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Paprika Steen im Interview zur Serie „Countdown Copenhagen“.

Paprika Steen im Interview zur Serie „Countdown Copenhagen“.
© Picturedesk
Veröffentlicht:
05.10.2017
Die dänisch-deutsche Thrillerserie um einen Attentäter, der in der U-Bahn Geiseln nimmt, startet am 6. Oktober um 23.15 auf ZDFneo.

Paprika Steen, die frühere Indie-Queen des Dogma-Kinos, im Gespräch über Eitelkeit, Idealismus, Selbstinszenierung, Wahrhaftigkeit und ihre Begeisterung für Madonna und Gena Rowlands.

tele: Sie sind Schauspielerin und spielen eine TV-Moderatorin, gibt es berufliche Qualitäten, die man für beide Jobs braucht?
Paprika Steen: Schauspielerinnen bereiten sich völlig anders vor: Ich tue ja nur so, als ob. Also hat mich in dem Sinne nichts auf diese Rolle vorbereitet. Meine Figur kämpft mit ihrer Eitelkeit und ihrem Idealismus. Man muss diesen Kampf ständig führen, ganz besonders in meinem Business. Diese Frau ist Nachrichtenmoderatorin und sie war früher Idealistin. Sie hat ihre Ideale vergessen, am Anfang will sie einfach nur, dass die Leute ihre Show anschauen. Im Laufe der nächsten Episoden verändert sie sich und wird wieder mehr die Idealistin, die sie war, als sie jung war.

Wird Ihre Rolle größer?
Ja, zunehmend. Nicht so sehr in den ersten Folgen. Vielleicht übernehme ich ja in der nächsten Staffel (lacht).

Ich wäre dafür.
Sind Sie einer meiner Fans?

Sind das nicht alle?
Nein, nur Filmfreaks. Die Dogma-Filme kennt man eher in meiner Heimat. Dort bin ich sozusagen weltberühmt.

Sie haben in einem Interview einmal gesagt, Sie fühlten sich in den 90ern freier. Ist das Filmemachen stressiger geworden?
Definitiv. Noch dazu für eine Schauspielerin der alten Schule wie mich. Ich mache mir Sorgen um die Handwerkskunst, die Dinge, an denen ich mein ganzes Leben lang gearbeitet habe. Ob es dafür in 20 Jahren noch Platz geben wird? Ich habe einen Sohn, der sehr kulturinteressiert ist, aber er hört kein Radio, er liest kein Buch, er kennt das kaum. Er wächst in einer völlig anderen Welt auf. Ich komme aus einer Familie von Schauspielern und Musikern, bei mir muss alles wahrhaftig sein und das Herz berühren – das versuche ich durch meine Kunst. In der Kunst geht es meiner Ansicht nach auch darum, dass sich die Menschen weniger allein fühlen. Ja, die Neunzigerjahre waren in vielerlei Hinsicht lustig. Ich stand am Anfang meiner Karriere, hatte meinen Durchbruch, kam 1992 aus der Theaterschule. Gleichzeitig gab es diesen Entwicklungssprung in der dänischen Filmindustrie. Ich war Teil dieser Ära.
Dann kamen die Serien, quasi die Ernte. Die Zehnerjahre waren echt schrecklich. Man musste sich neu erfinden. Ich konnte nicht 15 Versionen von Martha in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ spielen oder 15 Versionen von Gena Rowlands. Sie war mein Idol, als ich jung war. Ich habe in vielen dänischen Komödien gespielt, aber viele davon sind schwer zu übersetzen. Ich wende mich jetzt auch wieder mehr und mehr der Komödie zu und in einem Jahr werde ich wieder bei einem Spielfilm Regie führen. Es wird ein Ensemblefilm, der in einer Nacht spielt. Ich möchte noch nicht zuviel verraten, aber ich glaube, die Finanzierung steht.

War es schwierig, den Film zu finanzieren?
Ach, ich habe einen Produzenten, das ist sein Problem. Ich bin nur die Künstlerin (lacht).

Das ist schön, wenn man das sagen kann...
Ja, aber es ist mein Exmann (lacht). Wir sind gute Freunde. Wir haben auch einen gemeinsamen Sohn. Ich bin da so mehr siebzigerjahremäßig. Das war auch bei meinen Eltern so, die waren auch immer beste Freunde.

