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Mi, 04.12.2019 | 21:00-21:55 | Ö1

Salzburger Nachtstudio

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Psychologisch betrachtet ist Vertrauen ein Urbedürfnis jedes Menschen, eine zentrale Ressource sozialen Handels, Motor effizienter Unternehmungen und Kitt der Gesellschaft. Unter Erwachsenen ist es oft schwer herzustellen, aber schnell zu zerstören. Was aber ist Vertrauen? Wie wird es geschaffen, wie zerstört? Wem können wir vertrauen und wem sollten wir eher mit Misstrauen begegnen? Der Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, sowie Psychotherapeut und Lehrbeauftragter für Psychodrama Manfred Stelzig hat das jedem Menschen innewohnende Urvertrauen beschrieben und Wurzelübungen erarbeitet, die es nähren und am Leben erhalten sollen. Vertrauen ist darüber hinaus eine Grundlage, ja Konstitutionsbedingung der Moderne. Aber auch das Misstrauen ist für das menschliche Zusammenleben wertvoll. Es schützt uns vor übereilten Handlungen und falschen Entscheidungen. In den letzten Jahren ist es im Zusammenhang mit Wutbürgerinnen und Wutbürgern und dem Populismus zum politischen Thema geworden. Für den Sozialanthropologen Florian Mühlfried hat Vertrauen jedoch auch ein "kreatives und regulatives Potential" wie er in seinem Buch "Misstrauen" schreibt. Misstrauen, müsse nicht spalten, sondern könne als Anstoß zur Kontrolle der Mächtigen und somit der Gesellschaft dienen. Eine Voraussetzung für eine Wendung zum Positiven durch Misstrauen wäre Wertschätzung. Doch habe sich eine seltsame Wertschätzungsblockade über unsere Gesellschaft gelegt, konstatiert der Psychiater, Neurologe und Psychotherapeut Reinhard Haller in seinem neuesten Buch mit dem Titel: "Das Wunder der Wertschätzung." Wie aus konstruktivem, wertschätzendem Misstrauen eine Gesellschaft entstehen kann, deren Basis das Vertrauen ist, diskutiert Elisabeth J. Nöstlinger mit diesen Wissenschaftern bei einem City Science Talk.

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