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"Die Menschen sind verführbar."
Interview mit Roland Suso Richter

Interview/Promis

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Am 15. März läuft in ARD der neue Spielfilm von Regisseur Roland Suso Richter: "Die Grenze", ein Zweiteiler mit Stars wie Benno Fürmann, Thomas Kretschmann, Marie Bäumer, Anja Kling und Katja Riemann.

Die Grenze: Montag, 15. März, 20.15 Uhr, ARD

Es geht um ein Deutschland der Zukunft – soziale Unruhen bilden den idealen Nährboden für die rechte Partei DNS. Eine Agentin und ein ehemaliger Weggefährte soll eingeschleust werden, um den Wahlsieg der Populisten zu verhindern.

rtv-Redakteurin Stefanie Moissel hat den Regisseur getroffen:

In „Der Tunnel“ haben Sie die Mauer untergraben, in „Das Wunder von Berlin“ niedergerissen, und in „Die Grenze“ bauen Sie sie wieder auf. Das Thema lässt Sie nicht los....
Der Mauerbau 1961 – das war das Jahr, in dem ich geboren wurde. Das Thema hat mich schon während meiner Kindheit und Jugend begleitet. Drei so starke Stoffe darüber drehen zu dürfen, war ein Geschenk.

In Ihrem Film greift ein der ultra-rechte Politiker Schnell nach der Macht, die Linke will eine neue DDR. Glauben Sie, unsere Geschichte könnte sich tatsächlich wiederholen?
Dass es eine neue DDR geben könnte, glaube ich natürlich nicht. Aber wir alle wissen ja aus unserer eigenen Geschichte, wie schnell Dinge aus dem Ruder laufen können. Wie viel oder wenig es braucht, dass eine Mauer gebaut wird. Wie viel oder wenig passieren muss, dass jemand wie Hitler an die Macht kommt. Das sind Dinge, bei denen wir sehr aufmerksam sein müssen.

Aber funktioniert Politik so einfach? Gerade noch als rechter Spinner belächelt, avanciert Schnell zum Helden, weil er den Menschen Geschenke macht. Sind Wähler wirklich käuflich?
Ich würde sie nicht käuflich nennen. Aber die Menschen sind verführbar. Verführbar, sich an Strömungen dranzuhängen, weil diese ihnen etwas versprechen – Freiheit, oder wirtschaftliche Unabhängigkeit.
Die Situation im Film sieht ja vor, dass es den Menschen noch schlechter geht, als es im Moment schon der Fall ist. Als Nico Hofmann die Idee zum Film hatte, gab es noch nicht mal eine Wirtschaftskrise.

Wie sind Sie zu diesem Stoff gekommen?
Das war Nicos Idee (‚Produzent Nico Hofmann; Anm. d. Red). Mit ihm verbindet mich eine sehr, sehr lange Freundschaft. Wir haben uns vor 28 Jahren kennen gelernt. Seitdem sind wir gemeinsam diesen Filmweg gegangen. Eines Tages sagte er beim Essen: „Ich möchte unbedingt mal einen Film darüber machen, dass Deutschland sich wieder teilt“. Das fand ich sehr spannend. Aber dann haben andere Filme mich von diesem Film wieder abgelenkt. Aber irgendwann lag dieses Buch auf dem Tisch und die Zeit war reif.

Ist „Die Grenze“ eher ein Thriller oder ein Politdrama?
(Lacht) Genau darüber gab es eine lange Diskussion. Es ist schwer, einen passenden Begriff für das Genre zu finden. „Die Grenze“ ist ein Thriller, der auf der politischen Ebene funktioniert. So müsste man das vielleicht sagen.

Auf jeden Fall sind Ihre Filme meist schwere Kost. Würden Sie nicht gerne auch mal eine Komödie drehen?
(Lacht) Eigentlich schon. Das Problem ist: Es kommen schon wieder so viele tolle dramatische Stoffe auf mich zu, dass die Versuchung einfach zu groß ist. Figuren an Abgründe heranzuführen, ist einfach das, was mich an meiner Arbeit am meisten reizt. Da bin ich verführbar.

Solche teils harten Stoffe waren es auch, die mich früher bewegt haben, im Kino, im Ferrnsehen. Als Jugendlicher bin ich mit solchen Stoffen im Geiste tagelang herumgelaufen. Das hat mich sehr bewegt. Komödien habe ich auch gern gesehen. Aber eine größere Bindung habe ich zu den dramatischen Filmen.

