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Schlierenzauer-Doku: Der „Adler“ im Interview

Schlierenzauer-Doku: Der „Adler“ im Interview
Veröffentlicht:
13.11.2017
Seelen-Striptease in neuer Doku: Burnout, Sinnkrise und Neubeginn - in der Doku „Weitergehen“ lässt der Ausnahme-Athlet Gregor Schlierenzauer tief in sein Innenleben blicken.

Das 52-minütige Porträt – Regie: Gerald Salmina („Mount St. Elias“, „Streif – One Hell of a Ride“) mit vielen Interviews und nachgestellten Szenen aus der Kindheit des Überfliegers, erzählt die Story des Skisprung-Stars und begleitet den Olympiasieger, Weltmeister, Vierschanzentourneesieger und Gesamtweltcupsieger (jeweils zwei Mal) durch ein Jahr der Selbstzweifel und Verletzungen.

Dass das frühere „Wunderkind“ – Schlierenzauer gewann mit 16 Jahren das erste Weltcupspringen – nach zehn Jahren Dominanz im Springerzirkus und plötzlich ausbleibendem Erfolg in ein Motivationsloch stürzte, ist kein Wunder. Die Belastung immer ganz oben stehen zu müssen, wurde irgendwann zu groß, zudem ging ausgerechnet in dieser Phase die private Beziehung zu Bruch. „Ich hab die Liebe verloren“, sagt Gregor mit Kloß im Hals in der Doku. Und zur sportlichen Krise: „Das Kartenhaus des Erfolges ist zusammengefallen“.

Selbstreflexion unter Tränen

Vor laufender Kamera fließen Tränen, als der Überflieger auf den Kern der Sinnkrise zu sprechen kommt. Und auf die Symptome: Schlafstörungen, Müdigkeit, Gereiztheit – typisch für Burnout-Patienten. Gregor muss erkennen: „Wenn man im Sport erfolgreich ist, sind sehr viele da. Wenn es schwierig wird im Leben, ist nur eine Handvoll da.“

Diese Handvoll Leute – neben der Familie, Freunden und Trainern auch der Systemische Ratgeber Gerhard Rieger und sein Manager Hubert Neuper – haben dazu beigetragen, dass das Skisprung-Ass mit neuer Energie unbeirrt an der Fortsetzung seiner Karriere arbeitet. Auch nach einer neuerlichen Knieverletzung (Seitenband-Einriss), die sich der Tiroler Ende Oktober bei einem Sturz nach einer Testfahrt auf der Anlaufspur zuzog. Wieder muss Schlierenzauer einige Wochen pausieren, den Weltcup-Auftakt in Wisla am 17./18.11. wird er verpassen (lesen Sie dazu auch das Interview unten).

Aber der Titel der neuen Doku ist auch das Credo des Protagonisten. Und über „Weitergehen“ sagte Schlierenzauer bei der Präsentation im Wiener Filmcasino: „Es ist kein Sportfilm, sondern ein Menschenfilm“. Die absolut sehenswerte Doku ist am 13.11. um 20.15 Uhr in Erstausstrahlung auf ServusTV zu sehen und wird am 18.11. um 18.00 Uhr auch in ORF eins ausgestrahlt. Ab 19.11. on demand auf www.redbull.tv/weitergehen.

Gregor Schlierenzauer ist gemeinsam mit Stefan Kraft und Heinz Kuttin am Montag, dem13. November, ab 21.15 Uhr bei „Sport und Talk aus dem Hangar-7“ zu Gast.

Schlierenzauer im tele-Talk

tele: Jetzt zwingt dich also wieder eine Knieverletzung zu einer Pause: Fühlst du dich nach all dem was du zuletzt durchgemacht hast bei diesem neuerlichen Rückschlag gefestigter als noch im letzten Jahr nach dem Kreuzbandriss und im Februar nach dem Sturz in Oberstdorf?

Gregor Schlierenzauer: Ja, ich fühle mich tatsächlich gefestigter. Ich kann es ja nicht ändern und aus einer anderen Perspektive betrachtet hat sich jetzt nur der Zeitplan nach hinten verschoben, sonst nichts. Ich werde nicht in den Weltcup zurück hetzen, sondern mir die Zeit nehmen, die es braucht. 

tele: Reicht die bisherige Vorbereitung auf die Olympiasaison, um bei gutem Heilungsverlauf rasch wieder Anschluss an die Konkurrenz zu finden?

