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Gut erfunden - Die Tagespresse im Fernsehen

Gut erfunden - Die Tagespresse im Fernsehen
© ORF
Veröffentlicht:
18.09.2017
Sie nehmen die Nachrichtenwelt auf die Schaufel. Und sie können mit Fake News gut leben, denn sie sind Fake News. Das Online-Satiremagazin Die Tagespresse kommt jetzt auch ins Fernsehen. Die Folgen sind unabsehbar …

Tagespresse aktuell“ heißt die 20-minütige Comedy-Show, die nun wöchentlich in der Dienstagnacht auf ORF eins läuft. Nach dem Onlineauftritt (www.dietagespresse.com) und einem Bühnenprojekt („Die Tagespresse Show“, seit 2016 am Rabenhoftheater, Wien) will das Satire-Team auch im Fernsehen „Fakten und Einsichten liefern, zu denen andere Medien trotz intensiver Recherche gar keinen Zugang mehr haben“.

Was tut sich so im Land?
In der TV-Show berichtet der Kabarettist und Autor Joachim Brandl als Anchorman Joachim Fuchs objektiv und knallhart über nationale wie internationale Ereignisse. Zusammen mit einem fünfköpfigen Reporterteam (Magda Kropiunig, Antonia Stabinger, David Scheid, Lukas Tagwerker und Berni Wagner) lässt er wichtige Ereignisse aus Politik, Wirtschaft, Chronik, Kultur und Sport Revue passieren, seine Crew fängt mit aberwitzigen Interviews und investigativen Reportagen die Stimmung im Land ein.

Ein Hauch von Größenwahn
Chefstratege Fritz Jergitsch, der die Satireseite 2013 gründete und heute mit Jürgen Marschal (u. a. Gagschreiber für „Willkommen Österreich“) und Sebastian Huber (u. a. Drehbuchautor) das Autoren-Trio bildet, kommentiert den TV-Start trocken bis herablassend: „Wir freuen uns, dem kleinen Regionalsender ORF etwas mehr Popularität verschaffen zu können. Und für uns ist es eine gute Zwischenlösung, bis der Deal mit CNN in trockenen Tüchern ist.“ Im tele-Interview legt das „Tagespresse“-Mastermind nach und lässt durchklingen, dass der Starttermin im ORF wohl von langer Hand geplant war.

tele: Du bist ja in den 90ern und 00er Jahren groß geworden: Welche Comedy-Shows haben dich denn in frühen Jahren inspiriert?

Fritz Jergitsch: Die erste war sicher „Dorfers Donnerstalk“. Da war ich 13, 14 Jahre alt, damals hab ich mich die ganze Woche auf die nächste Sendung gefreut. Ich bin natürlich mit der „Donnerstag Nacht“ aufgewachsen. Ich hab mir auch Stermann & Grissemann von Anfang an angeschaut.

tele: Eure TV-Show erinnert durch das Anchorman-Prinzip ein bisschen an Formate wie die „heute-show“ oder „Die Wochenshow“. Hattet ihr das im Hinterkopf, als ihr die Sendung geplant habt?

Fritz Jergitsch: Klar haben wir uns sehr viele andere Sendungen angeschaut und geschaut: was funktioniert und was funktioniert nicht? Wir haben aber trotzdem versucht, eine eigene Sendung zu produzieren. Natürlich kommen einige Elemente auch in anderen Sendungen vor, aber die Inhalte werden total unsere eigenen sein. Auch viele der Rubriken, die vorkommen, haben wir neu erfunden. Aber eine Idee kommt ja nie aus dem Nichts und ist komplett uninspiriert. Eine Idee ist immer so ein Potpourri aus den verschiedenen Eindrücken, die man selber hat.

tele: Als du die „Tagespresse“ gegründet hast: Hattest du das irgendwo schon im Hinterkopf, dass das Projekt einmal im Fernsehen landen könnte?

Fritz Jergitsch: Überhaupt nicht. Ich hab’s ja als Website mit Facebook-Seite gestartet. Ich hab nicht einmal gedacht, dass es auf Facebook besonders groß werden wird. Dann ist es explodiert, aber an Fernsehen hab ich noch immer nicht gedacht. Der Gedanke ist mir erst gekommen, als es die ersten Kontakte zum ORF gab. Und jetzt bekommen wir unsere eigene Sendung. Kabarettmäßig ist das natürlich das Beste was passieren kann. Wir schauen jetzt einmal, dass wir die erste Staffel richtig gut machen und hoffen, dass es funktioniert.

tele: Wie ernst muss man als Autor an die Sache herangehen, um wirklich so lustig rüberzukommen?

