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Programmänderungen zum Tod von Blacky Fuchsberger

Programmänderungen zum Tod von Blacky Fuchsberger
© Picturedesk
Veröffentlicht:
11.09.2014
Er wurde bekannt durch eigene Shows und die Edgar-Wallace-Filme: Der TV-Star starb im Alter von 87 Jahren in seinem Haus bei München. Unser letztes Interview lesen Sie hier.

Berühmt wurde er 1954 mit der Kriegsfilmreihe „O8/15“, beliebt mit den Edgar-Wallace-Verfilmungen, viel später als Moderator von „Auf Los geht’s los“, „Heut‘ abend“ und „Ja oder Nein“.

In Pension gegangen ist er nie: „Live is Life – Der Himmel soll warten“ mit Ursula Strauss, Jan Josef Liefers, Bibiana Zeller und Dieter Hallervorden wurde 2012 gedreht, die Fortsetzung vom TV-Erfolg „Die Spätzünder“. 2007 war er in der Krimi-Persiflage „Neues vom Wixxer“ zu sehen, die die Generation Edgar Wallace auf dem Arm nahm. Mit der Ruhe im Alter war es für Fuchsbergers nicht weit her – im Jahr 2000 starb Fuchsbergers Sohn überraschend. Mit seiner zweiten Frau Gundula war Fuchsberger fast sechs Jahrzehnte verheiratet.

tele traf ihn Ende 2012 bei den Dreharbeiten zu „Live is Life“ in der Szene Wien:

Drehpause in der Szene Wien. Statt jungen Rockern kommen ein paar ältere Herrschaften aus dem großen Saal. Wolfgang Murnberger dreht hier gerade die Altersheim-Comedy „Life is Live – Der Himmel soll warten“. Mit an Bord: Joachim Fuchsberger, unvergessener Frauenschwarm.

„Komm ein bisschen näher“, sagt Blacky Fuchsberger. Er hört schon nicht mehr so gut. Seine Lebensweisheit teilt er trotzdem gerne. Klar und deutlich. Ein kluges Gespräch.

Wie wichtig ist Ihnen ein würdiger Umgang mit dem Alter?

Viele sehen das nur unter wirtschaftlichen Aspekten oder Geldaspekten: Wir werden zu alt, wir leben zu lange, wir nehmen der Jugend die Zukunft weg und lauter so Scheiß. Dagegen wehre ich mich schlicht und ergreifend, weil ich – das glaube ich wenigstens – den Grips noch im Hirn hab, dass ich sage, den Tücken das Alters entkommt man nicht, in dem man in der Jugend nur daran denkt, wie es wird, wenn man alt wird. In der Jugend soll man daran denken, wie man sich Freude bereiten kann. Heute steht das Erfolgsdenken über allem, aber Erfolg kann man meiner Meinung nach nur mit etwas haben, was einem Freude bereitet.

Sie haben erzählt, sie haben zu Beginn Ihrer Karriere viel von großen Schauspielern gelernt. Können sich die Generationen gegenseitig inspirieren?

Nicht bei diesem Film, weil hier überwiegen ja die alten Hauptrollen. Aber es kommen sehr viele junge Kollegen und beobachten, wenn ich arbeite. Die lieber nicht auf Pause und wollen stattdessen zuschauen. Das haben wir früher auch gemacht, wenn die Top-UFA-Stars die Treppen runterkamen – wir wussten gar nicht, wie man ne Treppe runtergeht.

Wie geht man eine Treppe runter?

Das ist schwer, sehr schwer. Da merkt man, dass man Gliedmaßen hat und wo die hingehören. Auch Pausen machen und Pointen setzen, das muss man lernen, das lernt man in der Schauspielschule kaum. Ich hab nie eine von innen gesehen, weil ich das Gefühl hatte, da wird man eher verbildet. Da kommt man von der Schauspielschule und hat ein gewisses Handwerk gelernt, aber verdammt nochmal das Talent fehlt.

Können sich Jugend und Alter inspirieren?

