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Fr, 04.12.2020 | 06:15-07:10 | ARTE

ARTE Reportage

Reportagereihe, F 2020

(1): Afghanistan: Im Chaos sollst du Kinder gebären Beim Anschlag auf eine Geburtsstation in Kabul am 12. Mai starben 25 Menschen, die meisten waren Schwangere. Mit Schnellfeuerwaffen drangen Vermummte am 12. Mai 2020 in eine von den Médecins Sans Frontières geleitete Geburtsstation in Kabul ein und schossen gezielt auf Frauen und Kinder: 25 Menschen starben, viele wurden verletzt, auch Neugeborene. Der Anschlag, vermutlich von einer Terrorzelle des IS, geschah mitten in den Friedensverhandlungen der afghanischen Regierung mit den Taliban. Die Brutalität und die Gewissenlosigkeit der Attentäter schockierte das ganze Land. ARTE-Reporterinnen wollten wissen, wie Frauen und Familien in Afghanistan heute leben. Sie reisten nach Kabul und trafen die Überlebenden des Anschlags vom Mai. Sie reisten weiter in die Provinzen des Landes, auch in die Regionen, in denen die Taliban herrschen. Sie trafen Hebammen und Mütter, Väter und Mullahs und hörten, wie archaische Überzeugungen von Mutterschaft, Geburt und Schwangerschaftshygiene bis heute das Denken der Afghanen beherrschen – und auch, wie sich ausgerechnet ein Kommandant der Taliban für Verhütung ausspricht. (2): Kolumbien: Der Aufstand der Nasa Das indigene Volk der Nasa kämpft inmitten der Corona-Krise darum, von der Regierung wahrgenommen zu werden. Jeden 6. Tag wird in der Cauca-Region in Kolumbien ein Indigener des Nasa-Volkes getötet, als sogenannter Kollateralschaden des Drogenkriegs, als gezielte Aktion der Paramilitärs. Diskriminierung, Schikane und Rassismus, damit leben die Nasa jeden Tag. Während der Corona-Pandemie wurden sie in den Krankenhäusern nicht einmal richtig behandelt. Die Regierung kümmert sich nicht um die Probleme der 185.000 Indigenen. Sie regeln deshalb alles selbst. Auf dem Höhepunkt der Pandemie errichteten sie Straßensperren rund um ihr Stammesgebiet. Keiner kam mehr rein oder raus, ohne von den Nasa kontrolliert oder desinfiziert zu werden. Nur 976 Indigene wurden krank, drei starben. In ganz Kolumbien infizierten sich 1,2 Millionen Menschen, 32.000 starben. Um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen, fuhren im Herbst zunächst 8.000 Indigene auf der Pamericana los, zunächst nach Cali und dann weiter in die Landeshauptstadt Bogota. Sie wollten dort persönlich mit dem Präsidenten reden. Auf dem Weg dorthin schlossen sich ihnen immer mehr Menschen an. Auf dem Plaza de Bolívar in Bogotá protestieren schließlich eine Million Menschen gegen die Regierung, die Corona-Krise und den Zustand des Landes. (3): Frankreich: Wenn Bäume dürsten, brennt bald der Wald Drei trockene Jahre nacheinander machen den Wäldern in den Vogesen schwer zu schaffen, nun drohen Waldbrände. Seit 2018 leiden die Wälder in den Vogesen unter der allgemeinen Trockenheit und den Hitzewellen im Sommer, die Bäume trocknen von den Wurzeln her allmählich aus. Diese Folge des Klimawandels beunruhigt die Förster, die den Wald bewirtschaften, die Naturschützer, die den Wald als Biotop erhalten wollen und die Feuerwehrleute, die löschen müssen, wenn der Wald Feuer fängt. Die von der Trockenheit geschwächten Bäume sind auch leichte Opfer für Schadinsekten, wie die Borkenkäfer, nicht nur in Frankreich, auch in Deutschland, Belgien, Luxemburg, Tschechien und Polen. Fichte, Buche, Tanne, Eiche und Kiefer leiden schwer in ganz Europa – nicht nur in Frankreich denken die Förster intensiv darüber nach, wie sie die Wälder schützen und ihnen helfen könnten, sich an wärmere Zeiten anzupassen.

Originaltitel:
Arte Reportage
10.61.5.114