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Zuhause bei Karl Schranz

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© tele, Monika Saulich

Der gesellige Wolf vom Arlberg

Karl Schranz und Olympische Winterspiele: Das ist eine Kombination, die auch 2014 kaum jemanden kalt lässt.
tele hat die polarisierende Skilegende besucht.

Hinter dem Panorama-Fenster im Hotel Karl Schranz strahlt die Sonne auf die schneebedeckten Berghänge von St. Anton, in scheinbar greifbarer Nähe locken die Pisten. „Und i muass do herinnen mit Ihnen umadum tuan“, knurrt Karl Schranz, schaut mich streng, aber interessiert an. „Ich muss auch mit Ihnen da herinnen umadum tun“, antworte ich. Der Blick der Skilegende hellt sich auf. „Sie kennan jo eh net skifoan.“ „Oh ja, so schnell wie der Wind.“

tele_zuhause_bei_Karl_Schranz_12„Geh Karl“
Karl Schranz ist einer, der aus Reibung Energie bezieht. Der nach dem Charakter seines Gegenübers tastet, dabei aber nicht immer Samthandschuhe anhat. „Ein Foto noch, dann könnt’s mich gern haben“, brummt er schon nach 10 Minuten. Er wird diesen Satz in den nächsten Stunden mehrmals sagen, das schelmische Grinsen dabei immer offener zeigen. Vor allem, wenn Gattin Evelyn sanft „geh Karl“ mahnt.

UMBRUCH

tele_zuhause_bei_Karl_Schranz_15Erfolgsfaktor Egoismus
„Evelyn und unsere drei Töchter haben mich weichgemacht“, erzählt er in der privaten Wohnung. „Ich bin ein Familienmensch.“ Als einsamer Wolf vom Arlberg siegte er ab den späten 1950er Jahren bei über hundert Skirennen. Sein Motto bis zum Ende der aktiven Karriere 1972: Der Starke ist allein am Stärksten. „Ohne Egoismus kannst du in einer Einzelsportart keinen Erfolg haben“, meint Schranz. Er wurde dreimal Weltmeister, gewann zweimal den Gesamtweltcup, einmal den Disziplinenweltcup, Silber bei den Olympischen Spielen 1964. Einige Trophäen sind in seinem Hotel ausgestellt. Was ihm angesichts der Pokale und Medaillen durch den Kopf geht? Die Siegerehrung, der Jubel beim Zieleinlauf, das Gefühl während der Fahrt, gut unterwegs zu sein? „Ich erinnere mich vor allem daran, wer meine härtesten Konkurrenten waren.“

Schauen Sie hier bei Karl Schranz zuhause vorbei!

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tele_zuhause_bei_Karl_Schranz_21_NEUTriumphe & Tragödien
Wo seit 1966 Hotel und Wohnung stehen, war früher eine Lehmgrube. Für seinen Weltmeistertitel 1962 hat er Teile des Grundstücks von der Gemeinde bekommen. Einige hundert Meter entfernt war sein Elternhaus. Es brannte ab, als Schranz sechs Jahre alt war. „Ein Schock, da hab ich gelernt, dass immer etwas passieren kann, mit dem du nicht rechnest.“ Aus dem Kind wurde ein Ski-Held, der bei Olympia 1968 disqualifiziert, 1972 ausgeschlossen und dadurch erst recht zur Kultfigur wurde. „Das IOC hat mich geopfert, weil Österreich ein kleines Land ist.“ 100.000 Österreicher sahen das ähnlich und jubelten Schranz nach seiner Rückkehr aus Sapporo in Wien zu. „Danach hab’ ich 2.000 Briefe bekommen. Pro Tag. Die meisten wollten ein Autogramm, manche ein Busserl.“

 

UMBRUCH

tele_zuhause_bei_Karl_Schranz_3Putin & Sotschi
Für weit weniger Zuneigung seitens der Massen sorgt seine Freundschaft zu Wladimir Putin. Schranz hat als Berater seinen Beitrag geleistet, die Olympischen Winterspiele 2014 ins russische Sotschi zu holen. Was sagt er zu demokratiepolitischen und bürgerrechtlichen Mängeln? „Putin will Demokratie schaffen, aber Russland ist ein Riesenland mit einer speziellen Geschichte, das dauert.“ Der umstrittene „Homosexuellenparagraph“? „Ich habe sicher nichts gegen Homosexuelle. Aber ein Olympia-Boykott bringt nichts. Man muss mit den Menschen reden. Putin ist in Ordnung“, sagt Schranz. Und betont: „Ich bin immer meinen eigenen Weg gegangen. Wer nur Freunde hat, hat keinen Charakter.“

 

KARL SCHRANZ IM O-TON

„Ich habe mir nie ein Blatt vor den Mund genommen. Das hat mir nicht nur Freunde gebracht, ist aber mein Weg.“

GEWINNEN … war wichtig. Wer nicht gewinnt, ist maximal zweiter, und zweiter ist nichts
WLADIMIR PUTIN … ist ein guter Freund
PUSSY RIOT … sind für mich nicht nachvollziehbar
BRUNO KREISKY … war fantastisch. Charismatisch, wurde auch angefeindet
FAMILIE … ist der große Halt. Eine Einheit

 

 

Steckbrief Karl Schranz

Geboren: 18. 11. 1938 in St. Anton am Arlberg
1959, 1962, 1970: Österreichs Sportler des Jahres
Seit 1981 verheiratet mit Evelyn, 3 Töchter: Anna, Christiane, Katharina
1998: Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich


Von Wolfgang Knabl

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