Gregor Schlierenzauer: Die reicht auf jeden Fall. Die Trainingsleistungen waren auf einen enorm hohen Level in letzter Zeit. Man wird erst sehen, wie sehr mich die Verletzung und die notwendige Schonung da zurückwirft, aber eigentlich ist das bei Schispringern kein so großes Problem.

tele: Ist dein Umfeld, dein Betreuerteam jetzt komplett neu? Oder gibt es noch ein paar, die aus der alten Zeit dabei sind?

Gregor Schlierenzauer: Nein, es ist nicht komplett neu. Was neu ist – aber das ist schon länger ein Thema –, ist der Wechsel des Managements. Neu ist auch der Skisprungtrainer in Stams, Christoph Strickner, der auch ÖSV-Trainer ist.

tele: Wenn du wieder in den Weltcupzirkus zurückkehrst – was sind da deine Ziele?

Gregor Schlierenzauer: In jedem Springen Vollgas zu geben und dann zu schauen: Richtung Tournee, Olympische Spiele, Skiflug-Weltmeisterschaft, Kulm. Es gibt heuer ein paar brutal lässige Highlights, vor allem geht es Schlag auf Schlag.

tele: Wie sehr spukt der Traum von der olympischen Einzelmedaille noch in deinem Kopf herum?

Gregor Schlierenzauer: Eine Team-Goldmedaille hab ich ja schon. Aber natürlich ist das nach wie vor ein Thema und eine tolle Motivation, dafür alles zu geben. Man sieht es einfach aus einem anderen Blickwinkel. Bis Olympia vergeht natürlich noch viel Zeit, aber klar: Es ist eine schöne Motivation. Das große Ziel heuer wird aber nicht sein, Olympiasieger zu werden. Das große Ziel ist, wieder das größte Potenzial abzurufen, Sprung für Sprung. Auf das freu ich mich. Ich hatte ja schon oft das Glück, dass es für ganz vorne gereicht hat. Als Weltcupsieger wieder ganz oben zu stehen, das ist das Ziel

tele: Wie ist dein aktueller Status im ÖSV-Team, in welchem Kader bist du jetzt?

Gregor Schlierenzauer:Ich bin nach wie vor im Nationalteam. Man muss sich das aber so vorstellen, dass es mehr oder weniger drei Linien gibt: Ganz oben ist das Nationalteam, in der mittleren Linie das Training im Skigymnasium Stams mit den jungen Burschen, gemeinsam mit Trainer Christoph Strickner. Und dann gibt’s ganz unten das Training im Individualbereich, wo ich mich über Einzeleinheiten mit Christoph Strickner oder speziell im Olympiazentrum in Innsbruck vorbereite. Zwischen diesen Linien versuche ich meinen Weg zu finden. Das hat im Sommer sehr gut funktioniert, ich war auch bei den Trainingskursen des Nationalteams wieder dabei, bin auch die Sommer-Grand-Prix-Bewerbe gesprungen.

tele: Hemmen dich die schweren Verletzungen, die du seit 2016 hattest – oder ist das völlig aufgearbeitet?

Gregor Schlierenzauer: Nein, das ist alles aufgearbeitet. Ich muss auch sagen: Ein Riesendank an alle, die mir dabei geholfen haben. In erster Linie an Dr. Wulf Glötzer (Anm.: Univ.-Doz. Dr Wulf Glötzer, Innsbrucker Facharzt für Unfallchrirugie und Sporttraumatologie), der in mein Knie ja schon mehrfach hineingeschaut hat. Er hat das wirklich sensationell gemacht. Und auch an die Physios, die von der ersten Minute an in der Reha dabei waren. Im Sommer war es schon so, dass ich auf die Schnelle nicht einmal mehr gewusst hab, welches Knie betroffen war. Das ist natürlich schon sehr befreiend im Kopf: Zu wissen – speziell wenn’s sehr weit geht –, dass nichts geblieben ist. Das war ja auch immer ein Thema bei mir, die ganz weiten Sprünge unten reinzuklopfen. Aber nur da gibt’s die Medaillen …

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Interviews, 13. November 2017
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