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Do, 29.10.2020 | 09:05-09:30 | Ö1

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Kinder sollten eine Auszeit bekommen: von Krieg, Hunger, Gräuel und Trostlosigkeit. Schon nach dem 1. Weltkrieg gab es Initiativen für Kinderlandverschickungen, vor allem Schweden zeigte sich als großzügiges Gastgeberland. Während des 2. Weltkriegs ermöglichte die sogenannte erweiterte Kinderlandverschickung über zwei Millionen Kindern bzw. auch ganzen Schulklassen des Deutschen Reichs Wochen oder gar Monate bei Gasteltern oder in Gasthäusern zu verbringen. Österreichische Kinder blieben von der Möglichkeit, vor Bomben, Hunger und Mangelerkrankungen bewahrt zu werden, bis 1943 ausgespart. Für die Organisation der "Unterbringungsaktion", ein Euphemismus für den Begriff "Evakuierung", zeichnete die Hitlerjugend verantwortlich. Kinder, die als "asozial" galten, konnten an den Lagern genauso wenig teilnehmen wie solche, die zum Beispiel an Epilepsie litten oder chronische Bettnässer waren. Beim Aufenthalt in den ländlichen Gemeinden standen strenger Gehorsam und Ordnung im Vordergrund. Geländespiele, marschieren und Fahnenappelle gehörten dazu. Viele Kinder kamen auch in Pflegefamilien unter oder wurden bei Verwandten untergebracht. Die meisten Unterlagen zu den Kinderlandverschickungen wurden zu Kriegsende vernichtet, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen schilderten ihren Aufenthalt sehr unterschiedlich: einerseits als glückliche Zeit, die sie unbeschwert mit Gleichaltrigen verbringen konnten, andererseits als eine Zeit des Schreckens, in der sie gehänselt wurden und an Heimweh litten. In den Straßennamen Wiens ist die Kinderhilfe bis heute abzulesen: Die Holland- und die Dänenstraße, der Schwedenplatz und der Schweizergarten erinnern daran. Nach dem 2. Weltkrieg – In den Jahren 1947 bis 1958 – brachte die Caritas 37.000 Kinder zum Aufpäppeln ins europäische Ausland. Da gab es etwa die Spanienkinder, die zu Gastfamilien ins diktatorisch geführte Spanien gebracht wurden oder andere, die in die Schweiz, nach Holland oder Schweden kamen.

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