Patienten Essen austeilen, seien hier die Regel. Denn wer in Schutzkleidung arbeitet, packt zu, wo Unterstützung gebraucht wird. Der Umgang mit dem Ungewissen fordere, anzuerkennen was ist, so Georg Psota. "Das ist wie bei einer Bergtour. Mit dem Berg lässt sich nicht verhandeln. Wir können uns aber entsprechend ausrüsten, und Strategien entwickeln, um neue Wege einzuschlagen." Und zwar in Abstimmung mit anderen, und solidarisch. Nur so lassen sich Herausforderungen wie die einer Pandemie meistern.

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