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Der wilde Westen: Tobias Moretti im tele-Interview

Der wilde Westen: Tobias Moretti im tele-Interview
© Filmladen
Veröffentlicht:
12.02.2014
Im genialen Alpen-Western Das finstere Tal spielt Tobias Moretti mit Begeisterung den Fiesling. Wir sprachen mit ihm über Tirolerisch, Amerika und Schnaps.

Nach „Willkommen Österreich“ ist vor der Abendvorstellung in München: Wir trafen Tobias Moretti bei seinem Kurzaufenthalt in Wien um mit ihm über den Western "Das finstere Tal" zu sprechen.

tele: Cowboy oder Indianer?

Moretti: Als Kind hab ich beide Rollen abwechselnd gespielt.

Tirolerisch im Film, ungewohnt für Sie?

Das Idiom passt zur Lakonie dieser Umgebung. Die Menschen sind ja letztlich wie ihre Umgebung und schauen auch immer so aus, haben dieselben schroffen Kanten. Ich war vor einigen Jahren zum ersten Mal in den Abruzzen, kaum kommt man auf eine gewisse Höhe, schaut es auch aus wie bei uns, obwohl auf der Höhe von Neapel. Als ich voriges Jahr in Marokko auf fast 3.000 Metern Höhe trainiert habe, hatte ich denselben Eindruck. Die Umgebung formt die Mentalität von Ausdruck und Sprache.

Haben Sie einen Lieblingswestern?

„Spiel mir das Lied vom Tod“ von Sergio Leone mit Charles Bronson und Claudia Cardinale ist ja sozusagen die Ikone. Und „Leichen pflastern seinen Weg“ mit Jean-Louis Trintignant und Klaus Kinski (der spielt auch im Winter) ist ein absoluter Liebling.

Interview_Das-finstere-TalEinmal der Bösewicht am Pferd in einem Genrefilm sein – ein Vergnügen?

Ein unglaubliches Vergnügen. Nur das mit den Rössern, das haben wir nicht so drauf. In Frankreich und Marokko kann man neben den Pferden schießen und sie werden nicht nervös. Für diese Art von Genrefilm sind die Möglichkeiten da offensichtlich. Wir haben dafür einfach die Mittel nicht, das war schon verschärft. Aber das gehört eben dazu, und letztlich ist ja alles gut gegangen.

Wie schlimm war der Dreh im Winter?

Es war brutal durch die Kälte von minus 25 bis 28 Grad. Aber wir waren eine eingeschworene Community, haben ja auch Brüder gespielt, und waren als Klüngel nicht auseinanderzukriegen, auch nicht nach Drehschluss.

Interview_Das-finstere-Tal5Ich habe mir sagen lassen, Sie machen auch einen guten Schnaps …

(Lacht) Ja. Der ist natürlich auch zum Einsatz gekommen.

Was ist Sam Riley für ein Kerl?

Der Sam hat zwar unseren Feind gespielt, war aber wie Bruder Nummer Sieben. Uns verbindet nach wie vor eine Freundschaft, er ist ein unglaublich charmanter, lässiger Typ und ein sehr guter Schauspieler. Ein richtiger Engländer – im positivsten Sinne.

Waren Sie immer schon kompetitiv?

Sowieso. Das ist aber in der Struktur, in der ich aufgewachsen bin – mit drei Brüdern – ganz normal. Dazu kommt noch, dass ich Spiel und Realität immer schon vermischt habe.

Sie haben die Hitler-Rolle in „Operation Walküre“ abgelehnt. Hat Sie eine internationale Karriere nie interessiert?

Ich bin’s auch vom Theater gewöhnt, inhaltlich zu arbeiten. Das Drumherum – Amerika und was so dazugehört – ist nicht der Impuls für eine Rolle. Bei „Speer und Er“ wurde genauestens und inhaltlich gearbeitet, das war wahrscheinlich das größte Rollenrisiko meines Lebens. Und Cruise ist nicht Tarantino, bei ihm wäre die Rolle ein Beiwerk gewesen für seine Heldenperspektive von Stauffenberg. Wenn’s nicht funktioniert, hat man verspielt; wenn’s funktioniert, wirst du womöglich rausgeschnitten.

Julia_Phringer_und_Tobias_Moretti_Das_Finstere_Tal

Das Interview führte Julia Pühringer

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Interviews

Der wilde Westen: Tobias Moretti im tele-Interview
Interviews, 12. Februar 2014
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