Fritz Jergitsch: Man braucht schon eine gewisse Ernsthaftigkeit. In dem Sinne, dass man wissen muss, was so passiert. Man muss sich eine Meinung darüber bilden, und man muss auch irgendwie was fühlen. Wenn man die Zeitung aufschlägt und einen Artikel liest, muss man auch was fühlen. Gerade das Gefühl dafür, die Emotion ist so wichtig. Man muss also schon eine gewisse Ernsthaftigkeit haben, man kann nicht alles nur mit Humor nehmen.

tele: Wird Satire im Stil der „Tagespresse“ auch irgendwann zu Routine? Hat sich bei euch schon Routine eingeschlichen?

Fritz Jergitsch: Routine gibt’s dann, wenn man im Büro sitzt und es passiert nichts. Man saugt sich irgendwas aus den Fingern und schreibt halt über irgendein Dauerthema. Lustig wird’s dann, wenn sich die Ereignisse in der Politik überschlagen. Wenn also ein Mitterlehner oder Faymann zurücktritt, wenn der Wahlkampf richtig losgeht. Darum ist es auch ein glücklicher Zufall, dass die Hochphase des NR-Wahlkampfs ausgerechnet mit dem Start unserer Sendung zusammenfällt. Wir haben ja drei oder vier Episoden während des Wahlkampfs und die restlichen Episoden während der Regierungsbildung. Ich glaube, dass wir am lustigsten sind, wenn viel in der Politik passiert. Dann haben wir auch die besten Witze und dann hat „Die Tagespresse“ auch die meisten Zugriffe.

tele: Welche Politiker haben derzeit national und international das größte Satirepotenzial?

Fritz Jergitsch: Die meisten Leute würden jetzt wahrscheinlich an Donald Trump denken, aber ich finde, der hat sich schon ein bisschen abgenützt. Sehr spannend finde ich, was gerade in unserer Innenpolitik passiert. Kern mit seinem mittelmäßig angelaufenen Wahlkampf. Kurz, der lange Zeit nicht einmal ein Programm hatte. Strache, der neben den beiden anderen total untergeht. Die Grünen sind sowieso nur noch zur Satirepartei verkommen. Da gibt’s sehr viel Material …

tele: Welche US-Shows – Late Night oder Comedy – schaust du? Welche inspirieren dich?

Fritz Jergitsch: Ich schau sehr gerne die „Daily Show“ mit Trevor Noah, die hab ich auf Facebook abonniert. Für uns ist er aber nur bedingt ein Vorbild, weil er ja doch was anderes macht: Late Night Show mit Publikum. Das ist keine Nachrichtenshow, sondern dezidiert eine satirische Late Night Show. Und das sind natürlich auch andere Dimensionen. Solche Shows machen riesige Studios, da arbeiten 50 Autoren mit. Wir hingegen stemmen unsere Sendung jetzt mit fünf Autoren und einer kleinen Produktionsfirma.

tele: Wie beurteilst du die „Satirelandschaft Österreich“ generell, auch im Vergleich zu Deutschland? Sind wir da breiter aufgestellt?

Fritz Jergitsch: Nein, finde ich eigentlich nicht. Aber Sendungen im ORF wie eben „Dorfers Donnerstalk“ oder „Willkommen Österreich“ fand ich immer lustig. Ich selbst hab die „Tagespresse“ gestartet, weil es sowas einfach noch nicht gab. Ich hab sie gegründet, weil ich das schade fand –und gar nicht mit dem Hintergedanken, dass ich damit einmal Geld verdienen würde. Ich dachte, Österreich braucht sowas irgendwie.

tele: Was könnte für die „Tagespresse“ der nächst Schritt im Entertainment-Business sein? Plant ihr schon den nächsten Coup?

Fritz Jergitsch: CNN, Netflix …(lacht) Nein, überhaupt nicht. Wir schauen, dass wir jetzt eine super Sendung hinkriegen. Alles andere entscheiden wir dann, wenn’s entschieden werden muss.

 Interview von Franz Jellen

Interviews

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Interviews, 18. September 2017
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