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Mo, 04.11.2019 | 06:56-07:00 | Ö1

Gedanken für den Tag

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Nicht weniger als 169 Mal wird das Verb "zachar" ("erinnern") in der Bibel gebraucht. Dieses "Gebot des Erinnerns" stellt die Grundlage eines kollektiven Gedächtnisses dar und verwurzelt es in der religiösen Tradition. Das manifestiert sich zum Beispiel im wiederkehrenden Motiv von Exil und Minderheitendasein, Unterdrückung und Assimilationsdruck in der Diaspora und schließlich im Motiv der Befreiung des Exodus. Ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat sich – als Akt der Befreiung – auch der Fall der Berliner Mauer, der sich am 9. November zum 30. Mal jährt. Dieser Tag ist allerdings auch noch aus anderen Gründen ein Tag des Gedenkens: An die Novemberpogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, vom nationalsozialistischen Regime organisierte und gelenkte Gewaltmaßnahmen gegen Jüdinnen und Juden in Deutschland und Österreich. Dem folgte das Grauen der Shoah, das auch der ungarische Schriftsteller Imre Kertész in seinem Roman "Kaddisch für ein nicht geborenes Kind" thematisiert. Der Literaturnobelpreisträger hätte am 9. November seinen 90. Geburtstag gefeiert. In dieser Woche des Be- und Gedenkens macht sich der römisch-katholische Theologe Martin Jäggle, der stark im christlich-jüdischen Dialog engagiert ist, "Gedanken für den Tag" über das Erinnern. Was macht Erinnern so gefährlich? Wann wird Erinnern zur Unkultur? Kann man Vergangenes nicht endlich ruhen lassen? Warum ist Erinnern eine (religiöse) Pflicht? Und Martin Jäggle kommt zu dem Schluss: Um Erinnern muss gerungen werden.

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