Alles brennt: Melika Foroutan im Interview
Dritter Cold Case Für Das Dreamteam: Ein Baustoffkonzern und die Verbindung zu einem Hochhausbrand, der 13 Menschen das Leben kostete, stehen im Zentrum von „Tatort: Fackel“.
Kommissar Hamza Kulina (Edin Hasanovic) trifft auf seine Exfreundin, Almila (Seyneb Saleh). Sie hat beim Brand der Sozialwohnungen ihre Mutter verloren. Wurde damals billiges Dämmmaterial unsachgemäß verbaut? Ein Untersuchungsausschuss hat noch keine Ergebnisse. Kulina beginnt mit Kollegin Maryam Azadi (Melika Foroutan - unten im Interview) zu ermitteln, die beiden stoßen auf zahlreiche Ungereimtheiten, einen vermeintlichen Suizid und Verbindungen in die Politik. Chefin Sandra Schatz (Judith Engel) ist nicht überzeugt, dann können die Ermittlungen plötzlich nicht rasch genug vorangehen … Der Fall ist inspiriert vom Brand des „Grenfell Tower“ 2017 in London. Nachschau-Empfehlung auch für die Frankfurt-Folgen „Tatort: Dunkelheit“ und „Tatort: Licht“.
tele: Ermittlerin Maryam Azadi, Ihre Rolle, was ist sie für eine Person?tele: Ermittlerin Maryam Azadi, Ihre Rolle, was ist sie für eine Person?
Melika Foroutan: Am liebsten ist mir, das Publikum macht sich selbst ein Bild. Angelegt habe ich sie als eine Person, die große Empathie empfindet, eine große Liebe zu Menschen und zur Gerechtigkeit. Sie macht viel mit sich selbst aus und widmet doch allen die volle Aufmerksamkeit, auch den Verschwundenen. Sie kennt das Gefühl, den Verlust einer Person ertragen zu müssen, möchte diese Wunde lindern.
Die Fotos an der Wand, Blicke in den Laptop, wie bleibt Krimi spielen spannend?
Es gibt bei dem Format Regeln, die man einhalten muss, gerade bei Cold Cases. Viel ist Rekapitulation oder schlicht Informationsweitergabe – das ist ein bisschen trocken, aber auch eine Herausforderung. Wie gestalten wir das interessant, für das Publikum und auch für uns? Beim Tatort „Dunkelheit“ gab es Rückblenden, im letzten Tatort standen Hamza und ich plötzlich am Tatort. Sowas passiert mit einem Team, das etwas anders gestalten will.
Edin Hasanovic ist ein toller Spielpartner.
Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich ihn bei der Krimiserie „KDD – Kriminaldauerdienst“ kennengelernt habe, als er zwölf Jahre alt war, er sorgte für viel Begeisterung. Jetzt ist er erwachsen, hat die Spielfreude behalten, sein Handwerk extrem professionalisiert. Wir verstehen uns sehr gut, wir sind ein gutes Team.
Judith Engel als Sandra Schatz ist eine spannende Gegenspielerin.
Sie ist so eine Vollblutschauspielerin. Es ist noch nicht klar, ob sie die Antagonistin bleiben wird. Am Ende möchten wir verhindern, dass wir plakativ werden. Ihre Figur hat schon ein sehr hohes Maß an Perfektionismus, den Anspruch hat sie auch an ihre Angestellten. Das wird spannend.
Wie ist Frankfurt abseits der Klischees?
Frankfurt ist unglaublich divers. Frankfurt hat einerseits Apfelwein und Gemütlichkeit, viel Grün, dann gibt es das urbane, harte Frankfurt, das Bahnhofsviertel, den internationalen Flughafen, das Bankenviertel, eine interessante Musikszene und Subkultur. Frankfurt hat einen hohen Migrationsanteil, was für unsere Geschichten spannend ist, weil wir zwei Figuren mit Migrationshintergrund spielen, Hamza bosnisch, ich iranisch.
Genial und neu ist der Mut zu Untertiteln.
Normalerweise wird alles immer übersetzt. Dadurch verliert es an Authentizität – wenn zwei Personen derselben Sprache mächtig sind, sprechen sie die auch miteinander. Wir erleben Figuren auf eine andere Art in ihrem Alltag – es ist auch eine Einladung an das Publikum, eine Herausforderung der Sehgewohnheiten.
Toll, der erste Fall, der den Opfern und Familien Raum gab, nicht dem Täter …
Das war eine Zusammenarbeit: Wir sind einfach an einem Punkt angekommen, wo wir anfangen müssen, anders zu erzählen. Ich mag es sehr, wenn wir bei den Cold Cases mit echten Fällen arbeiten. Wenn wir, soweit es uns dieses Format erlaubt, diese Ungerechtigkeiten aufzeigen können.
Interview: Julia Pühringer