Die Zeiten ändern sich und man ist gut beraten, wenn man sich mit der Zeit auch ändert. Ich habe durch meinen Sohn gelernt, mich viel mit jungen Menschen zu beschäftigen und ihnen zuhören. Man darf die Jugend nicht mit Erlebnissen von früher volllabern, man muss den Jungen zuhören. Wir Alten könnten ein bisschen sowas sein wie Navigationsgerät, ein GPS. „Wenn möglich, bitte wenden“ oder „Nächste Abzweigung links“, je nachdem.

Was ist für Sie im Alter wichtig?

Ich will meine Entscheidungen selber treffen können. Und das ist, glaub ich, das höchste Gut, über das man im Alter verfügen kann. Die Glieder lassen langsam nach und andere Organe auch, aber der Kopf funktioniert noch. Und man muss sich den Luxus leisten können, nein zu sagen. Und den leiste ich mir.

Wozu sagen Sie nein?

Zu allem, was schlecht ist, was keine Qualität hat. Was nicht mehr die Kriterien erfüllt, mit denen ich aufgewachsen bin. Die Kriterien waren „gut“. Heute ist das Kriterium „gut genug“. Gut genug ist nicht gut.

Was ist das Geheimnis einer glücklichen Ehe? Sie sind einer der wenigen, der es offensichtlich kennt ...

Große Anstrengung und großes Bemühen. Man darf nie vergessen, dass der Mensch, für den man sich entschieden hat, eine starke individuelle Persönlichkeit bleibt und nicht zum Eigentum des anderen wird. In dem Moment, wo man das Empfinden hat, der Partner gehört einem oder ich muss ihn so gestalten, wie ich ihn gerne hätte, wenn ich merke, dass er nicht so ist, wie ich, das ist der Anfang vom Ende. Eine glückliche Ehe besteht zu 100 Prozent physischer Anziehungskraft am Anfang aber das hört relativ schnell auf. Und dann muss etwas anderes kommen. Und das ist, wie ich sage, die größere Liebe, die leuchtendere, die von innen kommt. Wo es nicht mehr darauf ankommt, ob der Busen noch ganz prall ist und der Hintern fest, sondern wo's darauf ankommt, was hat der Mensch mir zu sagen. Wo ich sage, bitte gib mir deine Hand, ich brauch sie. Das ist das Geheimnis einer Ehe, der Respekt vor dem Andern. Und ich habe das große Glück, dass ich im 59. Jahr mit einer wundervollen Frau verheiratet sein darf. Deren Hand ich sehr oft brauche.

Vielen Dank für das Gespräch!

fuchsberger_Puehringer

Interview: Julia Pühringer


Programmänderungen: 

Donnerstag, 11. September,

Bayerisches Fernsehen

  • 22.05 Uhr Abschied von Joachim Fuchsberger. Von Klaus Ickert
  • 22.50 Uhr Unter 4 Augen. Nina Ruge im Gespräch mit Joachim "Blacky" Fuchsberger
  • 23.15 Uhr Heut` abend. Die 300. und letzte ARD-Talkshow mit Joachim Fuchsberger

Freitag, 12. September

Bayerisches Fernsehen

  • 10.05 Uhr Abschied von Joachim Fuchsberger Von Klaus Ickert

Samstag, 13. September

ORF2:

  • 13.20 Live is life, Fernsehfilm, AUT/DEU 2009


ARD-Alpha
  • 23.45 Uhr alpha-Forum: Joachim Fuchsberger Moderation: Sandra Matl

Bayerisches Fernsehen

  • 20.15 Uhr Mein Schatz ist aus Tirol Spielfilm, BRD 1958
  • 22.00 Uhr Joachim Fuchsberger erzählt 
  • 22.30 Uhr Edgar Wallace - Im Banne des Unheimlichen Spielfilm, BRD 1968

Sonntag, 14. September

  • 13.30 Uhr Das fliegende Klassenzimmer Spielfilm, BRD 1973
  • Hörfunk: 12.00 Uhr Bayern 1 wiederholt am Sonntag die Talksendung "Die Blaue Couch" aus dem Jahr 2007

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