Welche waren das?
In meiner Schulzeit in Marburg, in den Jahren 70 bis 80, gab es ja nicht viel. Es gab keine privaten Sender, nur ARD und ZDF. Was man abends sah, waren die großen amerikanischen oder italienischen, epischen Kinoklassiker. Von Coppola oder Visconti, Scorsese. Die habe ich damals geliebt.

Und was sehen Sie privat am liebsten im Fernsehen?
Ich komme nicht mehr allzu oft dazu. Aber wenn, gehe ich seltsamerweise immer öfter in die Unterhaltungsecke. Ich mag „24“ oder „Stromberg“. Formate, die eine gewisse Kontinuität haben, die weitergehen, die öfter wiederholt werden. Das ist wie ein kleiner privater Hafen, von dem man sagt, „da guck ich mal rein“. Filme sehe ich lieber im Kino.

Sie arbeiten oft mit demselben Team. Thomas Kretschmann und Holly Fink zählen dazu. Was schätzen Sie an ihnen?
Filmemachen ist ja eine Gemeinschaftsarbeit. Dabei ist es sehr wichtig zu wissen, wer die Partner sind, was sie mitbringen. Wenn ich mit Thomas Kretschmann arbeite, dann weiß ich vorher ungefähr, wie das klingt. Das ist für mich erst mal eine Beruhigung. Und so ist das mit dem ganzen Team. Man erschafft sich eine kreative Arbeitsatmosphäre, die sich von Film zu Film weiterentwickelt. So beginnt man beim nächsten Film nicht wieder bei Null. Das spart Energie und ist kreativ.

Da möchte ich noch mal einhaken. Sie haben gesagt, es kommen jetzt wieder schwere Stoffe auf Sie zu. Welche sind das?
Ein schwerer oder schwieriger Stoff ist zum Beispiel der Kinofilm, den ich im Moment mache. Das ist die Verfilmung des Buches „Dschungelkind“ von Sabine Kuegler. Sie ist in Papua aufgewachsen und hat mit ihrer Familie jahrelang bei einem bis dahin unentdeckten Stamm gelebt. Der Film beschreibt das Aufeinandertreffen der beiden Kulturen. Gedreht wird in Malaysia. Der nächste Film ist „Der Medicus“ nach Noah Gordons Roman. Ein sehr großer, epischer, fantastischer Stoff – genau das, was ich mir schon immer gewünscht habe.

Zurzeit wird in der Fernsehbranche viel über die angeblich knapperen Mittel gejammert. Spüren Sie das bei Ihrer Arbeit auch?
Jein. Budgets sind immer knapp. Irgendwann kommt immer der Moment, in dem man sieht, jetzt wird’s eng. Dann muss man einfach anfangen, an der einen oder anderen Ecke sparsamer zu denken. Aber ich habe wirklich keinen Grund zu jammern. Weil ich die Filme machen kann, die ich möchte. Ich weiß aber von anderen Kollegen, dass die es schwerer haben, vor allem bei kleineren Produktionen.

Kostet gutes Fernsehen Geld?
Das kommt drauf an, welche Geschichte man erzählt.
Historische Stoffe zu erzählen, kostet automatisch immer Geld. Ausstattung, Kostüme, Komparsen verschlucken riesige Summen. Hier ist der Aufwand auch gerechtfertigt. Grundsätzlich muss das aber nicht sein. Meinen ersten Film habe ich für 100.000 Mark gedreht.

Kritikermeinung oder Quote – was bedeutet Ihnen mehr?
Letztendlich die Kritikermeinung. Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, elf Millionen Menschen haben deinen Film gesehen. Aber von den 11 Millionen kenne ich vielleicht 40, die ich konkret ansprechen kann. Vielleicht werden es dann im Laufe der Zeit auch 100. Mir liegt viel daran zu wissen, was sagt ein Kritiker, was sagt das Publikum.
Das Traurige am Fernsehen ist: Man arbeitet ein bis zwei Jahre an einem Film, dann kommt der Sendetermin – und dann ist Schluss. Wie abgeschnitten. Dann ist der Film weg vom Fenster. Das ist im Kino schöner. Das Leben des Films ist länger. Er wird auf Festivals gezeigt. Das Feedback, das man von den Menschen bekommt, ist Gold wert und einfach unglaublich schön.

Was würden Sie machen, wenn Sie keine Filme drehen würden?
Ich liebe alles was mit Bildern, mit Fotografie zu tun hat. Auch Musik machen hätte mir gefallen.


Stefanie Moissel, (rtv 10/2010)

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