Man spart sich auch viel Energie, wenn man weniger streitet ...
Ich streite fast nie mit Freunden oder der Familie, aber gern in der Arbeit. Da kommt mein Temperament hervor, in die Arbeit investiere ich meine Energie. Auch meinen Frust. Den habe ich privat jetzt nicht so. Ich möchte es einfach oft besser machen, als es gedacht war, ich gehe nie den traditionellen Weg.

Wie reagieren FilmemacherInnen drauf?
Tatsächlich ist Susanne Bier die einzige, die öfter mit mir gearbeitet hat, alle anderen nur einmal (grinst).

Ist Susanne Bier nicht einfach fantastisch?
Sie ist so viel auf einmal. Sie ist irrsinnig stark, sehr bestimmt, sehr diszipliniert. So bin ich überhaupt nicht. Und wir sind befreundet, ich liebe sie. Man braucht echt viel Mut, um zu tun, was sie tut, ich bin viel sensibler. Ich komme vom Schauspiel und führe auch Regie, aber über sowas reden wir nicht. Ich bitte sie nicht um Rat oder so.

Sie sind jemand, der auch vor social media keine Scheu hat.
Ja, in zweierlei Hinsicht: Wenn ich wirklich reich und berühmt wäre, dann wohl nicht. Aber es macht mir Spaß und manchmal ist es einfach eine gute Möglichkeit zu kommunizieren, dass es dir gutgeht, dass dein Leben ok ist, dass du normal bist. Facebook betreibe ich privat, aber Instagram ist offen. Ich filtere da schon viel. Und setze ein Lächeln auf. Aber die Presse hat so viel über mein Leben erzählt oder besser gesagt ihre Version davon, wer ich bin … So kann ich das selbst kontrollieren. Ich bin Herrin meines Images.

Was hat man da über Sie gesagt?
Ich sei eine Diva oder eine Primadonna. Das hat sicher gestimmt, als ich jünger war. Madonna hat mich da sehr inspiriert. Sie hat bei einer Pressekonferenz einmal gesagt: „Das ist eine blöde Frage, nächste Frage!“ Das hat mir gefallen. Ich habe keinen Filter, ich muss da einfach auf mich aufpassen. Die Journalisten haben nicht auf mich aufgepasst und haben das ausgenützt, als ich jünger war.

„Countdown Copenhagen“:

Drei maskierte Männer nehmen in einer Kopenhagener U-Bahn-Station 15 Geiseln und verlangen von der Regierung vier Millionen Euro Lösegeld – verdächtig wenig. Terrorexperte Philip Nørgaard (Johannes Lassen) wird als Chef der Task-Force eingesetzt. Er war selbst sechs Monate lang in Geiselhaft. Er ist noch immer traumatisiert und seinem ehemaligen Peiniger näher, als er denkt. Nachrichtenmoderatorin Naja Toft (Paprika Steen) wirft alle Bedenken über Bord und interviewt eine der Geiseln live im Fernsehen. Die Situation eskaliert ... Ab 6. Oktober um 23.15 auf ZDFneo, die acht Folgen spielen an acht Tagen.

Zur Person Paprika Steen

Sie wurde in den 1990ern mit Filmen wie „Die Idioten“, „Mifune“ und „Das Fest“ zum Superstar des dänischen Independent-Kinos. Spätere internationale Erfolge sind u.a. die TV-Serie „Der Kommissar und das Meer“, „Superclassico“ & „Love Is All You Need"

Interview: Julia Pühringer, Berlin

Interviews

Paprika Steen im Interview zur Serie „Countdown Copenhagen“.
Interviews, 05. Oktober 2017
Paprika Steen, die frühere Indie-Queen des Dogma-Kinos, im Gespräch über Eitelkeit, Idealismus, Selbstinszenierung, Wahrhaftigkeit und ihre Begeisterung für Madonna und Gena Rowlands. tele: Sie sind Schauspielerin und spielen eine TV-Moderatorin, gibt es berufliche Qualitäten, die man für beide Job… mehr >
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