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Immer wieder Jim

Immer wieder Jim
© Picturedesk
Veröffentlicht:
17.11.2016
Tele hat Kultregisseur Jim Jarmusch im Mai zu seinem neuen Film „Paterson“ interviewt.

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In „Paterson“, dem neuen Film von Jim Jarmusch, passiert wenig, das aber dafür sehr charmant. Jim Jarmusch, bekennender Punkrocker, ist trotzdem kein ¬Freund von Krach – zumindest, was seine Filme betrifft. Seine Filme, etwa „Night on Earth“, „Dead Man“, „Coffee and Cigarettes“, „Broken Flowers“ und „Only Lovers Left Alive”, haben Kultstatus, ihre skurillen Hauptfiguren sowie einzelne Dialoge ebenfalls.

 

 

 

tele: Ihr erster Dreh mit einem Hund?
Jim Jarmusch: Ich hatte eine Katze in „Broken Flowers“, aber die ließ sich nicht dressieren. Der Hund war großartig. Sie war acht Jahre alt, ein sehr glückliches, lustiges Wesen. Der Trainer hatte sie aus einem Tierheim. Ich mochte sie, weil sie ein sehr hässliches Gesicht mit fast menschlichen Augen hatte. Und sie machte all diese seltsamen Geräusche, die wir dann in den Film hineinmontiert haben.

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Erinnert Sie die Stadt Paterson an die Vorstadt, in der Sie aufgewachsen sind?
Nein, dort herrschte Rassentrennung. An meiner Highschool waren in der Abschlussklasse beinahe 1000 Leute und alle waren weiß. Es gab genau einen Juden. Davor bin ich mein Leben lang geflohen. Ich bin nach New York gegangen, hier spricht man alle Sprachen, ich liebe das.

Sie selbst lieben „kleine“ Filme …
Ich habe nichts gegen „große“ Filme, ich mag „Mad Max: Fury Road“ zum Beispiel sehr. Aber es soll auch Platz für eine andere Art Film geben. Davon sehe ich einfach zuwenig. Ich beobachte gern, sammle gern Details. Diesmal macht das auch der Protagonist, er trägt sie dann in seinen Gedichten wieder nach außen.

Sind die Details im Film alle echt? Der Zeitungsausschnitt mit Iggy Pop? Die Streichholzschachtel?
Ja, Ron Padgett hat dieses Liebesgedicht mit den Streichhölzern schon lange vor dem Film geschrieben, so kamen sie in den Film. Und der „Girls Club of Paterson“ hat 1970 Iggy Pop zum „World’s sexiest man“ gewählt. Das mussten wir einfach verwenden. Alles ist gleichzeitig wahr und erfunden, verstehen Sie?

„Paterson“ ist der zweite Film, den Sie digital gedreht haben …
Das ist nur ein Werkzeug. Man kann mit einem Bleistift schreiben oder am Laptop. Die Worte sind dieselben.

Paterson, der Film:

Der Busfahrer und die Künstlerin: „Girls“-Star Adam Driver und Golshifteh Farahani aus „Exodus: Götter und Könige“ als verträumtes Traumpaar im Kino.

paterson05-Mary-CybulskiBusfahrer Paterson (Driver) fährt durch eine Stadt namens Paterson, sie liegt irgendwo in New Jersey. In den Pausen schreibt er zarte Alltagsbeobachtungen in Gedichtform. Seine Frau Laura ist Künstlerin, setzt ständig neue Projekte um, bäckt, malt, lernt Gitarre. Abends führt Paterson seinen Hund spazieren und geht auf ein Bier in die Bar am Eck. Recht viel mehr passiert hier nicht, aber das ist volle Absicht: Jim Jarmusch wollte einen freundlichen Film über freundliche Menschen machen, das ist ihm gelungen.

 

 
 

Ab 18. 11. im Kino!

Interviews

Immer wieder Jim
Interviews, 17. November 2016
  In „Paterson“, dem neuen Film von Jim Jarmusch, passiert wenig, das aber dafür sehr charmant. Jim Jarmusch, bekennender Punkrocker, ist trotzdem kein ¬Freund von Krach – zumindest, was seine Filme betrifft. Seine Filme, etwa „Night on Earth“, „Dead Man“, „Coffee and Cigarettes“, „Broken Flowers… mehr >
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