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Neue Freuden aus Cannes: „An Easy Girl“ von Rebecca Slotowski

Neue Freuden aus Cannes: „An Easy Girl“ von Rebecca Slotowski
Veröffentlicht:
21.05.2019
Ein leichtes Mädchen erobert die Côte d'Azur: Die französische Filmemacherin liefert eine sensationelle Tragikomödie, die einen besseren Premierenort nicht haben könnte.

Von Julia Pühringer aus Cannes

 

Ein Film, der beginnt, wie aus einem anderen Jahrzehnt: Eine junge Frau schwimmt im flaschengrünen französischen Meer durch eine Bucht, mit eine Nichts von Tanga, entsteigt tropfnass dem Wasser, unter dem neugierigen Blick des Publikums und von zwei jungen Männern. Ja, sie heißt Sofia (Zahia Dehar) und sie sieht aus wie eine Kinogöttin aus den 1950er- oder 1960erjahren. Das ist natürlich bei einem Film, der in Cannes Premiere hat, kein Zufall. Rebecca Slotowski erzählt die Geschichte von einer jungen Frau, die ihr Äußeres zu Geld macht. Sie trifft einen Mann mit einer Jacht, das ist in Cannes nicht so schwer, und verbringt Zeit mit ihm, nimmt seine Geschenke an, besucht mit ihm Freunde. Sie wohnt währenddessen bei ihrer jüngeren Kusine Naïma (Mina Farid), die oft mit im Schlepptau ist. Slotowski erzählt auf höchst unterhaltsame, liebevolle und ja, durchaus auch erotische Art vom Klassengefälle, davon, wer sich was und wen leisten kann. Dabei sind ganz offenbar viele Überlegungen zum Thema „consensual sex“ und auch Diversität miteingeflossen und man wünschte sich ganz viele Filme, die so ein Thema so leichtfüßig und doch so ernsthaft und umfassend behandeln.

Slotowski besetzte die Nebenrolle der Sofia zudem mit Zahia Dehar, die in Frankreich „skandalumwittert“ ist und als jugendliches Escort-Mädchen in Fußballerkreisen tätig war. Sie mit dieser Rolle zu besetzen und auch am Drehbuch mitarbeiten zu lassen, ist in einer Branche, die am liebsten Filme ÜBER Frauen aber nicht mit ihnen macht, sie betrachtet, aber nicht ernstnimmt, tatsächlich ein revolutionärer Akt.

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